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Aktienmärkte in komplexer Lage

Magazine aktuell


#gabb aktuell



08.04.2022, 3066 Zeichen

In ihrem aktuellen Börsenbericht schreiben die Analysten von Raiffeisen Research: "Zurzeit befinden sich Aktienbörsen weltweit, allen voran in Europa, in einer komplexen Lage. Abgesehen von der unbeschreiblichen humanitären Katastrophe in der Ukraine als Konsequenz des russischen Angriffskrieges verheißen die wirtschaftlichen Folgen dessen und die daraus resultierende Sanktionsspirale zwischen dem Westen und Russland nichts Gutes für europäische Aktienmärkte. Diese sind im Vergleich zu anderen Börsen aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen und der Energieabhängigkeit gegenüber Russland sowie der geografischen Nähe zur Ukraine überproportional belastet. Rohstoffpreise erklommen in den vergangenen Wochen lichte Höhen und erzeugen so bei vielen europäischen Unternehmen einen erheblichen Margendruck, da die Preissteigerungen wohl nicht im vollen Ausmaß an die Kundschaft weitergegeben werden können. Eine merkliche Entspannung der Lage ist nicht in Sicht, allerdings stufen wir eine deutliche Verschlechterung der Situation als unwahrscheinlich ein. Zwar wird seitens des Westens immer konkreter über ein Öl- und Gasembargo gegenüber Russland diskutiert, wir erwarten aber nicht, dass es zu einem breitflächigen „Zudrehen“ des russischen Gashahns kommen wird. Dennoch ist vor dem Hintergrund der sehr hohen Rohstoffpreise und der gestiegenen Unsicherheit im Hinblick auf Lieferketten von einer merklichen Abkühlung der europäischen Konjunktur auszugehen. In Kombination mit der aktuell sehr hohen Inflation (z.B. in der Eurozone zuletzt 7,5 % im Jahresvergleich) wird das zwischenzeitlich zu gröberen Stagflationssorgen führen.

Auch die Notenbanken können die Aktienmärkte angesichts der Inflationsrisiken nicht vor den Konjunkturrisiken schützen. So ist von der US-Notenbank im heurigen Jahr nicht nur ein deutliches Anziehen der Zinsschraube zu erwarten, sondern auch ein Abbau der Anleihebestände. Auch die EZB wird sich dem Trend einer Verschärfung der Geldpolitik nicht entziehen können, auch wenn sie deutlich maßvoller vorgehen wird. In Summe erhöhen sich dadurch die Refinanzierungskosten der Unternehmen und in weiterer Folge stehen auch die Aktien-Bewertungen aufgrund des attraktiver werdenden Anleihemarktes zunehmend unter Druck.

Die bevorstehende Berichtssaison wird zudem einen Einblick in die bisherigen Auswirkungen aller soeben genannten Belastungsfaktoren auf europäische Unternehmen bringen. Die zurzeit im Konsens erwartete EURO STOXX 50-Gewinnwachstumsrate von 10,5 % erachten wir als zu optimistisch. Wir gehen davon aus, dass sich die Gewinnwachstumsraten in der Eurozone im Zuge negativer Gewinnüberraschungen einer Stagnation annähern. Da US-Unternehmen bezüglich Energie kaum von Russland abhängig sind und auch die wirtschaftlichen Verflechtungen weitaus geringer sind, rechnen wir hingegen mit einer vergleichsweise freundlicheren US-Berichtssaison. In Summe sehen wir speziell bei europäischen Aktien kurzfristig noch Kursrisiken. In Blickrichtung zweite Jahreshälfte sollte sich das Aktienumfeld dann aber wieder aufhellen."



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Autor
Christine Petzwinkler
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