05.05.2025, 3689 Zeichen
Wien (OTS) - Am vergangenen Mittwoch, 30. April 2025, lud
Wirtschaften am Land die
land- und forstwirtschaftlichen Verbände zum alljährlichen Verbände-
Netzwerktreffen in die Bundeshauptstadt Wien ein. Dieses Treffen
dient dazu, die verschiedenen Vertreter der land- und
forstwirtschaftlichen Branchen untereinander besser zu vernetzen und
den Austausch mit agrarpolitischen Vertretern zu fördern. Im Zentrum
des diesjährigen Treffens stand die aktuelle geopolitische
Sicherheitslage und die Herangehensweise Europas zu
Freihandelsabkommen.
Prominente Teilnehmer und spannende Fachvorträge
Impuls zum konstruktiven Diskurs gaben die Fachvorträge von
Landwirtschafts- und Klimaschutzminister Mag. Norbert Totschnig, des
Krisensicherheitsberaters des Bundeskanzleramts, Dr. Peter Vorhofer
und des Vertreters der EU-Kommission Mag. Felix Lutz. Dabei wurden
wichtige Themen wie etwa die Versorgungssicherheit in Krisenfällen,
Auswirkungen geopolitischer Entscheidungen auf Europa und Österreich
sowie die Folgen möglicher Freihandelsabkommen mit Drittstaaten
behandelt. Vorhofer etwa führte in seinem Vortrag aus, dass die
gewohnte Weltordnung nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Daher
ist das Thema „Sicherheit“ in allen Belangen von zentraler Bedeutung
eines funktionierenden Staates und das Herzstück der Demokratie. Dazu
zähle auch die Landwirtschaft. Jeder einzelne landwirtschaftliche
Betrieb habe vor allem in den aktuell unsicheren Zeiten einen
wichtigen Anteil an der Sicherheit eines Staates.
Von zentraler Bedeutung war außerdem die Übergabe des
Positionspapiers von Wirtschaften am Land an Mag. Lutz zu einer
möglichen Liberalisierung der europäischen Handelsbeziehungen mit der
Ukraine, das in Zusammenarbeit mit den agrarischen Verbänden erstellt
wurde.
Mögliche Handelsliberalisierungen sorgen nachhaltig für
Diskussion
„Mit 05. Juni läuft die derzeit geltende ATM-Verordnung aus. Die EU
strebt eine langfristige Heranführung an den Binnenmarkt an. Wir
mahnen hier Vorsicht ein und ein Vorgehen, das auch die europäische
landwirtschaftliche Produktion im Blick hat., stellt Robert Pichler,
Obmann des Vereins Wirtschaften am Land , klar. Bundesminister
Totschnig beschreibt die Situation in seinem Fachvortrag so: „Die
Liberalisierung von Handelsbeziehungen kann auch für vergleichsweise
kleine Länder wie Österreich vorteilhaft sein. So hat sich etwa der
Gesamtwert des österreichischen Handelsvolumens seit dem EU-Beitritt
1995 verneunfacht. Jedoch braucht es dafür Produktionsstandards, die
jenen der Europäischen Union entsprechen. Es muss bei einer möglichen
Liberalisierung darauf geachtet werden, dass die Wettbewerbsfähigkeit
der Europäischen Union nach wie vor gegeben ist und auch der Erhalt
der kleinstrukturierten österreichischen Landwirtschaft gesichert
ist.“ In Bezugnahme auf das Thema Mercosur-Abkommen führte Mag. Lutz
aus, dass 43% des wertmäßigen Anteils der Ausfuhren aus den Mercosur-
Staaten in die Europäische Union Agrarprodukte sind. Umgekehrt liegt
der wertmäßige Anteil der Agrarprodukte an den Exportgütern aus der
EU in die Mercosur-Staaten bei nur 6%.
Übergabe des Positionspapiers von Wirtschaften am Land an
Vertreter der Europäischen Union
Das Positionspapier spricht sechs zentrale Forderungen an, die es aus
der Sicht von Wirtschaften am Land besonders zu berücksichtigen gilt.
Pichler meint zusammenfassend: „Bei einer weiteren
Handelsliberalisierung braucht es eine vorsichtige Herangehensweise,
die zu keinen Wettbewerbsverzerrungen führt, einen funktionierenden,
innereuropäischen Binnenmarkt weiterhin sicherstellt und stabile
Agrarmärkte gewährleistet.“
Das Positionspapier ist ab sofort in vollem Umfang auf der
Website von unter www.wirtschaftenamland.at abrufbar.
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