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Analysten: Indizes sind Spielball der geo- und geldpolitischen Nachrichtenlage

20.02.2022, 6236 Zeichen

Aus dem Wöchentlichen Marktausblick von Raiffeisen Research: "Auch in der letzten Woche waren sowohl die Geopolitik in Bezug auf die Krise zwischen der Ukraine bzw. dem Westen mit Russland als auch die Geldpolitik die beherrschenden Themen an den internationalen Aktienmärkten. Beide Themen schenkten sich kaum etwas an Brisanz und übernahmen alternierend immer wieder einmal die Themenführerschaft. Als dritter im Bunde ist immer noch die aktuelle Berichtssaison anzuführen, die zwar in den USA bereits ihren Zenit überschritten hat, aber in Europa mittlerweile auf vollen Touren läuft. Auch wenn vom letzten Punkt aufgrund der im Aggregat durchwegs sehr soliden Ergebnisse eine gewisse Unterstützung zu verspüren war, so dominierten die beiden erstgenannten Themen doch deutlich das Marktgeschehen.

In Bezug auf die Ukraine-Krise war in der letzten Woche so gut wie alles vertreten: So zogen die USA bereits ihr Botschaftspersonal aus der Ukraine ab und warnten vor einem möglichen russischen Einmarsch am vergangenen Mittwoch. Ungeachtet dessen drehte sich aber auch das Diplomatie-Karussell auf Hochtouren, wobei sich die diversen Staatschefs die Klinken in Moskau und Kiew jeweils in die Hand gaben. Russland auf der anderen Seite mimte hierbei stets den Wolf im Schafspelz und bestritt trotz des massiven Truppenaufmarsches jegliche Kriegsbestrebungen. Abgesehen davon, dass wir nun durch Russlands EU-Botschafter Tschischow wissen, dass Kriege in Europa selten an einem Mittwoch beginnen (siehe Zitat der Woche) hat Russlands Präsident Putin auch einen Teil-Truppenabzug angekündigt. An der Börse wurde dies zumindest kurzfristig als Entspannungssignal zelebriert, allerdings konnten weder die Nato noch die USA abziehende Truppenbewegungen bestätigen, woraufhin die wohl verfrühte Freude wieder der Vorsicht am Börsenparkett Platz machte.

Aber auch das durch die geopolitischen Spannungen für kurze Zeit in den Hintergrund gerückte Zins- und Inflationsthema rückte aufgrund des am Mittwochabend erwarteten Fed-Protokolls wieder stärker in den Fokus. Vor allem gute und über den Erwartungen angesiedelte makroökonomische Daten aus den USA (z.B. Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze für Jänner) nährten die Sorge vor einer deutlich schärferen Gangart der US-Notenbank. Wie aus dem Protokoll herauszulesen war, steht die erste Zinsanhebung seit der Corona-Pandemie unmittelbar vor der Tür. So weit, so bekannt. Auch der bisherigen Annahme, dass die Inflation im Jahresverlauf abnehmen werde, blieben die Notenbanker treu, wenngleich sie auch festhielten, dass sie eine rasche geldpolitische Straffung ins Auge fassen, sollte dies nicht im erwarteten Ausmaß stattfinden. Insgesamt dürfte die Straffung aber dennoch schneller vonstattengehen, als dies 2015 der Fall war. Allerdings sollen der Zeitplan sowie das Ausmaß bei jeder Zinssitzung neu bewertet werden. Mit Blick auf die billionenschwere Bilanz der Federal Reserve heißt es in dem Protokoll, dass eine deutliche Reduzierung vermutlich angebracht sei. Mit welchem Tempo und in welcher Form dies erfolgt, blieb allerdings offen. Unterm Strich gab es wenig Neuigkeiten, wobei es aber auch keine Hinweise für eine vom Markt befürchtete schärfere Gangart (z.B. großer Zinsschritt im März) gab, was nach der anfänglichen Nervosität auch wieder eine gewisse Beruhigung an den Aktienmärkten mit sich brachte.

Was die Marktimplikationen beider Themen betrifft, so wollen wir an dieser Stelle festhalten, dass vor allem das Thema Zinswende mehr oder weniger langsam eingepreist sein dürfte, was ja auch an der zuletzt klar zutage getretenen relativen Schwächephase der zinsreagiblen Technologieaktien abzulesen war. Hingegen scheint der geopolitische Konflikt rund um die Ukraine bislang kaum einen Risikoabschlag mit sich gebracht zu haben, was wiederum an der relativen Outperformance von Europa vs. USA herausgelesen werden kann. Dies ist natürlich auch der aktuellen Sektorrotation in Richtung „Value“ (vor allem Finanz und Energie) geschuldet, legt aber auf der anderen Seite auch nahe, dass bei einer weiteren Zuspitzung des Ukraine-Konflikts das Korrekturpotenzial vor allem bei europäischen Aktien überproportional wäre.

Zu guter Letzt wollen wir auch noch einen Blick auf die Berichtssaison werfen. Wie zuvor schon gespoilert, ist sie in den USA mit einem Veröffentlichungsgrad von knapp 80 % der Unternehmen bereits in der Zielgeraden angelangt, wodurch auch schon eine aussagekräftige Bilanz gezogen werden kann: So haben mehr als 79 % der Unternehmen die Gewinnerwartungen übertreffen und im Aggregat ein Gewinnwachstum im Jahresvergleich von knapp 30 % erzielen können. Aber auch in Europa können sich die Daten sehen lassen – immerhin haben auch hier bereits mehr als 40 % der Unternehmen ihr Zahlenwerk vorgelegt, wobei rund 66 % die Erwartungen übertreffen haben können. Im Aggregat wird aktuell ein Gewinnzuwachs im Vergleich zur Vorjahresperiode in Höhe von knapp 12 % ausgewiesen.

Wie weiter oben schon festgehalten, so spielt die Berichtssaison aktuell nur eine Nebenrolle, kann aber zumindest in Summe eine gewisse Unterstützung bieten. Ausschlaggebender für die nächste(n) Woche(n) wird vor allem die geopolitische Entwicklung sein, wobei diese auch gleichzeitig unseren aktuell größten Risikofaktor vor allem auf der Negativseite darstellt. Denn auch wenn im Moment die tendenziell wahrnehmbare Abrüstung der Worte sowie die andauernde Gesprächsbereitsschaft (Außenministertreffen zwischen USA und Russland kommende Woche) einen gewissen Hoffnungsschimmer darstellt, so stellen die zunehmenden Spannungen zwischen der Ukraine und den von Russland unterstützten Separatisten ein erhebliches Gefahrenpotenzial dar. Zudem muss der angekündigte Teil-Truppenabzug auch stattfinden, wofür es im Moment aber offensichtlich noch keine Beweise gibt. In Ermangelung neuer Fakten bleiben wir unserem Basisszenario treu, wonach eine größere Eskalation vermieden werden kann und bleiben aufgrund der von uns weiterhin sehr solide erwarteten Konjunktur- und Gewinnwachstumsaussichten für den weiteren Jahresverlauf an den Aktienbörsen optimistisch gestimmt. Kurzfristig werden die Indizes aber wohl weiterhin Spielball der geo- und geldpolitischen Nachrichtenlage bleiben."

 



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Börsepeople im Podcast S23/14: Philipp Vorndran


 

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