04.08.2026, 6048 Zeichen
Am 22. Juni 2026 lief eine Meldung aus Brüssel und Wien durch die Newsflows, in der zwei Namen aus der täglichen ATX-Lektüre auftauchten. Erste Bank Oesterreich und die Raiffeisen-Gruppe steigen bei der European Payments Initiative ein, und zwar als Gesellschafter statt als reine Kunden. Deren Bezahllösung heißt Wero und ist in Österreich bisher nicht verfügbar. Für Anleger ist das mehr als eine Produktankündigung. Es geht um die Frage, wer die Infrastruktur besitzt, über die österreichische Kontoinhaber künftig ihr Geld bewegen.
Die Eigentümerfrage beantwortete EPI selbst. Die Initiative gab bekannt, dass Erste Bank Oesterreich sowie die Raiffeisen Bankengruppe als EPI-Anteilseigner beitreten, letztere bestehend aus der RBI und drei Raiffeisen Landesbanken. Beteiligt sind die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und die Raiffeisen-Landesbank Steiermark. Der Einstieg der Landesbanken steht noch unter dem Vorbehalt der jeweiligen Aufsichtsratsbeschlüsse. Die RBI ist EPI bereits im Vorjahr beigetreten und bietet Wero ihrem Händlernetzwerk an, womit der aktuelle Schritt eher eine Vertiefung als einen Anfang markiert.
Hinter dem Projekt steht das Ziel, eine europäische Alternative zu den US-Anbietern im Zahlungsverkehr aufzubauen. Gegründet wurde EPI von 18 europäischen Banken und Zahlungsdienstleistern, mehr als 50 weitere Institutionen sind inzwischen Mitglieder. Für die Erste Group fällt die Beteiligung in eine Phase, in der sich das Haus neue Finanzziele bis 2030 gesetzt hat. Österreich mit seinen rund neun Millionen Einwohnern gilt EPI als strategischer Wachstumsmarkt, weil die beiden Gruppen zusammen die Mehrheit der heimischen Bankkunden bedienen. Was die Banken damit einkaufen, liegt weniger in der Marke als in der Technik dahinter.
Wero basiert auf Konto-zu-Konto-Zahlungen, kurz A2A. Der Betrag wandert direkt von einem Konto auf ein anderes, ausgelöst über die Telefonnummer der empfangenden Person. Zwischenhändler in der Zahlungskette und die mit ihnen verbundenen Zusatzkosten fallen weg. Zwischen Zahler und Empfänger sitzt kein Kartennetzwerk mehr.
Seit 2024 läuft Wero für Privatzahlungen in drei europäischen Märkten und bedient dort 55 Millionen Nutzer. Im deutschen Einzelhandel ist der Dienst seit Ende 2025 im Einsatz, Zahlungen an Gewerbetreibende sollen folgen. Entscheidend ist dabei die Richtung. Echtzeit gilt für den Hinweg wie für den Rückweg, also auch für Geld, das ein Unternehmen an seine Kunden zurückzahlt.
Sichtbar wird das dort, wo die Auszahlungsdauer offen verglichen wird. Die Liste der Online Casinos mit schneller Auszahlung von Casinoz.at zeigt, wie weit die Bearbeitungszeiten innerhalb eines einzigen Marktes auseinandergehen. Zwischen wenigen Stunden und mehreren Werktagen liegt dort alles, abhängig von der gewählten Methode. Kryptotransfers und E-Wallets landen regelmäßig vor Karten und klassischen Überweisungen. Für die Anbieter ist das eine unangenehme Form von Transparenz. Wer beim Tempo hinten liegt, verliert Kunden an einen Wettbewerber, dessen Zahlungsprozess schneller läuft.
Diese Verschiebung betrifft längst nicht nur eine Branche. Die Zeit bis zum Geldeingang ist in vielen digitalen Geschäftsmodellen zu einer Kennzahl geworden, die Kunden vor dem Vertragsabschluss prüfen. Marktplätze werben damit, wie schnell Verkäufer über ihre Erlöse verfügen. Versicherer messen die Dauer bis zur Auszahlung eines Schadens und stellen sie in den Vordergrund ihrer Angebote.
Auch bei Plattformen für freie Auftragsarbeit entscheidet die Auszahlungsfrequenz darüber, wer die besseren Anbieter anzieht. Wöchentlich statt monatlich ist dort zu einem Verkaufsargument geworden. Der Grund liegt in der Erwartung, die andere Dienste gesetzt haben. Wer eine Überweisung an einen Bekannten in Sekunden erledigt, versteht nicht, warum ein Unternehmen für den umgekehrten Weg fünf Werktage benötigt.
Für die Banken hinter Wero ist das die eigentliche Chance. Kartenzahlungen laufen über mehrere Stationen, bevor Geld beim Empfänger ankommt, und jede Station kostet Zeit und Gebühren. Eine Kontoverbindung ohne diese Stationen verkürzt beide Größen. Ob dieser Vorteil in Österreich ankommt, hängt allerdings an Terminen, die bisher niemand genannt hat.
Der regulatorische Boden dafür liegt bereits. Echtzeitüberweisungen sind seit Oktober 2025 Pflicht für alle Banken, die Euro-Überweisungen anbieten, im Senden wie im Empfangen und ohne Aufpreis gegenüber der normalen Überweisung. Der Betrag steht dem Empfänger innerhalb weniger Sekunden zur Verfügung, rund um die Uhr und an jedem Tag des Jahres. Wero setzt also auf eine Fähigkeit auf, die österreichische Institute technisch längst vorhalten müssen.
Offen bleibt der Zeitplan. Einen konkreten Starttermin für Wero in Österreich haben die Beteiligten nicht genannt, und die Zustimmung der Aufsichtsräte in den Landesbanken fehlt zum Zeitpunkt der Ankündigung noch. Dazu kommt der Wettbewerb. PayPal und die Kartensysteme von Mastercard und Visa sind bei österreichischen Konsumenten etabliert, ihre Bezahlvorgänge sitzen in Gewohnheiten, die sich mit einem Markteintritt nicht auflösen. Für Anleger ist die Beteiligung damit kein kurzfristiger Ergebnistreiber. Wer die Entwicklung verfolgen will, findet die laufenden Meldungen zur RBI-Aktie im Archiv.
Die Sekunde als Übertragungsdauer wird bald nichts Besonderes mehr sein. Sie gehört dann zur Grundausstattung eines Kontos und taugt nicht mehr als Argument. Sichtbar bleibt, was ein Unternehmen vor der Überweisung tut. Prüfungen und interne Freigaben bestimmen dann, ob ein Kunde sein Geld in Minuten oder in Tagen sieht. Das gilt für Banken so wie für jeden digitalen Anbieter. Für die Erste Bank und die RBI liegt der Wert der Beteiligung genau in dieser Verschiebung. Wer die Infrastruktur mitbesitzt, entscheidet mit, welche Abläufe künftig darauf aufsetzen.
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