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12.01.2012, 3068 Zeichen

(Autor: Clemens Haipl) Eine der perfidesten Erfindungen der Neuzeit ist das sogenannte “Schnäppchen”. Es umschreibt nämlich auf unschuldige Art und Weise nicht weniger als folgende Situation: Einem Menschen wird suggeriert, dass es von unglaublichem Vorteil für sich und sein Leben wäre, wenn er ein bestimmtes Konsumgut kauft, von dem er vorher nicht gewusst hat, dass es existiert, geschweige denn er es vermisst hätte. Und warum? Weil es ein bisschen billiger als vorher ist.

Soll heißen: Wenn ich im Baumarkt einen Ziegelstein sehe, der nur zwei Drittel vom normalen Preis kostet, beginnt es sofort im Hirn zu rattern und ich scanne die Windungen im Kopf nach Möglichkeiten, wo ich einen Ziegelstein dringend brauchen könnte. Das ist schon eine gewaltige Leistung auf dem Gebiet der Manipulation, denn einen Ziegelstein brauche ich nicht und ich erspare mir genau gar nichts, weil ich ja trotzdem stolze zwei Drittel von etwas bezahle, das mich im besten Fall nur wenig stört. Einfacher wäre es, das Geld herzuschenken, dann wird meine Existenz wenigstens nicht von Krempel belastet, für den ich auch noch Platz brauche.

Das mit dem Ziegelstein war jetzt die theoretische Abhandlung. Die praktische sieht so aus: Mein Kleiderschrank quillt über (Ja, wirklich! Und ja: Ich bin ein Mann. Und heterosexuell). Das hindert mich aber nicht daran, ein Designerhemd zu kaufen, wenn es um ein paar Prozent verbilligt ist. Dann kostet es immer noch fünfmal so viel wie ein identisches Stück vom Diskonter, aber ich halte mich für wahnsinnig schlau, wenn ich da zuschlage. Ich habe dann statt 30 eben 31 Hemden, die ich nicht anziehe. Oder Pullover, Pololeiberln, T- Shirts, und wie der ganze Schwachsinn heißt, dem ich nicht widerstehen kann, wenn er verbilligt ist.

Ich habe auch eine Zeit lang ferngesteuerte Flugzeuge gekauft, wenn sie verbilligt waren - obwohl ich nicht damit fliegen kann. Ich kann generell nicht fliegen, aber das nur am Rande. Jetzt stehen eben zwei Meter große Modellflugzeuge in der Wohnung rum. Entsorgen mag ich sie auch nicht, weil sooo billig waren sie dann auch wieder nicht.

Ich war lange gern gesehener Gast im Musikfachhandel und habe die eine oder andere Gitarre in Aktion erstanden. Müßig, darauf hinzuweisen, dass ich nicht darauf spielen kann. Wofür auch, die Dinger sehen gut aus und waren billiger als sonst. Das muss reichen.

Gemeinerweise lauert der Schnäppchen-Reflex aber auch im Internet: Sobald man irgendein x-beliebiges Produkt googelt, erscheint keine simple Beschreibung oder gar Erklärung, sondern mindestens fünf Seiten, die penibel auflisten, wo man wie viel Cent beim Erwerb selbigen sparen könnte. Gott sei Dank google ich selten nach Strapsen, Kartoffelkäfern oder russischen Panzern. Sonst müsste ich jedes Mal welche kaufen.

(Leseprobe aus: "Ich scheiss mich (fest) an")

Anmerkung des Blogbetreibers: Wer Clemens hören will, sollte sich unbedingt DAS geben. Aus meiner Sicht the very best podcast alive today. Die Leseprobe "Schnäppchen" habe ich ausgewählt, weil es derzeit viele Schnäppchen gibt, auch an der Börse)



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    Buddy-Blog: Clemens Haipl ... über Schnäppchen, nicht nur an der Börse


    12.01.2012, 3068 Zeichen

    (Autor: Clemens Haipl) Eine der perfidesten Erfindungen der Neuzeit ist das sogenannte “Schnäppchen”. Es umschreibt nämlich auf unschuldige Art und Weise nicht weniger als folgende Situation: Einem Menschen wird suggeriert, dass es von unglaublichem Vorteil für sich und sein Leben wäre, wenn er ein bestimmtes Konsumgut kauft, von dem er vorher nicht gewusst hat, dass es existiert, geschweige denn er es vermisst hätte. Und warum? Weil es ein bisschen billiger als vorher ist.

    Soll heißen: Wenn ich im Baumarkt einen Ziegelstein sehe, der nur zwei Drittel vom normalen Preis kostet, beginnt es sofort im Hirn zu rattern und ich scanne die Windungen im Kopf nach Möglichkeiten, wo ich einen Ziegelstein dringend brauchen könnte. Das ist schon eine gewaltige Leistung auf dem Gebiet der Manipulation, denn einen Ziegelstein brauche ich nicht und ich erspare mir genau gar nichts, weil ich ja trotzdem stolze zwei Drittel von etwas bezahle, das mich im besten Fall nur wenig stört. Einfacher wäre es, das Geld herzuschenken, dann wird meine Existenz wenigstens nicht von Krempel belastet, für den ich auch noch Platz brauche.

    Das mit dem Ziegelstein war jetzt die theoretische Abhandlung. Die praktische sieht so aus: Mein Kleiderschrank quillt über (Ja, wirklich! Und ja: Ich bin ein Mann. Und heterosexuell). Das hindert mich aber nicht daran, ein Designerhemd zu kaufen, wenn es um ein paar Prozent verbilligt ist. Dann kostet es immer noch fünfmal so viel wie ein identisches Stück vom Diskonter, aber ich halte mich für wahnsinnig schlau, wenn ich da zuschlage. Ich habe dann statt 30 eben 31 Hemden, die ich nicht anziehe. Oder Pullover, Pololeiberln, T- Shirts, und wie der ganze Schwachsinn heißt, dem ich nicht widerstehen kann, wenn er verbilligt ist.

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