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Drastil fragt: FKK - ja oder nein?

Magazine aktuell


#gabb aktuell



28.03.2012, 3214 Zeichen



Warum selbst die Infos zusammentragen, wenn man viele AuskennerInnen unter den FreundInnen hat? Eben. Die Frage, wie man es mit FKK halten soll, beantwortet Clemens Haipl. Das geschriebene Wort ergeht an Clemens ...

"Jetzt mal ehrlich: Wollen Sie mich wirklich nackt sehen? Eben, ich auch nicht. Also beantworte ich die Grundsatzfrage nach FKK Ja/Nein mit einem klaren „Nein“. Das hat nichts mit kulturell bedingtem Schamgefühl oder katholischem Schuldkomplex zu tun, die meisten Menschen sehen einfach besser aus, wenn sie verhüllt sind. Zumindest teilweise. Ein Plädoyer für die Burka als Must-have soll das nämlich nicht werden. Es ist auch nicht so, dass ich die Badezimmerfliesen einseife, auf dass sich meine sündige Blöße nicht darin spiegle – aber im todschicken Anzug in Schwarz gefalle ich mir einfach besser als im Geburtstagsanzug in Fleischfarbe. Und was für mich selbst gilt, darf ich wohl auch von anderen Menschen erwarten: anziehen, auf der Stelle! Photoshopretusche kann noch so verbreitet sein, im echten Leben und in Echtzeit funktioniert sie halt nicht. Jetzt sind schon angezogen die meisten Menschen keine Belohnung fürs Auge und der Beruf des Topmodels mit gutem Grund großzügig bezahlt – warum sollte ich mir also körperliche Defizite im Freibad anschauen wol- len, wenn ich mein ästhetisches Empfinden sonst mit ge- schönten Erscheinungen aus Werbung und Medien bzw. Hochglanzpornos verwöhne? Ganz abgesehen davon: Wo stecken die Nackerpatzis ihr Kleingeld hin? („Nein, nein, nehmen Sie den Hunderter ruhig, behalten Sie das Wechselgeld.“) Die Sonnenbrille kann man zur Not in die Haare stecken – aber zum Beispiel der Autoschlüssel: Ich beschreibe jetzt nicht, wo man den in meiner Fantasie hinsteckt, wenn man keine Taschen am Leib trägt, aber vor- stellen können Sie sich’s (nein, nicht in den Auspuff). Auch erschließt sich der tiefere Sinn einer nahtlosen Bräune für mich nicht ganz. Wofür muss man überall einen knacki- gen Teint haben? Vor allem dort, wo ihn keiner sieht? Ich gurgle ja auch nicht mit Selbstbräuner, um dann zu prot- zen: „Meine Zunge und mein Gaumen waren am Meer.“ Freilich: kindlich unschuldig wie die Eingeborenen auf der vielzitierten Karibikinsel, so wie Gott uns geschaffen hat ... herrlich! Aber mich hat Gott nun mal mit Flip- Flops, Shorts und Fred-Perry-Leiberl erschaffen. Was soll ich machen? Außerdem bin ich nicht kindlich unschuldig und schon gar nicht auf einer Karibikinsel. Und unser aller Schöpfer hätte bestimmt ein schlechtes Gewissen, wenn er wüsste, wie ich darunter aussehe. („Aha, bei Adam hat das aber noch funktioniert. Muss mal die Baupläne aktualisieren.“) Ich gebe zu, niemand wird gezwungen, zum FKK-Strand zu gehen. Nicht einmal ich. Drum tue ich es auch nicht. Ich will das nicht sehen. Bäh! Und das versöhnt mich dann doch ein wenig. Kann und soll doch jeder machen, was er will. Von mir aus sollen sich die Leute in Skianzug und Moonboots in die Sonne legen (obwohl – jetzt, wo ich darüber nachdenke – ob mir das nicht auch gefallen könnte ...?)."

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    "Jetzt mal ehrlich: Wollen Sie mich wirklich nackt sehen? Eben, ich auch nicht. Also beantworte ich die Grundsatzfrage nach FKK Ja/Nein mit einem klaren „Nein“. Das hat nichts mit kulturell bedingtem Schamgefühl oder katholischem Schuldkomplex zu tun, die meisten Menschen sehen einfach besser aus, wenn sie verhüllt sind. Zumindest teilweise. Ein Plädoyer für die Burka als Must-have soll das nämlich nicht werden. Es ist auch nicht so, dass ich die Badezimmerfliesen einseife, auf dass sich meine sündige Blöße nicht darin spiegle – aber im todschicken Anzug in Schwarz gefalle ich mir einfach besser als im Geburtstagsanzug in Fleischfarbe. Und was für mich selbst gilt, darf ich wohl auch von anderen Menschen erwarten: anziehen, auf der Stelle! Photoshopretusche kann noch so verbreitet sein, im echten Leben und in Echtzeit funktioniert sie halt nicht. Jetzt sind schon angezogen die meisten Menschen keine Belohnung fürs Auge und der Beruf des Topmodels mit gutem Grund großzügig bezahlt – warum sollte ich mir also körperliche Defizite im Freibad anschauen wol- len, wenn ich mein ästhetisches Empfinden sonst mit ge- schönten Erscheinungen aus Werbung und Medien bzw. Hochglanzpornos verwöhne? Ganz abgesehen davon: Wo stecken die Nackerpatzis ihr Kleingeld hin? („Nein, nein, nehmen Sie den Hunderter ruhig, behalten Sie das Wechselgeld.“) Die Sonnenbrille kann man zur Not in die Haare stecken – aber zum Beispiel der Autoschlüssel: Ich beschreibe jetzt nicht, wo man den in meiner Fantasie hinsteckt, wenn man keine Taschen am Leib trägt, aber vor- stellen können Sie sich’s (nein, nicht in den Auspuff). Auch erschließt sich der tiefere Sinn einer nahtlosen Bräune für mich nicht ganz. Wofür muss man überall einen knacki- gen Teint haben? Vor allem dort, wo ihn keiner sieht? Ich gurgle ja auch nicht mit Selbstbräuner, um dann zu prot- zen: „Meine Zunge und mein Gaumen waren am Meer.“ Freilich: kindlich unschuldig wie die Eingeborenen auf der vielzitierten Karibikinsel, so wie Gott uns geschaffen hat ... herrlich! Aber mich hat Gott nun mal mit Flip- Flops, Shorts und Fred-Perry-Leiberl erschaffen. Was soll ich machen? Außerdem bin ich nicht kindlich unschuldig und schon gar nicht auf einer Karibikinsel. Und unser aller Schöpfer hätte bestimmt ein schlechtes Gewissen, wenn er wüsste, wie ich darunter aussehe. („Aha, bei Adam hat das aber noch funktioniert. Muss mal die Baupläne aktualisieren.“) Ich gebe zu, niemand wird gezwungen, zum FKK-Strand zu gehen. Nicht einmal ich. Drum tue ich es auch nicht. Ich will das nicht sehen. Bäh! Und das versöhnt mich dann doch ein wenig. Kann und soll doch jeder machen, was er will. Von mir aus sollen sich die Leute in Skianzug und Moonboots in die Sonne legen (obwohl – jetzt, wo ich darüber nachdenke – ob mir das nicht auch gefallen könnte ...?)."

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