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Buddy-Blog: Wirtschaftlicher Tipp Deutschland-Niederlande (Herbert Geyer)

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13.06.2012, 4099 Zeichen

(Autor: Herbert Geyer, original für das WirtschaftsBlatt)

Die Niederlande wurden in Deutschland gegründet

Ausgerechnet in einer deutschen Stadt, in Münster in Westfalen, schlug am Ende des 30-jährigen Kriegs die Geburtsstunde der Niederlande. Von Dankbarkeit keine Spur.

Es gibt ja die Behauptung, dass sich die Deutschen in ihren Nachbarländern nicht immer uneingeschränkter Zuneigung erfreuen. Was Österreich betrifft, wird das von Tourismusverantwortlichen stets in Abrede gestellt, aber es gibt tatsächlich deutsche Nachbarstaaten, wo die Wehrmacht bei ihrem letzten Einmarsch nicht mit Jubel und Blumen, sondern mit höchst unfreundlichen Schüssen empfangen wurde.

Zum Beispiel die Niederlande, wiewohl schon ihr Name -die niederen (deutschen) Lande -und ihre englische Bezeichnung (Dutch) eine gewisse Nähe zu Deutschland nicht in Abrede stellen können. Auch die niederländische Sprache ist ja nichts anderes als ein plattdeutscher Dialekt und unterscheidet sich vom Hochdeutschen nicht mehr als das Schwyzerdütsch (bei dem es freilich ebenfalls immer wieder Bestrebungen gibt, es zur eigenen Sprache zu deklarieren).

Die Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland gehen freilich noch weit tiefer - abgesehen von gelegentlichen kriegerischen Auseinandersetzungen und einer fußballerischen Erbfeindschaft: Die Niederlande wurden ausgerechnet in einer deutschen Stadt gegründet - in Münster.

Und das kam so: Als in den 1640er-Jahren der 30-jährige Krieg wegen allgemeiner Erschöpfung zum Erliegen zu kommen drohte, wurden Möglichkeiten gesucht, ihn mit einem Friedensschluss zu beenden. Man einigte sich nach einigem Hin und Her auf zwei Städte, die im Verlauf der letzten 30 Jahre nie erobert worden und daher einigermaßen unzerstört waren: Osnabrück und Münster, beide in Westfalen. In Osnabrück verhandelten Kaiser, Reichsfürsten und Schweden, in Münster der Kaiser und Frankreich, das sich aufseiten der Protestanten in die Kämpfe gemischt hatte.

Diese erste multilaterale Friedenskonferenz der Weltgeschichte bestimmte die Ordnung der deutschen Staaten untereinander bis zum Ende des Reichs 1806.

Im allgemeinen Verhandlungstaumel wurden in Münster auch Gespräche über einen Konflikt geführt, der sogar bereits 80 Jahre hin-und herwogte: den Aufstand der Niederlande gegen die sie beherrschenden Spanier.

Noch vor dem eigentlichen Westfälischen Frieden (der im Oktober 1648 geschlossen wurde) endeten die Verhandlungen zwischen Spaniern und Niederländern mit einem Erfolg: Im Jänner wurde ein Vertrag unterzeichnet und am 15. Mai 1648 im danach Friedenssaal genannten Ratssaal des Rathauses von Münster feierlich proklamiert: Der Tag gilt seither als Geburtstag der Niederlande.

Von Dankbarkeit dafür ist in unserem Volkswirtschafts-Match nichts zu bemerken: Beim BIP pro Kopf legen die Niederländer gleich einmal vor - 133 Prozent des EU-Schnitts. Seit Deutschland seinen Osten integriert hat, kann es da nicht mithalten: nur 118.

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Aber schon im Konter gelingt der Ausgleich: Während die Holländer heuer wieder in die Rezession zurückfallen (Wachstum minus 0,9 Prozent), bleibt Deutschland die Lokomotive - wenn auch mit 0,7 Prozent im Kriechgang:

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Niedrige Arbeitslosenraten waren stets eine Domäne der Niederländer, heuer hat aber Deutschland mit 5,5 Prozent (gegenüber 5,7) die Nase vorn:

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Für ein Land in der Rezession sind niedrige Inflationsraten nichts Besonderes, die Niederlande kommen heuer auf 2,5 Prozent. Aber die Deutschen bleiben mit 2,3 Prozent sogar noch darunter:

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Die klare Führung macht überheblich, zumal der Ex-Exportweltmeister bei der Handelsbilanz Rückenwind spürt. Ihr Überschuss liegt bei 5,6 Prozent des BIP. Die schwache Konjunktur der Niederlande drückt aber auf die Importe, das treibt ihre Handelsbilanz sogar auf plus 7,6 Prozent:

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Wie heißt die Regel? Ein Fußballmatch dauert 90 Minuten und am Schluss gewinnen die Deutschen. Mit einem Budgetdefizit von nur 0,9 Prozent des BIP lassen die Erfinder der Austerity-Politik nichts anbrennen, das niederländische Defizit beträgt - auch wenn Maastricht in den Niederlanden liegt - 4,4 Prozent. Endstand:

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