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26.06.2013, 3203 Zeichen

Nachdem ein Sanierungspaket unter Dach und Fach erschien, zogen die spanischen Alpine-Eigentümer, die hochverschuldete FCC, die Reißleine und verweigerten weitere Zuschüsse. Seit der Übernahme im Jahr 2006 haben sie immerhin rund 700 Millionen ohne Verzinsung und Rückfluss aufgewendet. Ein finanzielles Desaster der Sonderklasse. Rechtzeitig Kassa gemacht haben die Familie Pappas mit über 400 Millionen und die beiden Minderheitsgesellschafter, allen voran der umtriebige und alle Fäden ziehende Geschäftsführer und zuletzt Aufsichtsrat Dietmar Aluta-Oltyan. FCC hat in den vergangenen Jahrzehnten von dem großen Infrastrukturprojekte wie Straßen, Flughäfen und Eisenbahnbau in Spanien profitiert. Diese Aufträge waren sehr oft von der EU kofinanziert und wurden zumeist zu attraktiven Preisen abgeschlossen. Heute wird die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit mancher dieser von eitlen Politikern gewünschten Prestigeprojekte kritisch hinterfragt.

Eher sorglos und schlecht vorbereitet stiegen die Spanier mit "dicker Brieftasche" ein, aber ohne über ein entsprechend erfahrenes Management zu verfügen, das mit Mentaltätsunterschieden und einer andersartigen Führungskultur umgehen konnte. Innerhalb von fünf Jahren wurde die Betriebsleistung um über 50 Prozent vor allem in Deutschland und im Ausland in die Höhe gedrückt. 2010 und 2011 (Ergebnisse 2012 liegen offiziell nicht vor) wurde eine hauchdünne schwarze Null mit nicht einmal ein Prozent der Betriebsleistung erwirtschaftet. Das Bilanzbild war schwach, aber noch nicht dramatisch. 

Leider war eine geordnete Restrukturierung nicht möglich, der Schaden für alle Involvierten (Banken, Anleihegläubiger, Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter, öffentliche Hand, Wirtschaftsstandort Österreich) ist daher unvergleichlich größer. Da diverse rechtliche Auseinandersetzungen zu erwarten sind, dürfen sich Rechtsanwälte wegen der hohen Streitsummen auf fette Honorare freuen.

Die Politik sorgt sich in erster Linie um die Weiterbeschäftigung der Belegschaft, die Anleihegläubiger sind nicht im Fokus.
Der IVA regt an, dass – sobald auch für die Holding ein Insolvenzverfahren eingeleitet wird - ein gemeinsamer Kurator für die Anleihegläubiger vom Gericht bestellt wird, damit die schwierige und administrative aufwändige individuelle Geltendmachung der Forderungen der Anleihegläubiger entfallen kann. Mit welcher Quote gerechnet werden kann ist derzeit nicht vorhersehbar.

Ob Klagen gegen die emittierenden Banken erfolgversprechend sind, ist von den individuellen Umstände und vor allem dem unterschriebenen Anlegerprofil abhängig. Dieses Thema sollte bei der Rechtschutzversicherung, wenn vorhanden, angesprochen werden. Für das unternehmerische Risiko selbst können die Banken nicht in die Verantwortung genommen werden. Wenig chancenreich ist auch eine Klage auf Basis der Prospekthaftpflicht. Der Kapitalmarktprospekt verursacht zwar enorme Kosten, aber ist so abgefasst, dass alle nur denkmöglichen Risken erwähnt werden, und ist fast nie Grundlage der Anlageentscheidung.

Nach Maculan die nächste Großinsolvenz, die vermeidbar gewesen wäre, wenn vom Management und den Eigentümern, aber auch von den Banken, rechtzeitig wirtschaftlich vernünftig gehandelt worden wäre.

 




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Autor
Wilhelm Rasinger
http://www.iva.or.at


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