15.05.2014, 2335 Zeichen
Im Vorjahr ließ Hans Peter Haselsteiner, scheidender Vorstandsvorsitzende der Strabag und (über seine Familienstiftung) mächtiger Drahtzieher in der Conwert, Huldigungen über sich ergehen. Der einflussreiche Raiffeisen-Manager Erwin Hameseder charakterisierte ihn damals als Lamm und Löwen. Ähnlich wie Frank Stronach ist Haselsteiner nicht nur politisch aktiv, sondern poliert sein Ansehen in der Öffentlichkeit durch soziale und kulturelle Aktivitäten auf. Viele Menschen lassen sich durch seinen Charme und Charisma beeindrucken. Aber Streubesitzaktionäre, die nicht nach seiner Pfeife tanzen wollen bzw. ihm kritisch gegenüberstehen, werden schlecht behandelt und wurden in der Vergangenheit mitunter auch öffentlich beschimpft. Äusserst rechthaberisch wurde bereits vor langer Zeit mit einigen wenigen Negrelli-Aktionären über zehn Jahre gestritten - und auch die Vorgänge bei STRABAG-Deutschland waren phasenweise sehr konfrontativ. Zur Erinnerung: die STRABAG-Aktie wurde zu Höchstpreise an der Wiener Börse eingeführt, bei geringen Dividendenrenditen von etwas über einem Prozent auf das damals eingesetzte Kapital verlor die Aktie mehr als 50 Prozent. Vor einigen Tagen setzte Haselsteiner in einer turbulenten Hauptversammlung der Conwert knapp, aber doch seinen Willen zu mindestens vorläufig durch. Rechtsstreitigkeiten, die allen schaden, sind vorprogrammiert Die Hoffnung, dass sich nach der verheerenden Tätigkeit des Duos Kerbler/Kowar durch den Einstieg von Haselsteiner in die Conwert die wirtschaftliche Situation rasch verbessern würde hat sich nicht erfüllt. Bei der Besetzung des teuren Verwaltungsrates wurden Wunschkandidaten durchgesetzt und eine sinnlose Konfrontation provoziert. An den Früchten, sprich an den Zahlen, werden die neubestellten Verantwortlichen zu messen sein. Es muss einfach Schluss sein, dass zwar viele vom Unternehmen profitieren - Manager, Mitarbeiter, Banken, Berater u.s.w. - aber der Streubesitz das Risiko tragen muss und noch dazu nur mit mickrigen Dividenden abgefunden wird. Danach wird auch der neue starke Mann und Haselsteiner-Vertraute, Clemens Schneider, zu beurteilen sein. Gefragt sind keine spektakulären Deals, sondern eine solide unternehmerische Gestion. Es braucht weder Lämmer noch Löwen, sondern endlich Pferde, die den Karren weiter aus dem Dreck ziehen.
Wilhelm Rasinger
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