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12.10.2016, 2373 Zeichen

Tatjana Lyssenko wird Olympiagold von 2012 aberkannt.
Es ist immer wieder zum Kotzen: im Jänner 2012 war ich mit einer Gruppe von Läufern auf einem Trainingslager in Albufeira (POR). Im Hotel waren Athleten aus vielen Ländern Europas, u.a. ein großer Teil des russischen LA-Teams. Eines Tages kam während des Frühstücks eine Dopingkontrollorin, die extra im Auftrag der IAAF aus Deutschland angereist kam. Von den mehreren Dutzend Athleten, die im IAAF-Testpool waren (und von denen der Aufenthaltsort aufgrund der ADAMS-Bestimmungen bekannt war) wurde genau eine Athletin kontrolliert: die österreichische Läuferin Andrea Mayr, die ein paar Monate später in London beim olympischen Marathonlauf startete. Nach dieser einen Kontrolle flog die Kontrollorin wieder heim.
Die Russen an den Tischen neben uns, die alles mitbekommen hatten und von denen mehrere schon damals Sperren hinter sich hatten, klopften sich vor Lachen fast auf die Schenkel, weil sie offensichtlich sicher sein konnten, selbst nicht kontrolliert zu werden.
Jetzt wurde die spätere Hammerwurf-Olympiasiegerin von 2012, Tatjana Lyssenko, bei Nachtests ihrer Proben von London des Dopings mit Turinabol überführt. Turinabol war das klassische "Steinzeit-Anabolikum" der seinerzeitigen DDR. Hoch wirksam (auch hinsichtlich Nebenwirkungen), aber auch lange nachweisbar, deshalb später durch "modernere" Mittel ersetzt. Die Russen durften damals also ziemlich sicher sein, dass sie durch den korrupten IAAF-Haufen unbehelligt blieben.
Tatjana Lyssenko war bereits von 2007 - 2009 wegen Dopings gesperrt und wird neben der aberkannten Goldmedaille von London wohl nun auch lebenslang gesperrt - nach Beendigung ihrer aktiven Karriere.
Wenn zumindest bei schweren Dopingvergehen (wie in diesem Fall) gleich beim ersten Mal eine lebenslängliche Sperre ausgesprochen wird, würde man sich viel Ärger ersparen. Mal schauen, ob IOC, WADA und die Verbände irgendwann lernfähig sind. Von den Ländern und den nationalen Gesetzgebungen dürfen wir wohl nicht zu viel erwarten, die aktuell diskutierte Reform der Sportförderung in Deutschland kommt im Prinzip wieder einer staatlichen Dopingförderung gleich, in Österreich scheint es nicht besser zu sein, politisch motivierter Aktionismus dominiert das Geschehen mehr als je zuvor.

http://www.sportschau.de/doping/lyssenko-bekommt-olympia-gold-wegen-doping-aberkannt-100.html

 

 

 


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