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Risiko & Rendite – Teil 2/2 (Thomas Vittner)

Magazine aktuell


#gabb aktuell



12.12.2016, 6555 Zeichen

Risiko und Rendite hängen eng zusammen. Ich Fachjargon müsste man sagen, dass die beiden Begriffe eine hohe Korrelation aufweisen. Und das bei einer sehr geringen Standardabweichung. Doch man muss das Thema gar nicht künstlich verkomplizieren. Nachfolgend ein paar Fakten, warum Sie weniger auf die Rendite denn mehr auf das Risiko achten sollten, und wie sich das in der Entwicklung eines Trading Systems widerspiegelt. Teil 2 über alle Zusammenhänge in Kurzform.

@Haltedauer

Die Zeit heilt alle Wunden. Im Trading bedeutet das, dass man (zumindest auf der Long Seite) wirklich schlechte (Reversions-)Systeme mit einer längeren Haltedauer etwas verbessern kann. Warum? Nun - auch wenn der Entry nichts taugt. Der Markt hebt alle Boote, auch die alten und morschen. Auch nach einem schlecht gewählten Entry, dessen Effekt (sofern er je da war) ebenso nach wenigen Tagen verpufft, „übernimmt“ der Gesamt-Markt irgendwann (statistisch gesehen nach spätestens 6 Bars) wieder Ihren Trade. Die Aktie wird also dann wieder steigen, wenn auch der Gesamtmarkt wieder steigt. Und der Markt will und wird (meistens/häufig) steigen.

Das ist bitte jetzt nicht falsch zu verstehen: es gibt Aktien, die wochenlang nach unten laufen oder die letztlich auch bankrott machen und deren Notierung in die Nähe von 0 sinkt. Und es gibt Bärenmärkte. Aber wir reden hier immer von einem statistischen Effekt, nicht von einzelnen Ausreißern. Kurze Haltedauer heißt daher im Normalfall: mehr Risiko, aber eben wieder mal mehr Renditechancen.

@Faktoren-Analyse

Als ich davon, und von Modellen aus der Finanzwirtschaft (BARRA, CAPM), zum ersten mal hörte, dachte ich mir, dass ich das nie begreifen würde. Doch siehe da: wenn man jemanden hat, der einem das im Detail (und mit anderen Worten) erklärt, versteht man schon, worum es im Kern dabei geht. Und zum Glück kannte ich so jemanden.

In unserem kostenlosen Webinar am 13.12. werde ich das Thema Risiko & Rendite ebenso ansprechen
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Im Prinzip geht es bei einer Faktoren Analyse um folgende Frage: welche (externen) Faktoren beeinflussen ein System? Aber es geht noch um weit mehr: welche externen Faktoren beeinflussen einzelne Sektoren innerhalb eines Trading Systems? Nehmen wir folgendes Problem aus der Praxis: mein System wirft mir heute 8 Trades aus dem Sektor „Basic Materials/Indepentend Oil & Gas“ aus. Ja klar - ich kann alle 8 Signale traden. Es ist vermutlich - auf lange (statistische) Sicht - auch performanter es zu tun. Aber um welchen Preis? Um welches Risiko? Um welche Vola? Genau darauf finden Faktoren Analysen die passende Antwort.

Was eine Faktoren-Analyse ist, finden Sie hier (allgemeine Beschreibung)

@Portfolio

Tendenziell ist es so, dass (sinnvoll zusammengestellte) größere Portfolios auch eine bessere Performance garantieren. Und zwar aus mehreren Gründen: je geringer die Marktkapitalisierung einer Aktie, desto volatiler ist sie im Regelfall auch. Wenn ich nun ein Portfolio mit 600-1000 Aktien habe, trade ich zwar noch immer, relativ gesehen, die „großen“ Aktien. Aber die sind eben nicht ganz so groß wie jene aus dem Dow 30 oder dem S&P 100. Weiters habe ich eine höhere Exposure (Investitionsgrad) wenn ich ein größeres Portfolio handle. Damit erhöht sich die Volatilität. Einerseits heißt hohe Vola immer mehr Performance, andererseits bedeutet mehr Vola auch mehr Drawdown. Hatten wir schon am Anfang des Beitrages.

@Hebel

Gleich vorweg: verzichten Sie auf jeglichen Hebel. Vor allem dann, wenn Sie Reversionssysteme einsetzen. Die Modelle sind ohnehin sehr volatil. Es muss hier nicht noch ein Hebel von 2 sein. (von 10 oder 100 reden wir gar nicht). Jeder Hebel vergrößert die Vola. Der Effekt ist bekannt: mehr Renditechancen aber auch mehr Risiko (Drawdown).

Tipp für Fortgeschrittene: experimentieren Sie ein wenig mit dem Kelly Faktor. Damit lässt sich der optimale Hebel für Ihr Trading System ermitteln.

@Position Sizing

Grundsätzlich gilt: auf je weniger Trades Sie ein (Reversions)System aufteilen, desto performanter ist es. Ausnahmen bestimmen hier die Regel. Allerdings hat es ebenso den Effekt, dass Sie mehr Risiko nehmen. Den wenn von 5 Aktien eine oder zwei um mehr als 3% einbrechen (ich rede hier gar nicht von -6% oder mehr etc.) dann wird die Tagesperformance gründlich darunter leiden. Traden Sie aber im Rahmen eines SOS 10 - 20 Positionen, ist ein hoher Einzelverlust bei einem Wert weit weniger tragisch. Sicher gilt gleiches auch für mögliche Renditen. Auch hier: die Korrelation ist hoch.

@Priorisierungs Algo

Die meisten Trader, die ich kenne, verwenden bei Reversionssystemen einen Priorisierungs Algo, der in etwa so funktioniert: kaufe die Aktien, die in den letzten Tagen am stärksten gefallen sind. Das macht schon Sinn - aber das sind natürlich auch die (derzeit) volatilsten Aktien im Portfolio. Auch wenn man zusätzliche Filter einsetzt, man kauft stets die größten Verlierer der letzten X Tage. Was wäre aber, wenn man diejenigen kauft, die am wenigsten verloren haben? Ein interessanter Gedanke. Aber keine Frage: das muss man sich ansehen, bevor man dazu etwas sagen kann. Sagen kann man mit Sicherheit: hohe Korrelation zwischen Risiko und Rendite existiert auch bei der Priorisierung.

Fazit

Wenn Sie das Risiko und die Renditen im Griff haben, haben Sie gewonnen. Oder weniger reißerisch ausgedrückt: wenn Sie die Volatilitäten (halbwegs) beherrschen, stehen die Chancen gut, dass Ihr Trading System langfristig gesehen, funktioniert. Im Asset Management empfehlen wir stets einen Anlagehorizont von mindestens 5 Jahren, weil eben kurzfristig, trotz aller Sicherheitsmaßnahmen, die Volatilitäten letztlich unberechenbar bleiben. Daher bleibt immer ein gewisses Restrisiko, trotz aller Vorsicht, aller Weitsicht und allen Filtern zum Trotz: der Schwarze Schwan bleibt vorhanden. Bei jeder Geldanlage, also auch im Trading.

Mit zahlreichen Maßnahmen kann man die Vola deutlich reduzieren und damit ein angemessenes Chance und Risikoverhältnis erreichen. Aber das muss zu Lasten der Performance gehen. Dazu muss man keine komplexen Formeln verstehen, obwohl manche Dinge (Kelly Faktor, Faktorenanalysen) ohne dem Verständnis der komplexen Zusammenhänge einfach nicht lösbar sind.

Doch schon mit der Anwendung einiger simpler Regeln und Tipps, die Sie in diesem Beitrag gefunden haben, lässt sich ein Trading System oder ein ganzes System of Systems doch gehörig optimieren. Verzichten Sie bitte auf Performance. Das wird Ihr Dasein als Trader verlängern und erleichtern.

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Thomas Vittner, www.moomoc.com



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