29.06.2018, 4496 Zeichen
US-amerikanische und chinesische Digitalkonzerne dominieren aktuell das Ranking der teuersten Unternehmen – und haben seit Jahresbeginn massiv an Wert gewonnen: Der Börsenwert der sechs teuersten Unternehmen der Welt, erstmals allesamt Digitalkonzerne, ist in diesem Jahr um gut 500 Milliarden Euro gestiegen – ein Plus von 13 Prozent. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die die Marktkapitalisierung der 100 am höchsten bewerteten Unternehmen weltweit halbjährlich untersucht.
Gleichzeitig sank der kumulierte Wert aller Top 100 Unternehmen seit Jahresbeginn leicht – um 0,3 Prozent auf 20,0 Billionen US-Dollar. Die US-amerikanischen Unternehmen vereinen 64 Prozent des Gesamtvolumens auf sich, die asiatischen machen 19 Prozent aus, europäische nur 16 Prozent.
Das wertvollste Unternehmen der Welt ist wie schon zu Jahresbeginn Apple – der Marktwert liegt zurzeit bei 905 Milliarden US-Dollar. Auf dem zweiten Platz rangiert Amazon – der Online-Händler konnte im Vergleich zum Jahresbeginn zwei Plätze aufrücken und hat seinen Börsenwert um 43 Prozent auf 806 Milliarden US-Dollar gesteigert. Das entspricht einem Wertzuwachs von gut 240 Milliarden US-Dollar in einem halben Jahr – und so viel wie die beiden teuersten deutschen Konzerne SAP und Siemens derzeit zusammen wert sind.
Die Plätze drei bis fünf belegen mit Alphabet, Microsoft und Facebook ebenfalls US-Digitalkonzerne, gefolgt von Alibaba, einem chinesischen Internetkonzern. Auf dem achten Rang liegt mit Tencent ebenfalls ein chinesischer Internetkonzern.
Nicht nur in den Top 10 der wertvollsten Konzerne der Welt dominieren inzwischen Digitalkonzerne – auch im Top-100-Ranking haben Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen im vergangenen Halbjahr massiv an Bedeutung gewonnen: Ihre Zahl stieg von 18 auf 22 – zeitgleich ging die Zahl der Banken und Versicherungen von 22 auf 16 zurück.
„Investoren setzen momentan vor allem auf Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen, die bei vergleichbaren Umsätzen und Gewinnen zum Teil drastisch höhere Börsenwerte erzielen als Unternehmen aus traditionellen Branchen“, beobachtet Gerhard Schwartz, Partner und Leiter des Assurance-Bereichs bei EY Österreich. „Offenbar trauen die Anleger Digitalunternehmen derzeit deutlich größere Wachstumschancen zu. Zudem rechnen sie damit, dass Digitalkonzerne Strukturen in anderen Branchen aufbrechen und ihrerseits die Regeln diktieren werden, wie es einige der führenden Internetkonzerne bereits geschafft haben.“
Europäische Konzerne verlieren an Bedeutung
Die Zahl der europäischen Unternehmen im Top 100 Ranking sank seit Jahresbeginn von 24 auf 22 – Nordamerika ist mit 57 Unternehmen vertreten (Jahresbeginn: 55), Asien nach wie vor mit 21. Allerdings sind die europäischen Top-Konzerne insgesamt deutlich weniger wert als die Konkurrenz aus Nordamerika und China. Insgesamt kommen alle europäischen Unternehmen auf einen Börsenwert von 3,1 Billionen US-Dollar, drei Prozent weniger als vor einem halben Jahr. Die asiatischen Unternehmen sind 3,8 Billionen US-Dollar wert (minus fünf Prozent) und die nordamerikanischen Konzerne kommen auf 12,8 Billionen US-Dollar (plus zwei Prozent).
Als teuerstes europäisches Unternehmen platziert sich der niederländisch-britische Ölkonzern Royal Dutch Shell mit einem Marktwert von 293 Milliarden US-Dollar auf Rang 13.
„Die Digitalisierung ist derzeit der wichtigste Megatrend – und europäische Konzerne scheinen eher zu den Gejagten als zu den Jägern zu gehören“, beobachtet Schwartz. „Sie konnten im vergangenen Halbjahr nicht vom Aufwärtstrend an den internationalen Börsen profitieren, sondern verloren an Wert.
Die Dominanz der Konzerne aus den USA und zunehmend auch aus China gibt Schwartz zu denken: „Obwohl die europäische Wirtschaft sich derzeit erholt und gerade die deutschen Konzerne eine gute Umsatz- und Gewinnentwicklung vorweisen können, spielen Europas und auch Deutschlands Top-Konzerne an den Weltbörsen nur eine untergeordnete Rolle. US-Konzerne dominieren nach wie vor – und wenn überhaupt scheinen eher die asiatischen als die europäischen Konzerne in der Lage zu sein, ihnen Paroli zu bieten. Offenbar schaffen es europäische Unternehmen zu selten, den Investoren ein überzeugendes Zukunftsmodell zu vermitteln. Umso wichtiger ist, dass die europäische Wirtschaft neuen Schwung bekommt und den Beweis antritt, dass sie auch in der digitalen Wirtschaft von morgen ein wichtiges Wort mitzureden hat.“, so Schwartz abschließend.
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