15.03.2023, 2212 Zeichen
Der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am morgigen Donnerstag (es wird ein Anstieg um einem halben Prozentpunkt erwartet) und die Pleite der kalifornischen Silicon Valley Bank (SVB) sorgen weiter für Unruhe an den Märkten. Am Mittwoch gibt es wieder deutliche Verluste, die Wiener Börse gibt bis am frühen Nachmittag etwas mehr als 5 Prozent nach. Vor allem die Bank-Aktien büßen stark ein. Die Analysten der Erste Group geben nun einen Einblick in die Bankenszene der Eurozone und die möglichen Auswirkungen der SVB-Vorkomnisse.
Zu den Hauptgründen für den Zusammenbruch von SVB zählt eine spezialisierte und nicht diversifizierte Einlagenstruktur sowie ein, gemessen an der Bilanzsumme, recht großes nicht abgesichertes Anleiheportfolio, so die Analysten. In Europa zeichnet sich ein anderes Bild. Hier seien Banken durch ihre gute Ausgangslage, was Ertragssituation und Kreditqualität angeht, sowie zusätzliche Optionen zur Liquiditätsbeschaffung relativ gut gegen etwaige Marktschocks gewappnet, so die Analysten. Darüber hinaus verfügen die meisten Banken in der Eurozone über eine diversifiziertere Einlagenstruktur, als dies bei SVB mit der Fokussierung auf Einlagen von Start-ups und Venture Capital Firmen der Fall war. Vor allem der Zugriff europäischer Banken auf Einlagen von Privatanlegern sowie eine breitere Streuung bei Einlagen von Unternehmenskunden würden eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen unerwartete größere Einlagenabflüsse bieten. "Irrationales Handeln von Marktteilnehmern könnte zwar auch in der Eurozone Banken in eine bedrohliche Lage bringen. Angesichts der strengeren Aufsicht und breiter angewendeten Liquiditätsanforderungen für Banken halten wir solch ein Szenario derzeit aber für unwahrscheinlich", so die Analysten.
Die Analysten der Erste Group gehen davon aus, dass der Kollaps der SVB nun auch in Europa den Fokus auf eine diversifizierte Einlagenbasis sowie Größe und Zusammensetzung des Liquiditätspuffers der Banken verstärken könnte. "Ein erhöhter Wettbewerb der Banken hinsichtlich Kundeneinlagen könnte zudem zinstreibend wirken und damit dämpfend auf die zuletzt spürbar gestiegenen Margen – und somit den Nettozinsertrag - wirken", so die Analysten.
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