06.06.2014, 2373 Zeichen
Es ist de facto fix - American Movil übernimmt das Kommando bei der Telekom, die ÖIAG darf als Juniorpartner mit minimalen Rechten und finanziellen Pflichten dabei sein. Die Begleitmusik war schrill, die gegenseitigen Vorwürfe heftig. Es ist deprimierend, dass durch uneinsichtiges Verhalten, weltfremde, politische Festlegungen, Fehleinschätzungen und Missmanagement österreichische Leitbetriebe von ausländischen Investoren übernommen werden: Bank Austria, VA Tech, Austrian Airlines und jetzt Telekom Austria. Die Telekom Austria wurde in den letzten Jahren sukzessive geschwächt: zu hohe Dividenden, die teilweise zu Lasten der Substanz bezahlt wurden, Missmanagement, Malversationen, ein überforderter Aufsichtsrat, teure, aber strategisch nicht notwendige Großinvestitionen und eine durchsetzungsstarke Personalvertretung. Nach den Privatisierungserfolgen folgte ab 2006 eine Stagnation in der ÖIAG, der es nicht gelang die zuständigen Politiker von einer dringend notwendigen Strukturänderung zu überzeugen. Mit dem Thema „Privatisierung“ können höchstens neoliberale Kernschichten begeistert werden, aber es gab nach den Enttäuschungen ab 2007 einen signifikanten Meinungsumschwung in der breiten Öffentlichkeit. Die jetztige ÖIAG-Führung, eingeschnürt in einem engen finanziellen Korsett, versuchte in dieser prekären Situation, einen Streit mit dem neuen, professionell agierenden Großaktionäre zu vermeiden. Das Ergebnis ist ein „Unterwerfungsvertrag“, der nur auf einige österreichische Befindlichkeiten Rücksicht nimmt: Firmensitz Wien, weiter Börsenotiz in Wien, Mindestzahl von Österreichern im Aufsichtsrat, Einzementierung von Arbeitnehmerrechten.
Eigentlich ist diese Entwicklung ein Eingeständnis der Unfähigkeit der handelnden Verantwortungsträger und Politiker, ein Infrastrukturunternehmen, das im harten Wettbewerb steht, als Aktionär strategisch und finanziell langfristig abzusichern.
Das derzeit laufende Kaufangebot zu 7,15 für die Telekom-Aktie ist auf Basis der unerfreulichen Vergangenheit und der Jahresabschluss-Kennzahlen zum 31.3.2014 fair. Nach den unerfreulichen Jahren sollte es in Zukunft bergauf gehen, der Wettbewerb an Härte verlieren und neue Geschäftschancen genutzt werden. Dies sind Argumente, die Aktie weiter zu halten, aber es kann nicht erwartet werden, dass diese positiven Perspektiven kurzfristig in Zahlen sichtbar werden.
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Wilhelm Rasinger
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