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14.12.2020, 4793 Zeichen

Wilhelm Rasinger ist von uns gegangen. Er hat den Kampf gegen eine Kranktheit verloren.

Sein Einsatz für den Kapitalmarkt bleibt unvergessen, es gilt ihm ein großer Dank dafür. Unsere Gedanken sind in dieser schweren Zeit bei seiner Familie und seinen engen Freunden.

Wilhelm Rasinger hat uns erst vor wenigen Monaten in unserem Magazine an seiner Börsengeschichte teilhaben lassen, die wir hier sehr gerne nochmals bringen. Danke, Herr Rasinger! 

Und die besten Bilder von/mit ihm gibt es HIER: https://boersegeschichte.at/vintagepics/rasinger/ 

Heute ist gestern (die persönliche Börsegeschichte Wilhelm Rasingers)

Vor fünfzig Jahren war die Situation wie heute: Das Sparbuch zum für alle Banken verbindlichen „Eckzinssatz“ bescherte den Sparern einen Realverlust. Durch Angebote wie Prämiensparen und Bausparen mit attraktiven steuerlichen Begünstigungen konnte ausgewichen werden. Ich suchte nach Alternativen und begann mich mit Bundesanleihen zu beschäftigen. Der nächste Schritt wurde durch Neugier stimuliert: Aktien. Es war faszinierend, dass es möglich ist, sich mit geringen Beträgen an Unternehmen zu beteiligen und mindestens einmal im Jahr durch den Geschäftsbericht und die Teilnahme an der Hauptversammlung informiert zu werden. Bei Aktien gab es eine über Jahre entwickelte Aktionärsdemokratie d.h. Mitsprache und ausgeprägte Minderheitsrechte.

Vertiefung. Wesentlicher Impuls war das Thema meiner Diplomarbeit. In einer empirischen Untersuchung sollte ich feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen Hauptversammlungs-Termin und dem Jahresgewinn nachgewiesen werden kann. Damals gab es großzügige Fristen bis der Jahresabschluss beim Firmenbuch eingereicht werden musste. Nicht überraschend konnte ich nachweisen, dass gute Ergebnisse tendenziell früher berichtet werden als schlechte.
Beruflich wollte ich mich in diesem Bereich vertiefen d.h. ein Job in der Industrie bot mehr Möglichkeiten auf dem Gebiet des Rechnungswesen, der Kostenrechnung und der Investitionsplanung sowie bessere berufliche Aussichten. Um dissertieren zu können, nahm ich einen Job als Projektleiter bei einem Managementinstitut an. Privat beschäftigte ich mich mit Aktien als langfristiger Investor: Unterbewertete Aktien aufzustöbern und nach einem Jahr Gewinne steuerfrei zu lukrieren, war für mich ein starker Anreiz. In einer Versicherung baute ich eine interne Revision auf. Nach fünf Jahren übernahm ich die Vermögensabteilung - zuständig für Wertpapiere, Darlehen, Immobilien und Beteiligungen.

Das Jahr der Wende 1999. Nachdem ich für eine Mitarbeit im gemeinnützigen Verein IVA Interessenverband für Anleger motiviert wurde, haben meine kritischen Kommentare zur Übernahme der Bank Austria durch die bayrische Hypovereinsbank sehr viel Aufmerksamkeit provoziert. Neben meiner Berater- und Lehrtätigkeit involvierte ich mich immer mehr in Fragen des Anlegerschutzes. Ein Desaster für den heimischen Kapitalmarkt waren Vorgänge um Meinl European Land: Der hochintelligente, aber gierige Julius Meinl V. verkaufte dieses riskante Finanzprodukt mit Unterstützung gewiefter Vertriebsprofis vor allem an ahnungslose „Neulinge“ als Alternative zum Sparbuch. Bis heute ist der Skandal nicht aufgearbeitet.

Lichtblicke und Höhepunkte. Gesamthaft betrachtet waren die Privatisierungen gut für den Wirtschaftsstandort, die Unternehmen und die Anleger. Die Angebotspreise waren generell fair. 

Von 2003 bis 2014 vergab der IVA eigene Stipendien sowie einen Ethikpreis an fast 80 Studierende, die ihre wissenschaftlichen Arbeiten dem Thema Anlegerschutz, Kapitalmarkt und Corporate Governance und Ethik in der Wirtschaft widmeten. 

Als jährlicher Höhepunkt galt die Verleihung des IVA-DAVID, der seit 2004 an Unternehmen und Persönlichkeiten vergeben wird, die wesentliche Beiträge zur Förderung der Kapitalmarktkultur leisten.

Neue Impulse wünschenswert. Es hat sich in den letzten Jahren viel getan, das Börse-Geschehen ist wesentlich komplexer geworden und hat sich von den Bedürfnissen der KMUs und auch der Anleger entfernt. Es ist daher notwendig die heimische Börse darauf auszurichten: Weniger aufwendige Regulierungen, einfacherer Zugang für heimische Privatanleger. Eine Überlegung könnte sein - nach dem Vorbild von Windenergiegesellschaften mit eigens entwickelten Handelsplattformen - ein spezielles Marktsegment, wo aus Gründen einer geringen Liquidität entweder nur einmal die Woche oder einmal im Monat gehandelt wird. 

Die starke österreichische Realwirtschaft soll sich in einem lebendigen aber vor allem für heimische Investoren attraktiven Finanzmarkt widerspiegeln. 

Wilhelm Rasinger war Präsident des Interessenverbands für Anleger (IVA), Honorarprofessor für Betriebswirtschaft, Kapitalmarktexperte sowie Aufsichtsrat bei der Erste Group Bank AG, und S Immo AG

Aus dem "Börse Social Magazine #44"

 



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1. Wilhelm Rasinger (IVA) , (© Martina Draper/photaq)   >> Öffnen auf photaq.com

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Autor
Christine Petzwinkler
Börse Social Network/Magazine


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    Vor fünfzig Jahren war die Situation wie heute: Das Sparbuch zum für alle Banken verbindlichen „Eckzinssatz“ bescherte den Sparern einen Realverlust. Durch Angebote wie Prämiensparen und Bausparen mit attraktiven steuerlichen Begünstigungen konnte ausgewichen werden. Ich suchte nach Alternativen und begann mich mit Bundesanleihen zu beschäftigen. Der nächste Schritt wurde durch Neugier stimuliert: Aktien. Es war faszinierend, dass es möglich ist, sich mit geringen Beträgen an Unternehmen zu beteiligen und mindestens einmal im Jahr durch den Geschäftsbericht und die Teilnahme an der Hauptversammlung informiert zu werden. Bei Aktien gab es eine über Jahre entwickelte Aktionärsdemokratie d.h. Mitsprache und ausgeprägte Minderheitsrechte.

    Vertiefung. Wesentlicher Impuls war das Thema meiner Diplomarbeit. In einer empirischen Untersuchung sollte ich feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen Hauptversammlungs-Termin und dem Jahresgewinn nachgewiesen werden kann. Damals gab es großzügige Fristen bis der Jahresabschluss beim Firmenbuch eingereicht werden musste. Nicht überraschend konnte ich nachweisen, dass gute Ergebnisse tendenziell früher berichtet werden als schlechte.
    Beruflich wollte ich mich in diesem Bereich vertiefen d.h. ein Job in der Industrie bot mehr Möglichkeiten auf dem Gebiet des Rechnungswesen, der Kostenrechnung und der Investitionsplanung sowie bessere berufliche Aussichten. Um dissertieren zu können, nahm ich einen Job als Projektleiter bei einem Managementinstitut an. Privat beschäftigte ich mich mit Aktien als langfristiger Investor: Unterbewertete Aktien aufzustöbern und nach einem Jahr Gewinne steuerfrei zu lukrieren, war für mich ein starker Anreiz. In einer Versicherung baute ich eine interne Revision auf. Nach fünf Jahren übernahm ich die Vermögensabteilung - zuständig für Wertpapiere, Darlehen, Immobilien und Beteiligungen.

    Das Jahr der Wende 1999. Nachdem ich für eine Mitarbeit im gemeinnützigen Verein IVA Interessenverband für Anleger motiviert wurde, haben meine kritischen Kommentare zur Übernahme der Bank Austria durch die bayrische Hypovereinsbank sehr viel Aufmerksamkeit provoziert. Neben meiner Berater- und Lehrtätigkeit involvierte ich mich immer mehr in Fragen des Anlegerschutzes. Ein Desaster für den heimischen Kapitalmarkt waren Vorgänge um Meinl European Land: Der hochintelligente, aber gierige Julius Meinl V. verkaufte dieses riskante Finanzprodukt mit Unterstützung gewiefter Vertriebsprofis vor allem an ahnungslose „Neulinge“ als Alternative zum Sparbuch. Bis heute ist der Skandal nicht aufgearbeitet.

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    Von 2003 bis 2014 vergab der IVA eigene Stipendien sowie einen Ethikpreis an fast 80 Studierende, die ihre wissenschaftlichen Arbeiten dem Thema Anlegerschutz, Kapitalmarkt und Corporate Governance und Ethik in der Wirtschaft widmeten. 

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