23.03.2026, 3122 Zeichen
Der Hamburger Biotech-Konzern Evotec greift zu drastischen Maßnahmen. Mit dem Restrukturierungsprogramm „Horizon“ reagiert das Management auf ein defizitäres Kerngeschäft und streicht weltweit Hunderte Stellen. Eine weit unter den Erwartungen liegende Gewinnprognose für das laufende Jahr sorgt parallel für erhebliche Skepsis am Kapitalmarkt.
Die vorläufigen Zahlen für 2025 zeigen eine klare Zweiteilung im Unternehmen. Während die Biologics-Sparte ein Umsatzplus von rund 40 Prozent auf 259 Millionen Euro verzeichnete, schwächelt das klassische Segment Drug Discovery & Preclinical Development. Hier sanken die Erlöse um 13 Prozent, das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) rutschte mit minus 12 Millionen Euro in die roten Zahlen.
Als Reaktion schließt Evotec den Standort München vollständig und baut das weltweite Netz auf zehn Standorte ab. Bis zu 800 Arbeitsplätze fallen dem Rotstift zum Opfer. Das Ziel sind jährliche Einsparungen von 75 Millionen Euro ab Ende 2027. Zuvor muss der Konzern allerdings Restrukturierungskosten von insgesamt rund 100 Millionen Euro verbuchen.
Verantwortlich für den anhaltenden Verkaufsdruck der Papiere ist primär der Ausblick auf 2026. Das Unternehmen erwartet als Übergangsjahr lediglich einen Umsatz zwischen 700 und 780 Millionen Euro, nach vorläufig 788 Millionen Euro in 2025. Schwerer wiegt die Ertragsprognose: Das bereinigte EBITDA soll bestenfalls 40 Millionen Euro erreichen. Analysten hatten im Vorfeld mit mehr als 80 Millionen Euro kalkuliert.
Diese eklatante Lücke spiegelt sich im Chartbild wider. Mit einem aktuellen Preis von 4,09 Euro markierte der Titel heute ein neues 52-Wochen-Tief. Allein in den vergangenen 30 Tagen verlor der Wert knapp 33 Prozent und notiert damit weit abgeschlagen unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 6,07 Euro.
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Trotz der kurzfristigen Belastungen gehen die Einschätzungen der Experten weit auseinander. Berenberg und RBC rufen ein Kursziel von 10 Euro auf und verweisen auf die Chancen einer schlankeren Struktur. Die Deutsche Bank agiert mit einem Ziel von 6 Euro deutlich vorsichtiger. Auf Investorenseite nutzte Goldman Sachs die tieferen Kurse zuletzt und stockte seinen Anteil auf über sechs Prozent auf.
Am 8. April 2026 muss das Evotec-Management mit der Vorlage des detaillierten Geschäftsberichts nun Fakten schaffen. Die finale Guidance wird darüber entscheiden, ob der Markt dem Unternehmen die mittelfristigen Ziele abkauft – darunter ein geplanter Konzernumsatz von über einer Milliarde Euro bei einer operativen Marge von 20 Prozent bis zum Jahr 2030.
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