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04.02.2026, 5231 Zeichen

Die extremen Ausschläge an den Finanzmärkten wirken auf viele Privatanleger wie ein Magnet. Wo Kurse stark schwanken, scheinen Chancen zum Greifen nah. Doch wer sich davon leiten lässt, zahlt wegen falscher Erwartungen oft schnell teures Lehrgeld. „Trading ist kein Wettbewerb wo das Tempo zählt, sondern ein Handwerk, das gelernt werden muss“, sagt Gastautor und Trading-Experte Andre Witzel und ist sich sicher: 2026 entscheidet weniger der schnelle Klick als ein nüchterner Blick auf Marktmechanik, eigene Grenzen und konsequent eingehaltene Regeln.

Ein Gastbeitrag von Andre Witzel, Mitbegründer und Geschäftsführer von Trading.de.

Die Zahlen sind ernüchternd und passen so gar nicht zum verbreiteten Bild der ewig erfolgreichen Anleger, das in Social-Media-Storys und auf Werbeplakaten von Trading-Anbietern gezeichnet wird: Fast 40 Prozent aller Daytrader in Deutschland steigen bereits nach einem Monat wieder aus. Nach drei Jahren bleiben nur noch 13 Prozent übrig. Und am Ende schaffen es rund zehn Prozent, dauerhaft profitabel zu handeln.

Zwischen ca. 74 % und 89 % der Kleinanleger, die CFDs oder Forex handeln, verlieren Geld. Das ist ein europaweiter Durchschnitt, gilt aber auch für deutsche Trader, weil die Meldepflicht für alle EU-Broker und Kunden gleich ist. Wer 2026 dennoch zu den erfolgreichen Tradern zählen will, muss sich von gängigen Heilsversprechen verabschieden: Erfolg entsteht nicht durch Glück, Geschwindigkeit oder Social-Media-Inszenierung, sondern durch Ausbildung, klare Prozesse und ein realistisches Verständnis der Märkte.

Alles wirkt politischer, impulsiver, datengetriebener denn je

Dass Einsteiger es gerade jetzt besonders schwer haben, liegt nicht nur an der Komplexität der Märkte, sondern an ihrer Beschleunigung. Viele Märkte reagieren 2026 politischer, impulsiver und datengetriebener als je zuvor. KI-gestützte Orderflüsse und eine Nachrichtenlage, die im Minutentakt neue Impulse setzt, erzeugen ein Umfeld, das selbst erfahrene Trader fordert. Anfänger betreten ein Spielfeld, das ihnen kaum Zeit lässt, Fehler zu erkennen, geschweige denn zu korrigieren. Wer ohne Fundament startet, wird von der Geschwindigkeit der Märkte regelrecht überrollt.

Oft unterschätzt wird die Psychologie. Märkte belohnen keine Nervenstärke, sie testen sie. Angst, Gier und Ungeduld führen dazu, dass Trader Trends jagen, Regeln brechen und Entscheidungen treffen, die sie nüchtern nie treffen würden. Genau hier entsteht das Lehrgeld, das sich vermeiden ließe, wenn man frühzeitig versteht, wie Märkte tatsächlich funktionieren.

Geringe Einstiegshürden täuschen über die Komplexität der Materie hinweg

Deutschland ist in diesem Umfeld ein besonderer Markt. Die Regulierung ist streng, die steuerlichen Anforderungen komplex, und die Finanzkultur traditionell vorsichtig. Während in den USA oder Asien Trading stärker im Alltag verankert ist, starten viele deutsche Einsteiger mit weniger Vorwissen und größerer Unsicherheit. Das führt zu einer paradoxen Situation: Der Zugang zu den Märkten ist so niedrigschwellig wie nie – ein Smartphone, eine App, ein paar Euro Startkapital –, gleichzeitig ist das notwendige Verständnis höher denn je. Die vermeintliche Einfachheit des Einstiegs täuscht darüber hinweg, wie anspruchsvoll der Handel tatsächlich ist.

Genau in diese Lücke stoßen vollmundige Social-Media-Influencer, die mit Luxusbildern und halbgaren Coaching-Versprechen eine Welt zeichnen, die mit der Realität wenig zu tun hat. Sie zeigen Gewinne, aber nie Verluste. Sie suggerieren, dass Erfolg eine Frage der richtigen App oder des richtigen „Setups“ sei. Und sie leben oft eher vom Verkauf ihrer Kurse als vom eigenen Handel. Die Inszenierung ersetzt die Analyse, Aktivität wird als Kompetenz verkauft. Die Gamification moderner Trading-Apps verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Farben, Animationen und Push-Benachrichtigungen erzeugen einen subtilen Handlungsdruck, der mit rationalem Entscheiden wenig zu tun hat.

Es geht zu Beginn nicht darum, den Markt zu schlagen, sondern ihn zu verstehen

Eine Trading-Ausbildung setzt an einem völlig anderen Punkt an. Sie vermittelt keine Tricks, sondern Denkmodelle. Sie erklärt nicht, wie man den Markt „schlägt“, sondern wie man ihn versteht. Eine gute Ausbildung zeigt, wie Preisbewegungen entstehen, welche Kräfte Märkte treiben und wie man Wahrscheinlichkeiten bewertet. Sie schafft ein Bewusstsein dafür, dass Märkte nicht linear funktionieren, sondern in Szenarien, die man vorbereiten muss. Vor allem aber schärft sie das Verständnis für die eigene Psychologie. Wer erkennt, wie Emotionen Entscheidungen verzerren, kann Routinen entwickeln, die auch in Stresssituationen tragen. Genau das unterscheidet Ausbildung von Unterhaltung: Sie schafft ein stabiles Fundament, auf dem sich langfristige Konsistenz aufbauen lässt.

2026 wird deshalb zu einem Jahr, in dem sich zeigt, wer Trading als Spiel betrachtet und wer es als Disziplin begreift.

Über den Autor:

Andre Witzel ist Trading-Experte und Ausbilder mit Schwerpunkt auf systematischem Handel und Marktpsychologie. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der Frage, warum Privatanleger an den Finanzmärkten scheitern und unter welchen Bedingungen nachhaltige Performance überhaupt möglich ist.



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Bildnachweis

1. Trader, Trading - https://unsplash.com/de/fotos/Gw_sFen8VhU



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