28.09.2015, 4973 Zeichen
In diesem Quickcheck geht es um ein anderes Unternehmen aus dem österreichischen Marktsegment „standard auction“, nämlich um die Wiener Privatbank SE (ISIN AT0000741301). Wie bei allen Unternehmen in dieser Rubrik gilt folgende Warnung: Es werden Unternehmen vorgestellt, die möglicherweise und irgendwann (!) attraktive Value Investments sein oder werden könnten. Ich persönlich habe mich mit den Unternehmen noch nicht in die Tiefe gehend beschäftigt. Die Rubrik soll nur Anregungen und Gedankenanstöße in einigen Sätzen für die Leser des Bargain Magazines sein. Diese Warnung gilt doppelt für Unternehmen aus österreichischen Nebensegmenten, weil diese hochgradig illiquide sind.
Die Aktien der Wiener Privatbank notieren seit Anfang 2007 an der Wiener Börse. Der Vorgänger der Gesellschaft mit dem Firmennamen Kapital & Wert Vermögensverwaltung AG war seit 1992 gelistet. Die Hauptgeschäftsfelder des Konzerns laut Segmentberichterstattung gliedern sich wie folgt:
- Bank: Hier bietet man verschiedene Private-Banking-Dienstleistungen wie beispielsweise Vermögensverwaltung, Vermögensberatung, Portfoliomanagement an. Daneben werden verschiedene Fonds (Einzel- und Dachfonds) angeboten und gemanagt. Die Bank positioniert sich außerdem am Kapitalmarkt über Emissionsgeschäfte, Brokerage und Research.
- Real Estate: Das Immobiliensegment umfasst Bauträger-, Makler- und Verwaltungstätigkeiten sowie den Verkauf von Vorsorgewohnungen.
- Treuhand und Verwaltung: hier geht es um die treuhänderische Vermögensverwaltung über die 100%-Tochter ATI Vermögenstreuhand GmbH
Die Aktionärsstruktur sieht so aus, dass sich fast 75% des Kapitals in den Händen einer überschaubaren Kernaktionärsgruppe befindet. Zu dieser Gruppe gehören zum Teil auch das Management und der Aufsichtsrat der Gesellschaft. Die Rechtsform der Gesellschaft ist jene einer SE, also einer Societas Europaea. Dabei handelt es sich um die spärlich genutzte auf europarechtlichen Vorgaben aufgebaute Version der Aktiengesellschaft. Die Wiener Privatbank SE wird (seit kurzem) in Form einer dualistischen SE geführt, das heißt unter Verwirklichung eines eigenen Vorstands- und eines Aufsichtsorganes, so wie es auch bei der österreichischen AG der Fall wäre. Demgegenüber gäbe es auch noch ein monistisches Modell, bei dem es ein Organ in Form eines Verwaltungsrates gibt und das durchaus mit dem angloamerikanischen Board-System vergleichbar ist.
Schauen wir uns noch ein paar Kennzahlen an: Die Kernkapitalquote nach Definition des Basel-III-Regimes, wie es in Europa über die Verordnung CRR (Capital Requirement Regulation) implementiert wird, liegt auf Basis des Halbjahresberichts 2015 bei ca. 14.34% und damit deutlich höher als bei den vergleichbaren österreichischen Peers. Die etwas weiter gefasste Gesamtkapitalquote liegt bei 14,53%. Im Halbjahr 2015 steht ein geringer Verlust bisher, dieser sei aber auf Einmaleffekte aus dem Immobilienbereich und höhere Zinsbelastungen durch den Ausbau des Immobilienportfolios zurückzuführen. Der Buchwert je Aktie beträgt derzeit um die 7,20 Euro und liegt damit deutlich über dem Marktpreis.
| 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | |
| Ergebnis | 12,2 | -3 | 11,3 | 8,1 | 6,7 | 0,5 | 3,5 | 2,8 |
| EK | 60,9 | 48,4 | 57,3 | 59,1 | 37,9 | 32,5 | 35,8 | 34,5 |
| Bilanzsumme | 180 | 351 | 126 | 118 | 90,7 | 98,7 | 139,4 | 185 |
| ROE | 20,0% | -6,2% | 19,7% | 13,7% | 17,7% | 1,5% | 9,8% | 8,1% |
Der Blick auf die Ertragssituation zeigt zumindest schon den oberflächlichen Grund, warum die Aktie unter Buchwert notiert. Ein Investment in eine Bank mit ihren speziellen regulativen Anforderungen und den geschäftsmodelltypischen hohen Fremdkapitalhebeln erfordert eine höhere Risikoprämie und wenn der ROE im einstelligen Bereich ist, kann man eben nicht den Buchwert zahlen. Hier gilt es zu erforschen, ob es in Zukunft das Potenzial gibt, diesen ROE wieder zu steigern. Die Bilanzverlängerung in den letzten Jahren (vor allem ab 2013) könnte beispielsweise auf verstärkte Erweiterungs- bzw. Investitionstätigkeit hinweisen. Auffällig ist auch, dass die Gesellschaft zumindest auf den ersten Blick gut durch die Finanzkrise gekommen ist. Der Großteil des EK-Rückganges von 2007 auf 2008 war nämlich einer üppigen Ausschüttung zuzuschreiben, jene von 2010 auf 2011 einer Kapitalherabsetzung (ebenfalls mit nachfolgender Ausschüttung).
Ich werde auch die Wiener Privatbank wegen unserer Konzentration auf österreichische Nebenwerte in die Coverage im Bargain Magazine aufnehmen, wobei ich hier gleich vorausschicken muss, dass ich nur eine sehr eingeschränkte Kompetenz bei der Beurteilung von Bank- und Versicherungsaktien habe. Auf jeden Fall bietet diese Erweiterung des Horizonts aber eine Gelegenheit, etwas dazuzulernen.
Weitere interessante Themen bei Bargain:
Eine umfassende Analyse der Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment AG
Verwendete Quellen:
https://www.wienerprivatbank.com/ (Allgemeine Infos zur Bank und ihren Services)
https://www.wienerprivatbank.com/investor-relations-adhoc/ (Download-Center für Geschäftsberichte)
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