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Vapiano: Endlich bekommt Deutschland eine Restaurant-Aktie! (Christoph Scherbaum)

Autor:
Christoph Scherbaum

Die Börsenblogger ist das einfache und direkte Sprachrohr von Journalisten und deren Kollegen, die teils schon mit jahrzehntelanger Arbeits- und Börsenerfahrung aufwarten können. Auch als professionelle Marktteilnehmer. Letztlich sind wir alle Börsenfans. Aber wir vertreten in diesem Blog auch eine ganz simple Philosophie: Wir wollen unabhängig von irgendwelchen Analysten, Bankexperten oder Gurus schreiben, was wir zum aktuellen (Börsen-)Geschehen denken, was uns beschäftigt. Das kommt Ihnen, dem Leser, zu Gute.

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19.06.2017, 6648 Zeichen

Bald könnte es so weit sein: Mit Vapiano (WKN: A0WMNK / ISIN: DE000A0WMNK9) bekommt Deutschland wohl seine erste Restaurant-Aktie. Wenn alles glatt geht, wird der Börsengang in knapp einer Woche über die Bühne gehen. Als erster Handelstag ist der 27. Juni 2017 geplant. Für Anleger bietet die Aktie die Möglichkeit am Boom-Geschäft des „Fast Casual Dining“ (FCD) teilzuhaben. Lohnt sich das?

Börsengänge und Privatanleger. Grundsätzlich sind wir bei Börsengängen immer zurückhaltend. Als Privatanleger sollte man sich eher auf Aktien konzentrieren, die bereits eine längere Zeit an der Börse sind. Auf diese Weise lassen sich Bewertungsunsicherheiten, die bei vielen Börsengängen existieren, beherrschen. Zudem besteht ein großes Informationsgefälle, da sich potenzielle Investoren auf die Informationen des IPO-Unternehmens und der beteiligten Banken verlassen müssen.

Was ist ein fairer Preis? Über diese Frage lassen sich Bücher füllen. Eines ist aber klar: Jeder Börsengang muss in seinem jeweiligen Börsenumfeld gesehen werden. In Hausse-Zeiten werden selbstverständlich höhere Preise verlangt und erzielt, als in Baisse-Zeiten – sofern dann überhaupt Börsengänge stattfinden. Wenn Aktien einige Jahre an der Börse zu Hause sind, haben sich deutlich mehr Anleger Gedanken über die Bewertung gemacht, als vor bzw. während des Börsengangs. Das heißt die Bewertung in den ersten Monaten nach einer Platzierung ist deutlich realistischer, als vor dem IPO. Wenn dann noch einige Wettbewerber als Vergleich (Kurs-Umsatz-Verhältnis, Kurs-Gewinn-Verhältnis) herangezogen werden, wird es deutlich einfacher eine eigene Bewertung zu erstellen.

Das Konzept von Vapiano. Vapiano dürfte den meisten Deutschen bekannt sein. In den Restaurants werden Pasta, Pizzateig, Soßen, Dressings sowie Dolci selbst hergestellt, zum Teil sogar mitten im Gastraum in der gläsernen Manifattura. Die Speisen werden direkt vor den Augen des Gastes in der Showküche „à la minute“ zubereitet. Dieses Konzept sowie das kosmopolitische Ambiente machen das Erfolgsrezept des Unternehmens aus. Von Hamburg aus verbreitete sich das Erfolgskonzept schnell in die ganze Welt. Vapiano zählt aktuell 186 Restaurants in mehr als 30 Ländern auf fünf Kontinenten.

Die Zahlen von Vapiano. Zwischen 2014 und 2016 konnte Vapiano seinen Gesamtumsatzerlös jährlich um rund 8,7 Prozent auf 460,4 Mio. Euro steigern. Im gleichen Zeitraum wuchs der Umsatzerlös mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund 28 Prozent von 151,8 Mio. Euro auf 248,6 Mio. Euro an. Unter Berücksichtigung von im Jahr 2016 getätigten Akquisitionen hätte sich der Umsatz auf 292,3 Mio. Euro belaufen. Das bereinigte EBITDA abzüglich Voreröffnungskosten wuchs mit einer jährlichen Rate von über 10 Prozent von 23,4 Mio. Euro im Jahr 2014 auf 28,6 Mio. Euro im Jahr 2016. Wären die im Jahr 2016 getätigten Akquisitionen bereits zum Jahresanfang voll konsolidiert gewesen, hätte das bereinigte EBITDA 32,7 Mio. Euro betragen.

Der Börsengang von Vapiano. Der geplante Börsengang umfasst eine Kapitalerhöhung von bis zu 4.047.620 neuer Aktien sowie eine Umplatzierung von bis zu 3.533.123 bestehender Aktien aus den Beständen der Aktionäre des Unternehmens, VAP Leipzig GmbH & Co. KG und Exchange Bio GmbH. Zur Bedienung eventueller Mehrzuteilungen werden die Verkaufenden Aktionäre bis zu 758.074 zusätzliche bestehende Aktien (ca. 10 Prozent Hauptangebots) bereitstellen. Die Preisspanne für den geplanten Börsengang wurde auf 21 bis 27 Euro je Aktie festgelegt. Im Zusammenhang mit dem Börsengang erwartet Vapiano ein Emissionsvolumen an neuen Aktien im Wert von rund 85 Mio. Euro. Das Unternehmen plant, den Großteil der Erlöse aus der Börsengangkapitalerhöhung in das weitere Wachstum und die Expansion des Unternehmens in neue und bestehende Märkte sowie in die gezielte Akquisition von verbundenen Unternehmen und Restaurants zu investieren. Darüber hinaus soll ein nachrangiges Gesellschafterdarlehen in Höhe von 10 Mio. Euro zurückgezahlt werden.

Die Vergleichsunternehmen. Schaut man auf die Konkurrenz, muss man über den Atlantik blicken. Dort fällt sofort Chipotle Mexican Grill (WKN: A0ESP5 / ISIN: US1696561059) ins Auge. Die US-Kette, die mexikanisches Essen wie Burritos oder Tacos verkauft, ist bislang hierzulande nur in Frankfurt aktiv. Ebenso interessant ist die US-Burger-Kette Shake Shack (WKN: A14MVX / ISIN: US8190471016). Beide sind in den USA ein Renner. Daneben muss man sich natürlich auch das Fast-Food-Urgestein McDonald’s (WKN: 856958 / ISIN: US5801351017) und den KFC- und Pizza-Hut-Betreiber Yum! Brands (WKN: 909190 / ISIN: US9884981013) ansehen. Natürlich gibt es noch weitere Kandidaten, die zum Vergleich herangezogen werden könnten – aber die Aussagekraft wird auch nicht größer. Blicken wir auf Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) und Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

  EPS 2017e Umsatz 2017e Marktkapitalisierung KUV 2017e KGV 2017e
Chipotle Mexican Grill 8,47 USD 4,63 Mrd. USD 13,06 Mrd. USD 2,82 53
Shake Shack 0,50 USD 357 Mio. USD 1,38 Mrd. USD 3,86 75
McDonald’s 6,39 USD 22,46 Mrd. USD 123,2 Mrd. USD 5,48 24
Yum! Brands 2,77 USD 5,78 Mrd. USD 25,3 Mrd. USD 4,38 26

Die Börsenbewertung von Vapiano liegt je nach Ausgabepreis zwischen 512 und 634 Mio. Euro. Legt man das bisherige Umsatzwachstum von 10 Prozent zu Grund käme ein 2017er Umsatz von rund 320 Mio. Euro heraus. Damit ergäben sich im besten Fall ein 2017er KUV von rund 2. Das wäre günstig. Schaut man sich aber etwas näher die Bilanz aus dem Börsenprospekt an, fallen auch die hohen „Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen“ sowie „Sonstige betriebliche Aufwendungen“ ins Auge. Diese führten dazu, dass Vapiano im ersten Quartal bei einem Umsatz von 75,4 Mio. Euro einen Verlust von 6,25 Mio. Euro ausweist. Wachstum ist in diesem Segment sicherlich wichtig, aber dabei sollte der Gewinn nie aus den Augen verloren werden. Es wird spannend sein, zu sehen, wie die großen Anleger diesen Punkt bewerten.

So oder so ist die Hoffnung groß, dass der Börsengang von Vapiano ein Erfolg wird, denn es wäre ein starkes Signal auch für andere Unternehmen endlich den Gang aufs Parkett zu wagen. Privatanleger brauchen ebenfalls frischen Wind – auch wenn sie nicht von Anfang an dabei sein müssen. Viele IPOs der letzten Jahre haben ja gezeigt, dass auch ein späterer Einstieg kein Fehler war.

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(19.06.2017)

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    Börsengänge und Privatanleger. Grundsätzlich sind wir bei Börsengängen immer zurückhaltend. Als Privatanleger sollte man sich eher auf Aktien konzentrieren, die bereits eine längere Zeit an der Börse sind. Auf diese Weise lassen sich Bewertungsunsicherheiten, die bei vielen Börsengängen existieren, beherrschen. Zudem besteht ein großes Informationsgefälle, da sich potenzielle Investoren auf die Informationen des IPO-Unternehmens und der beteiligten Banken verlassen müssen.

    Was ist ein fairer Preis? Über diese Frage lassen sich Bücher füllen. Eines ist aber klar: Jeder Börsengang muss in seinem jeweiligen Börsenumfeld gesehen werden. In Hausse-Zeiten werden selbstverständlich höhere Preise verlangt und erzielt, als in Baisse-Zeiten – sofern dann überhaupt Börsengänge stattfinden. Wenn Aktien einige Jahre an der Börse zu Hause sind, haben sich deutlich mehr Anleger Gedanken über die Bewertung gemacht, als vor bzw. während des Börsengangs. Das heißt die Bewertung in den ersten Monaten nach einer Platzierung ist deutlich realistischer, als vor dem IPO. Wenn dann noch einige Wettbewerber als Vergleich (Kurs-Umsatz-Verhältnis, Kurs-Gewinn-Verhältnis) herangezogen werden, wird es deutlich einfacher eine eigene Bewertung zu erstellen.

    Das Konzept von Vapiano. Vapiano dürfte den meisten Deutschen bekannt sein. In den Restaurants werden Pasta, Pizzateig, Soßen, Dressings sowie Dolci selbst hergestellt, zum Teil sogar mitten im Gastraum in der gläsernen Manifattura. Die Speisen werden direkt vor den Augen des Gastes in der Showküche „à la minute“ zubereitet. Dieses Konzept sowie das kosmopolitische Ambiente machen das Erfolgsrezept des Unternehmens aus. Von Hamburg aus verbreitete sich das Erfolgskonzept schnell in die ganze Welt. Vapiano zählt aktuell 186 Restaurants in mehr als 30 Ländern auf fünf Kontinenten.

    Die Zahlen von Vapiano. Zwischen 2014 und 2016 konnte Vapiano seinen Gesamtumsatzerlös jährlich um rund 8,7 Prozent auf 460,4 Mio. Euro steigern. Im gleichen Zeitraum wuchs der Umsatzerlös mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund 28 Prozent von 151,8 Mio. Euro auf 248,6 Mio. Euro an. Unter Berücksichtigung von im Jahr 2016 getätigten Akquisitionen hätte sich der Umsatz auf 292,3 Mio. Euro belaufen. Das bereinigte EBITDA abzüglich Voreröffnungskosten wuchs mit einer jährlichen Rate von über 10 Prozent von 23,4 Mio. Euro im Jahr 2014 auf 28,6 Mio. Euro im Jahr 2016. Wären die im Jahr 2016 getätigten Akquisitionen bereits zum Jahresanfang voll konsolidiert gewesen, hätte das bereinigte EBITDA 32,7 Mio. Euro betragen.

    Der Börsengang von Vapiano. Der geplante Börsengang umfasst eine Kapitalerhöhung von bis zu 4.047.620 neuer Aktien sowie eine Umplatzierung von bis zu 3.533.123 bestehender Aktien aus den Beständen der Aktionäre des Unternehmens, VAP Leipzig GmbH & Co. KG und Exchange Bio GmbH. Zur Bedienung eventueller Mehrzuteilungen werden die Verkaufenden Aktionäre bis zu 758.074 zusätzliche bestehende Aktien (ca. 10 Prozent Hauptangebots) bereitstellen. Die Preisspanne für den geplanten Börsengang wurde auf 21 bis 27 Euro je Aktie festgelegt. Im Zusammenhang mit dem Börsengang erwartet Vapiano ein Emissionsvolumen an neuen Aktien im Wert von rund 85 Mio. Euro. Das Unternehmen plant, den Großteil der Erlöse aus der Börsengangkapitalerhöhung in das weitere Wachstum und die Expansion des Unternehmens in neue und bestehende Märkte sowie in die gezielte Akquisition von verbundenen Unternehmen und Restaurants zu investieren. Darüber hinaus soll ein nachrangiges Gesellschafterdarlehen in Höhe von 10 Mio. Euro zurückgezahlt werden.

    Die Vergleichsunternehmen. Schaut man auf die Konkurrenz, muss man über den Atlantik blicken. Dort fällt sofort Chipotle Mexican Grill (WKN: A0ESP5 / ISIN: US1696561059) ins Auge. Die US-Kette, die mexikanisches Essen wie Burritos oder Tacos verkauft, ist bislang hierzulande nur in Frankfurt aktiv. Ebenso interessant ist die US-Burger-Kette Shake Shack (WKN: A14MVX / ISIN: US8190471016). Beide sind in den USA ein Renner. Daneben muss man sich natürlich auch das Fast-Food-Urgestein McDonald’s (WKN: 856958 / ISIN: US5801351017) und den KFC- und Pizza-Hut-Betreiber Yum! Brands (WKN: 909190 / ISIN: US9884981013) ansehen. Natürlich gibt es noch weitere Kandidaten, die zum Vergleich herangezogen werden könnten – aber die Aussagekraft wird auch nicht größer. Blicken wir auf Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) und Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

      EPS 2017e Umsatz 2017e Marktkapitalisierung KUV 2017e KGV 2017e
    Chipotle Mexican Grill 8,47 USD 4,63 Mrd. USD 13,06 Mrd. USD 2,82 53
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