25.05.2015, 4481 Zeichen
Vor kurzem hat die Beta Systems Software AG ihren Halbjahresbericht (Oktober 2014 bis März 2015) veröffentlicht. Nachfolgend gibt es eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
Im Vergleich zur Vorjahresperiode wurde der Umsatz um 15% gesteigert, davon ca. 7% organisches Wachstum, während der Rest auf den Erwerb der Horizont Software GmbH entfällt. Diese Gesellschaft, die Software für große Rechenzentren entwickelt und vertreibt, wurde um einen Preis von knapp 7,8 MEUR (nach Abzug erhaltener Zahlungsmittel) erworben. Dadurch wurden unter anderem um die 2,8 MEUR Verlustvorträge nutzbar gemacht. Die „Horizont“ steuerte im Berichtszeitraum knapp 1,4 MEUR zum Umsatz und 0,4 MEUR zum Gewinn bei.
Das EBIT betrug im ersten HJ knapp 1,3 MEUR. Bemerkenswerterweise impliziert die Guidance für das Gesamtjahr von ca. 40 MEUR Umsatz und 1 MEUR EBIT einen negativen weiteren Jahresverlauf.
Im Berichtszeitraum schlugen außerdem Fremdwährungsgewinne in Höhe von 0,7 MEUR positiv zu Buche. In Bezug auf die Segmententwicklung zeigten sich die Teile Wartung und Services sehr stark (mit jeweils ca. 20% Umsatzzuwachs), während das Segment Software konstant blieb.
Der Personalbestand wuchs weiterhin deutlich auf mittlerweile über 300, wobei 30 Vollzeitäquivalente „organisch“ hinzugekommen sind und 24 auf den Erwerb der neuen Tochter zurückzuführen sind.
Gesellschaftsrechtlich wurden ebenfalls einige Beschlüsse gefasst, nämlich einerseits die Aufgliederung auf zwei eigenständige operative Bereiche (Data Center Intelligence – DCI und Identity Access Management – IAM) in der Rechtsform von Aktiengesellschaften, kombiniert mit der Einführung einer Holding-Struktur und andererseits verschiedene Kapitalmaßnahmen. Insbesondere die geplanten Kapitalerhöhungen sind hier zu erwähnen: das Grundkapital kann um bis ein Drittel durch eine „herkömmliche Kapitalerhöhung“ aufgestockt werden. Überdies wurde ein genehmigtes Kapital und der Rahmen für einen Aktienrückkauf geschaffen.
Zwei weitere erwähnenswerte Punkte sind einerseits die beiden anhängigen Klagen von zwei ehemaligen Vorständen mit einem Streitwert von insgesamt ca. 570 TEUR sowie Consulting-Verträge mit dem Unternehmen des ehemaligen Finanzvorstands Andreas Dahmen (GHK Constulting). Geldsumme wurde hierfür noch keine genannt, allerdings ist aufgrund des vorgegebenen Auftragsvolumens wohl mit einem Abfluss von einigen hunderttausend Euro zu rechnen.
Eigene Überlegungen
In Anbetracht der veröffentlichten Zahlen finde ich den Kaufpreis für die Horizont Software AG durchaus sinnvoll. Unter Berücksichtigung der positiven Steuereffekte hat man scheinbar ein Umsatzmultipel von weniger als 2 und ein einstelliges Gewinnmultipel bezahlt, was für die Softwarebranche zumindest nicht unangemessen hoch erscheint. Synergieeffekte sind zwar logischerweise nicht akkurat bezifferbar, sind aber zumindest theoretisch im Vertrieb sowie in der Personal- und Know-How-Beschaffung denkbar, wenn man das Geschäftsmodell der neuen Tochter betrachtet.
Rein von der „Papierform“ her wären die Kapitalerhöhungen nicht notwendig, verfügt man doch über knapp 33 MEUR an liquiden Mitteln und kurzfristigen Finanzanlagen (über 1,65 EUR je Aktie), die man angesichts der Finanzierungsstruktur und des geringen Kapitalbindungsbedarfs zum Großteil als nicht betriebsnotwendig klassifizieren könnte. Es wird interessant sein zu beobachten, wie der Hauptaktionär Deutsche Balaton diese Maßnahmen durchziehen wird: sowohl eine Emission deutlich unter Wert zur weiteren Verwässerung des Streubesitzes wie auch das Hochpushen des Kurses als Vorbereitung der Kapitalerhöhung zu einem wesentlich höheren Preis sind für mich denkbar. Rein vom Bauchgefühl her tendiere ich aber eher zur ersten Variante.
Die gesellschaftsrechtliche Umstrukturierung mit der Aufteilung auf zwei separate Tochter-AGs macht auf den ersten Blick Sinn. Gangbare mittelfristige Entwicklungen in den nächsten Jahren könnten hier beispielsweise durchaus ein Spin-Off bzw. IPO (vor allem des hochmargigen Wartungsgeschäfts) sein oder auch eine Veräußerung einer Tochter.
Alles in allem besteht für mich bei der Beta Systems Software AG kein Bedarf zu handeln, die Bewertung scheint nach wie vor – trotz möglicher Unsicherheiten bzw. Wermutstropfen (verwässernde Kapitalerhöhungen, üppige Consultingverträge) günstig und teilweise durch die gleichzeitige Position in der Deutschen Balaton AG abgesichert.
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Wiener Börse Party #1122: ATX deutlich fester, FACC resilient, Kontron sieht sich günstig und Private Equity vs. Neobroker-Depots
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