12.10.2015, 4410 Zeichen
Seit Anfang des neuen Jahrtausends und besonders seit der Finanzkrise 2008 haben sich in unserer Gesellschaft Dogmen entwickelt, die immer mehr unser Leben beherrschen, unsere Freiheit bedrohen und die Wirtschaft lähmen. Diese Dogmen werden als gottgegeben angesehen, und niemand traut sich sie zu hinterfragen. Würde man sie hinterfragen, würde man sehr schnell erkennen, welchem Unsinn unsere Gesellschaft mit geradezu manischem Fokus hinterherläuft.
In den nächsten Blogbeiträgen werde ich jeweils einen dieser Irrtümer beschreiben.
Compliance
„Compliance“ oder Regelbefolgung ist das neue Schlagwort des 21. Jahrhunderts. Unternehmen erschaffen „Compliance“ Abteilungen, wo der „Compliance Officer“ immer größere Macht hat. Jeder Arbeitnehmer muss einen „Compliance Code“ unterschreiben. Unternehmen müssen „Whistleblower Boxes“ einrichten, damit ein Mitarbeiter einen anderen anpetzen kann. Compliance ist das neue geflügelte Wort der Wirtschaft und es zeigt, wohin unsere Zukunft geht – Befolgung von (größtenteils sinnlosen) Regeln.
Verkäufer sind nicht mehr darauf fokussiert ihre Kunden zu befriedigen und zu unterhalten, sondern müssen sich damit beschäftigen, ob eine Einladung noch den Firmenrichtlinien entspricht. Bankmitarbeiter sind nicht mehr damit beschäftigt Kredite zu vergeben, oder tatsächlich zu überprüfen ob ein Kunde kreditwürdig ist, sondern damit, ob alle formalen Voraussetzungen gegeben sind und die Risikomodelle der Bank korrekt beachtet wurden. Bei Interessenskonflikten trennt man sich lieber von guten Mitarbeitern und ersetzt sie mit schlechteren, um ja keinen Anschein eines Regelverstoßes zu haben.
Ein CEO eines großen börsennotierten Unternehmens hat mir einmal gesagt: „Compliance First, Business Second“: Überlegen wir mal was das bedeutet. Regelbefolgung als Mantra und Leitspruch der Wirtschaft? In welche Sackgasse wird uns das führen?
Ein erfolgreiches Unternehmen muss, um am Markt bestehen zu können, sich ständig neu erfinden, den Status Quo hinterfragen und etablierte Marktgesetze brechen. Ansonsten wird es im globalen technologiebasierten Wettbewerb nicht lange erfolgreich agieren können. Compliance steht im diametralen Widerspruch dazu: Wenn die Firmenkultur und die Mitarbeiter darauf ausgerichtet sind, Regeln zu befolgen, werden sie nicht gut darin sein, den Status Quo in Frage zu stellen. In anderen Worten, Compliance bedeutet Stillstand anstelle von Wachstum.
Jedes Unternehmen lebt von Innovation und Verkauf. Ohne innovative Produkte und ohne gute Verkäufer, geht jedes Unternehmen früher oder später bankrott. Welcher Compliance Officer hat ein Produkt erfunden oder ein Produkt verkauft? Ich glaube, diesen Compliance Officer gibt es nicht. Stellt man aber umgekehrt die Frage, welcher Compliance Officer die Entwicklung neuer Produkte verhindert hat oder erfolgreiche Verkäufer behindert hat, dann könnte man bereits ein Lexikon damit füllen.
Stellen wir mal folgende Frage: Welchen wirtschaftlichen Wert bringt Compliance? Bringt Regelbefolgung mehr Wohlstand, mehr Zufriedenheit, mehr Freiheit, mehr Wachstum? Wohl kaum, bis auf das Wachstum an Bürokraten und Beratern welche die Bürokratie unterstützen. Umgekehrt vernichtet Compliance sehr viel Wohlstand: Die Überwachungsbürokratie kostet viel Geld, dem kein wirtschaftlicher Ertrag gegenübersteht, sie behindert und demotiviert die Mitarbeiter und die hemmt Innovation und Verkauf.
Der Gesetzgeber hat sogar einen Namen geschaffen, den Compliance Officer lieben werden – den Tatbestand der „Anfütterung“. Vor 10 Jahren hätte man nur gedacht, dass man Rehe oder andere Tiere am Futtertrog anfüttern kann. Mittlerweile kann man auch Menschen anfüttern, indem man beispielsweise Kunden oder Geschäftspartner zum Essen einlädt das über Euro 20 kostet. Auch Weihnachtsgeschenke können Anfütterung bedeuten. Anstelle, dass Weihnachtsgeschenke Freude bereiten, werden sie heute auf Anordnung der Compliance Abteilung an den Absender retourniert, da sie den Anfütterungsregeln und Regeln für Interessenskonflikte widersprechen. Man kann nur mehr den Kopf schütteln, wer sich solche Verrücktheiten ausdenkt; vor 10 Jahren hätte man mit solchen Ideen eine Zirkusveranstaltung füllen können, heute füllt man einen Compliance Ordner damit aus.
„Who needs compliance“ ist eine berechtigte Frage, die wir uns stellen sollten. Wir brauchen Unternehmer, die Risiken nehmen, die Regeln brechen, die den Status Quo in Frage stellen und Innovationen schaffen.
Börsepeople im Podcast S22/23: Christian Drastil MD
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