01.06.2018, 6539 Zeichen
Hausverbot im CAT. Zur Entspannung heute eine kurze Anekdote. Ich bin CAT-Kunde der ersten Stunde, meine Familie genauso. Geärgert hat mich vor Jahren, wie ich in Wien-Mitte angekommen bin, dass ich spätnachts mit schweren Koffern über Baustellenbretter und durch Bauschmutz wanken musste, weil niemand den am Flughafen einsteigenden Kunden gesagt hat, dass der CAT-Bereich in Wien-Mitte eine Baustelle ist. Die normalen S-Bahn-Kunden kamen dagegen im sauberen Bahnhof an und konnten direkt zur U4 gehen, ohne schmutzig zu werden. Ärgerlich, ja, weil gerade ich den Luxuspreis für laut Werbung "stressfreie und bequeme" Anreise gezahlt und dafür eine Qualität bekommen habe, die weit unter der Latte der ÖBB gelegen ist. Trotzdem habe ich mich nicht beschwert. Als Flughafen-Aktionär will man dem CAT eine Existenzberechtigung zugestehen, und man redet sich ein, dass man bessere Qualität für den höheren Preis bekommt. Das ist dumm, ich weiss, aber ich hatte einfach immer eine Sympathie für den CAT. Mittlerweile sind allerdings auch die ÖBB-Züge teils komfortabler und sauberer geworden. Der eine wirkliche Grund für mich, der noch sachlich für den CAT sprach, war, dass jede zweite ÖBB-Garnitur von Wien-Mitte NICHT am Flughafen Endstation hat und ich daher jedes zweite Mal ein bisserl Stress beim Aussteigen mit Gepäck hatte, weil der Zug ja gleich weiterfährt. Wenn ich es mir nicht so einteilte, dass ich den Zug mit Endstation Flughafen erwischen konnte. Der zweite Grund war die bei gewissen Fluglinien mögliche Aufgabe von Gepäck schon in Wien-Mitte, aber das war nicht wirklich wichtig, weil ich das Gepäck ja auch eine halbe Stunde später am Flughafen aufgeben konnte, dieses bisserl Mühe mehr war eigentlich nie der Rede wert, ich bin ja eh groß und stark.
Ich war also seit vielen Jahren Kunde. Durchschnittlich vier Einzelfahrten pro Jahr, öfter habe ich am Flughafen halt nicht zu tun, und der CAT fährt sonst nirgendwo hin. Ich fühlte mich trotzdem als Stammkunde. Neben den Momenten, wo ich die CAT-Lounge in Wien-Mitte durchquerte, um in den CAT zu steigen oder aus dem CAT zu kommen, war ich auch manchmal vor Reisen schon dort, um am Fluglinienschalter Informationen für die Gepäckbeförderung einzuholen. Vom Informationsschalter brauchte ich nie etwas, denn die Fahrtzeiten und Preise habe ich eh aus dem Internet, und was die Gepäckbeförderung betrifft, so kennen sich wohl nur die Mitarbeiter der Fluglinien selbst wirklich aus, diese findet man ebenfalls in der CAT-Lounge.
Am Freitag, dem 25.5.18, gegen 9:00h ergab es sich, dass ich auf dem Weg ins Intercontinental zur HV der Wiener Privatbank nach langer Zeit wieder einmal den Bahnhof Wien-Mitte querte. Was lag also näher, als diese Gelegenheit zu nützen, um mich bezüglich der Gepäckaufgabe für die bevorstehende Reise zu informieren? Es war gerade wieder eine kleine Baustelle dort, dieses Mal dürfte es nur um eine Wand gegangen sein. Zur freien Entnahme gab es die Wiener Zeitung. Ich lese sie vor allem wegen der HV-Einladungen gerne, die darin veröffentlicht werden. Mein Bäcker Ströck, mein Ikea-Restaurant, meine Krankenkasse-Bezirksstelle, an sehr vielen Orten liegt die Wiener Zeitung zur freien Entnahme auf. Das freut den Leser, das ist aber auch für die Zeitung selbst wichtig, denn erstens wird sie auf diese Weise wahrgenommen und könnte Abonnenten gewinnen, die sich die Zeitung direkt nach Hause bestellen, und zweitens ist die VERBREITETE Auflage sehr viel wichtiger als die gedruckte Auflage, denn was nur gedruckt und dann teuer entsorgt wird, das hat für einen etwaigen Werbekunden absolut keinen Wert. Liebe Werbekunden: die Zeitung bei Ströck, Ikea und Gebietskrankenkasse wird wirklich gelesen, die Leute freuen sich, wenn sie neben HEUTE und ÖSTERREICH noch eine dritte Zeitung lesen können, eine mit viel mehr Text sogar. Ohne an etwas Böses zu denken, nahm ich also die zur freien Entnahme aufliegende Wiener Zeitung an mich. Dann sah ich eine riesige Schütte, mit "zur freien Entnahme" beklebt. Ich schaute in die Schütte und betrachtete die letzten 3 grünen Regenhäute darin. Anerkennend sagte ich zu meiner Begleitung, dass ich es sehr nett finde, dass sie so auf ihre Kunden schauen. Plötzlich wurde ich von hinten angebellt: "DAS IST NUR FÜR PASSAGIERE! SIE KOMMEN DA JEDEN TAG UND NEHMEN DIE ZEITUNG!"
Ich brauche ohnehin keine Regenhaut. Ich habe so etwas noch nie getragen, weil mir der Regen nichts ausmacht. Es ist durchaus okay, dass das nur für Kunden ist. Besser wäre natürlich, sie würden "Für unsere Kunden" oder so draufschreiben. Damit erst gar kein Unbefugter in die Schütte reinguckt. Ich war zwar Kunde, Stammkunde, wie gesagt, aber an diesem Tag war ich kein Passagier. Nichts läge mir ferner, als dem CAT Kosten im Wert von vielleicht 50 Cents zu verursachen, die sich nicht am gleichen Tag amortisieren. Ich laufe sicher nicht als Werbeträger herum.Aber den Vorwurf, den CAT um eine Gratiszeitung zu schädigen, lasse ich sicher nicht auf mir sitzen. Zumal es eine Unterstellung ist, "jeden Tag" in die Lounge zu kommen. Wien-Mitte ist nicht unbedingt der Ort, wo ich mich wohl fühle. Alle paar Monate mal, das reicht. Täglich oder auch nur wöchentlich ginge sich nie aus, so viel Zeit und Muße habe ich garantiert nicht. Und schon gar keine Lust habe ich darauf, vom mächtigen Zeitungskontrollor vom Informationsstand angepöbelt zu werden, der kraft seines grünen Uniformjackerls glaubt, Kunden niedermachen zu dürfen. Die Informationseinholung hat sich jedenfalls erübrigt, ich werde den CAT nicht mehr benutzen. Ich darf ja die Lounge nicht mehr durchqueren. Nicht mehr "da kommen". Und ich habe auch überhaupt keine Lust darauf, dem Herrn im grünen Jackerl wieder zu begegnen. Der soll in Zukunft seinen Frust an anderen Leuten auslassen, ich stehe dafür sicher nicht mehr zur Verfügung.
Liebe CAT-Chefs, schaut Euch die Überwachungsvideos der letzten paar Wochen an, dann könnt Ihr klären, ob Euer Zeitungskontrollor recht hat. Und schreibt auf die Entnahmebox "NICHT zur freien Entnahme!" Wenn die Wiener Zeitung Euch zu teuer ist, um sie wie Ströck, Ikea und Krankenkasse gratis abzugeben, stelle ich gerne den Kontakt zu anderen seriösen Zeitschriften her, die Euch mit Freuden täglich ein paar Exemplare für Eure Kunden schenken. Fällt unter Werbung, wie gesagt, außerdem ist es eine sinnvolle Verwendung für den Teil der gedruckten Auflage, der nicht im Abo oder über Verkaufsstellen abgesetzt werden kann. Vernichten ist viel teurer, und Vernichten ist das allerschlimmste, was man mit einer Zeitung machen kann.
Börsepeople im Podcast S25/05: Markus Leitgeb (AT&S)
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