26.06.2019, 3624 Zeichen
Infineon hat sich keinen besonders guten Zeitpunkt ausgesucht, um die größte Übernahme der Unternehmensgeschichte auf den Weg zu bringen. Das heißt jedoch nicht, dass sich die Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor langfristig nicht auszahlen wird.
Das Halbleitergeschäft gilt als relativ konjunkturabhängig. Entsprechend trübte sich die Branchenstimmung zuletzt angesichts der erwarteten Konjunkturabkühlung ein. Hinzu kamen Belastungsfaktoren wie die Schwäche in der Automobilbranche und vor allem der Handelsstreit zwischen China und den USA. Insbesondere das Vorgehen der US-Regierung gegen den chinesischen Handy-Hersteller und Netzwerkausrüster Huawei sorgt dabei für Turbulenzen in der Chipindustrie.
Beispielsweise musste Siltronic, ein bedeutender Zulieferer der Halbleiterindustrie, am 17. Juni seine Prognose bereits das zweite Mal innerhalb von wenigen Monaten senken. Statt eines Umsatzrückgangs von 5 bis 10 Prozent stellt das MDAX- und TecDAX-Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr 2019 nun ein Minus von 10 bis 15 Prozent in Aussicht. Die Prognose für die EBITDA-Marge wurde von 33 bis 37 Prozent auf 30 bis 35 Prozent gesenkt. Als Begründung führte Siltronic eine anhaltende Nachfrageschwäche in der Halbleiterbranche an. Zu dieser hätten die geopolitischen Unsicherheiten und der negative Einfluss der Exportbeschränkungen der US-Regierung gegenüber chinesischen Technologieunternehmen geführt.
Bereits zuvor hatte der US-Chipkonzern Broadcom ähnliche Gründe für die enttäuschende Umsatzentwicklung im abgelaufenen Quartal und den gesenkten Umsatzausblick für das laufende Geschäftsjahr angeführt. Ausgerechnet in diese Phase fällt die Ankündigung von Infineon, die größte Übernahme der Unternehmensgeschichte stemmen zu wollen.
Am 2. Juni teilte der DAX-Konzern mit, den US-Konkurrenten Cypress Semiconductor für rund 9 Mrd. Euro übernehmen zu wollen. Der Deal soll dem Münchner Halbleiterkonzern laut Managementdarstellung Potenzial in den wachstumsstarken Zielmärkten Automotive, Industrie und Internet der Dinge (IoT) eröffnen. Zudem wird bis 2022 mit Kostensynergien in Höhe von jährlich 180 Mio. Euro und langfristig mehr als 1,5 Mrd. Euro an jährlichen Umsatzsynergien gerechnet. Darüber hinaus macht der Deal Infineon zur Nummer acht unter den weltweiten Chip-Herstellern und zur Nummer eins bei Chips für den Automobilmarkt. Genau in diesem Bereich könnten besonders große Chancen lauern.
Die Autoindustrie hat derzeit mit verschiedenen Herausforderungen wie dem Handelsstreit, der erwarteten Konjunkturabkühlung, der holprigen Umstellung auf das neue Abgasemissionstestverfahren WLTP oder dem „Dieselskandal“ zu kämpfen. Mittel- bis langfristig sind jedoch enorme Investitionen in neue Technologien geplant. Nicht nur in die Elektromobilität, sondern auch in die zunehmende Vernetzung des Automobils. Dabei ist das autonome Fahren nur ein Bereich. Darüber hinaus sollte auch die zunehmende Vernetzung unseres gesamten Alltags die Nachfrage nach Chips beflügeln und Unternehmen wie Infineon sowie der gesamten Halbleiterindustrie nach einer schwierigen Phase wieder zu besseren Geschäften verhelfen.
Spekulative Anleger, die steigende Kurse der Infineon-Aktie erwarten, könnten mit einem WAVE XXL-Call der Deutschen Bank (WKN DS7YP1) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Open-End-Papiers liegt derzeit bei 3,68, die Barriere bei 11,55 Euro. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem WAVE XXL-Put der Deutschen Bank (WKN DC43PM, aktueller Hebel 4,45, Barriere bei 17,55 Euro) auf fallende Kurse der Infineon-Aktie setzen.
Stand: 25.06.2019
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