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Ein totaler Crash dürfte uns voraussichtlich erspart bleiben (Willibald Katzenschlager, LLB Österreich)

Bild: © Martina Draper/photaq, Elisabeth Niedereder, Hajnalka Soos, Choose Optimism

19.03.2020, 3819 Zeichen

"Außerordentliche Zeiten erfordern außerordentliche Maßnahmen!" Diesem Ausspruch von EZB-Präsidentin Christine Lagarde ist nichts hinzuzufügen, er gilt gleichermaßen für die Realpolitik, die Wirtschaftspolitik aber auch für das Privat- und Berufsleben jedes einzelnen von uns. Doch der Reihe nach: Wenn sie die Nachrichten aus unserer unmittelbaren Nähe genau betrachten, wird verständlicher, warum die Märkte in den Krisen- um nicht zu sagen in Panik-Modus verfallen sind. In Italien gibt es weiter enorme Steigerungsraten bei Todesfällen (fast 500 waren es gestern) und offiziellen Ansteckungsfällen (derzeit 3000 pro Tag), daher überlegt die Regierung ein totales (!) Ausgehverbot zu verhängen. Tirol musste sich gestern Abend von der Außenwelt komplett abkapseln, zu spät wurde die Hüttengaudi abgedreht. In nahezu allen Ländern unserer Nachbarschaft gibt es bereits diverse Einschränkungen und Sperrzonen, vom "Social Distancing" ganz zu schweigen. Wie auch immer das ausgehen mag, klar ist jetzt schon, dass die Weltwirtschaft einen massiven Konjunktureinbruch erleben wird, die Frage ist nur, wie tief der Einschnitt wird und wie schnell man zu "Business as usual" zurückkehren wird können. Und genau da kommen die Regierungen und die Zentralbanken ins Spiel. Und wie sie spielen. Die österreichische Bundesregierung verabschiedete soeben ein Krisenbudget mit vorerst 42 Mrd. EUR zugesagter Unterstützung. Die meisten Regierungen haben bereits mächtige Hilfspakete im Einsatz oder zumindest angekündigt, auch die letzten Uneinsichtigen haben eine Kehrtwende vollzogen und bekämpfen die Virusausbreitung mit allen nötigen Mitteln - hoffentlich nicht zu spät. Die Zentralbanken hingegen sind dazu da, die Märkte mit ausreichend Liquidität und unterstützenden Maßnahmen zu versorgen, um die sich bereits abzeichnenden Probleme zu beheben oder zumindest abzuschwächen.

Lagardes Aussage von heute Nacht - "Im Bezug auf unser Bekenntnis zum Euro gibt es keine Grenzen. Wir sind entschlossen, innerhalb unseres Mandats das volle Potential unseres Instrumentariums zu nutzen." - war nötig und wichtig. Liebe Leute, das ist tatsächlich ein "Whatever it takes, 2.0". Sehr gut! Der Platz hier reicht nicht, um aufzuzählen, welche Aktivitäten andere Zentralbanken in einer andauernden, akkordierten Rettungsaktion bereits setzten oder dabei sind zu unternehmen. Das alles stimmt mich - soweit das zurzeit überhaupt möglich ist - zumindest verhalten positiv, ein totaler Crash dürfte uns voraussichtlich erspart bleiben. Geben wir den Märkten ein, zwei Tage Bedenkzeit, schauen wir, ob die zur Verfügung stehende Liquidität auch in den richtigen Kanälen fließt und dort Leben und Stimulus spendet, wo es angebracht ist. Und sollte es nicht klappen, so bin ich jetzt sicher, dass wir das Ende der Maßnahmen noch nicht gesehen haben. Wenn sich endlich auch die europäischen Nationalstaaten darauf besinnen würden, dass nur gemeinsames Handeln erfolgversprechend ist, würde das nicht nur die Chancen auf ein Überwinden der Krise, sondern auch den Euro stärken, davon bin ich überzeugt. Solange aber slowakische Pflegespezialisten und Erntearbeiter daran gehindert werden, ihrer Arbeit (in Österreich) nachzugehen und somit zwei Wirtschaften schädigen, solange das Hilfs-Flugzeug für in Italien dringendst benötigte Krankenhausausstattung aus Peking kommt und nicht aus Berlin, Warschau oder Helsinki, solange sehe ich da eher schwarz. Lange "Schreibe", kurzer Sinn: Ich denke, die Märkte packen das. Nicht heute (EUR/NOK!!), nicht morgen (Rohöl immer noch depressiv...), aber demnächst!

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(19.03.2020)

Disclaimer:
Dieses Dokument dient ausschließlich Informationszwecken und berücksichtigt nicht die besonderen Umstände des Empfängers bzw. Lesers. Es stellt keine Anlageberatung dar. Die Inhalte dieses Dokuments sind nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von in diesem Dokument genannten Wertpapieren beabsichtigt und dienen nicht als Grundlage oder Teil eines Vertrages oder einer Verpflichtung irgendeiner Art. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen stammen aus Quellen, die von dem Verfasser als zuverlässig und korrekt erachtet werden. Der Verfasser sowie die Liechtensteinischen Landesbank (Österreich) AG übernehmen keine Garantie oder Gewährleistung im Hinblick auf Richtigkeit, Genauigkeit, Vollständigkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck. Insbesondere behalten sich der Verfasser sowie die Liechtensteinische Landesbank (Österreich) AG Satz- und Druckfehler sowie Irrtümer vor. Alle Meinungen oder Einschätzungen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. Die hierin zum Ausdruck gebrachten Meinungen spiegeln jene des Verfassers und nicht zwangsläufig auch die Meinungen der Liechtensteinische Landesbank (Österreich) AG wieder. Die Liechtensteinische Landesbank (Österreich) AG ist nicht dazu verpflichtet dieses Dokument zu aktualisieren, abzuändern oder zu ergänzen oder deren Empfänger bzw. Leser auf andere Weise zu informieren, wenn sich ein in diesem Dokument genannter Umstand oder eine darin enthaltene Stellungnahme oder Schätzung ändert oder unzutreffend wird. Die in der Vergangenheit gezeigte Kursentwicklung von Finanzinstrumenten erlaubt keine verlässliche Aussage über deren zukünftigen Verlauf. Eine Gewähr für den positiven Anlageertrag einer in diesem Dokument beschriebenen Einschätzung kann daher weder von dem Verfasser noch von der Liechtensteinischen Landesbank (Österreich) AG übernommen werden.

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