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Altersvorsorgedepot ersetzt ab 2027 die klassische Riester-Rente ( Finanztrends)

23.03.2026, 5375 Zeichen

Deutschlands private Altersvorsorge steht vor der größten Reform seit 20 Jahren. Ab Januar 2027 löst das neue Altersvorsorgedepot die traditionelle Riester-Rente für Neukunden ab. Der Bundestag hat den Weg frei gemacht, das Finanzausschuss feilt aktuell an den letzten Details. Das Ziel: mehr Rendite durch Aktien und weniger Bürokratie für die Sparer.

Das Ende der Garantie – und der Start für mehr Rendite

Der Kern der Reform ist eine radikale Abkehr vom alten Prinzip. Bisher mussten Riester-Produkte eine 100-prozentige Kapitalgarantie bieten. Diese Vorschrift galt als Hauptgrund für die oft kläglichen Renditen, da die Anbieter kaum in Aktien investieren konnten. Künftig gibt es drei Risikoklassen zur Wahl: Produkte ohne Garantie, mit 80-prozentiger oder mit voller Garantie.

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Erstmals können staatlich geförderte Gelder damit zu 100 Prozent in Aktien-ETFs fließen. „Die Abschaffung der Garantiepflicht ist der entscheidende Hebel für bessere Erträge“, bestätigen Finanzanalysten. Für Verbraucher soll ein Standardprodukt mit gedeckelten Kosten von maximal 1,5 Prozent pro Jahr für Transparenz sorgen.

So funktionieren die neuen staatlichen Zulagen

Das komplizierte Fördersystem wird deutlich vereinfacht. Künftig gibt der Staat einen Grundzuschuss von 30 Cent pro selbst eingezahltem Euro, bis zu einem Eigenbeitrag von 1.200 Euro jährlich. Für Beiträge zwischen 1.201 und 1.800 Euro sinkt der Zuschuss auf 20 Cent. Maximal sind so 480 Euro Grundförderung pro Jahr möglich. Ab 2029 soll der Satz sogar auf 35 Cent steigen.

Familien profitieren besonders: Pro Kind gibt es einen Bonus von 25 Cent pro gespartem Euro, maximal 300 Euro jährlich. Für junge Erwachsene unter 25 bleibt der einmalige Startbonus von 200 Euro erhalten.

Mehr Flexibilität bei der Auszahlung

Ein weiterer großer Wandel betrifft die Rentenphase. Bisher war die lebenslange Leibrente praktisch Pflicht. Künftig können Rentner stattdessen einen Auszahlplan wählen, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr reicht. Das ermöglicht höhere monatliche Beträge in den frühen Rentenjahren. Die Option auf eine lebenslange Rente bleibt bestehen.

Zudem kann weiterhin ein Teil des Kapitals (bis zu 30 Prozent) als Einmalzahlung ausgezahlt werden. Die Besteuerung folgt dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung: Einzahlungen sind steuerfrei, die Auszahlungen werden später mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.

Bestandsschutz für alte Riester-Verträge

Was passiert mit den rund 15,9 Millionen bestehenden Riester-Verträgen? Sie genießen vollen Bestandsschutz. Wer vor dem 31. Dezember 2026 einen Vertrag abschließt, kann ihn unter den alten Regeln und mit der vollen Kapitalgarantie weiterführen.

Ein Wechsel in das neue Depot wird erleichtert, ist aber nicht automatisch sinnvoll. „Die Entscheidung hängt stark von der Restlaufzeit bis zur Rente ab“, so Beobachter. Jüngere Sparer könnten von der ETF-Rendite profitieren, Ältere vielleicht die Garantie des Altvertrags vorziehen. Von möglichen Wechselgebühren und dem Verlust alter Garantiezinsen wird ausdrücklich gewarnt.

Branche im Umbruch – Verbraucherschützer skeptisch

Die Finanzbranche bereitet sich bereits auf den Start 2027 vor. Vermögensverwalter und Neobroker dürften vom neuen Depot-Modell profitieren, während Versicherer sich auf die Garantie-Produkte konzentrieren.

Verbraucherschützer begrüßen den Schritt zu den Kapitalmärkten, kritisieren aber die Kostenobergrenze von 1,5 Prozent. Diese sei im Vergleich zu reinen ETF-Portfolios immer noch hoch. Zudem warnen sie vor provisionsgetriebenen Beratungen, die Kunden in teurere Produkte lenken könnten.

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Die Deutsche Rentenversicherung unterstützt die Entbürokratisierung, mahnt aber zur Vorsicht. Der Verzicht auf die verpflichtende Leibrente könne das Armutsrisiko im Alter erhöhen, wenn die Auszahlpläne vor dem Lebensende aufgebraucht sind.

Countdown bis zur Einführung 2027

Der Zeitplan steht: Nach der Bereinigung im Finanzausschuss folgen zweite und dritte Lesung im Bundestag bis Mai 2026. Der Bundesrat soll noch vor der Sommerpause zustimmen. Danach bleiben der Industrie etwa sechs Monate, um IT-Systeme und Produkte für den Start am 1. Januar 2027 fertigzustellen.

Parallel arbeitet die Regierung an der Frühstart-Rente, einem staatlich geförderten Depot für Kinder. Dieses Programm soll bereits 2026 starten und eine kapitalmarktorientierte Vorsorge von klein auf fördern.

Für Verbraucher beginnen nun neun Monate der finanziellen Orientierung. Steuerberater raten, die eigene Altersvorsorge zu prüfen: Sollte man 2026 noch einmal den alten Riester-Vertrag voll ausschöpfen – oder lieber direkt 2027 mit dem modernen Depot durchstarten? Die Ära der klassischen Riester-Rente geht in jedem Fall zu Ende.


(23.03.2026)

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