27.03.2026, 3205 Zeichen
PayPal steht gleich von zwei Seiten unter Druck. Die US-Handelsbehörde FTC hat dem Unternehmen am 26. März 2026 eine formelle Warnung wegen sogenannter „Debanking"-Praktiken zugestellt — also dem möglichen Ausschluss von Kunden aufgrund politischer oder religiöser Überzeugungen. Gleichzeitig kämpft das Unternehmen mit erheblichem Gegenwind an den Märkten.
Regulatorische Warnung mit Konsequenzen
FTC-Commissioner Andrew N. Ferguson machte in dem Schreiben deutlich, dass solche Praktiken gegen den FTC Act verstoßen könnten — gestützt auf eine Executive Order aus dem Jahr 2025. Bei Nichtbeachtung drohen formelle Ermittlungen und Durchsetzungsmaßnahmen. Für ein Unternehmen, das sich mitten in einem Neuaufstellungsprozess befindet, kommt die Warnung zur Unzeit.
Denn PayPal befindet sich seit Monaten in einer Phase des Umbruchs. Im Februar 2026 brach die Aktie an einem einzigen Handelstag um mehr als 20 % ein, nachdem das Unternehmen seine Wachstumsziele für 2027 zurückgezogen und den Abgang von CEO Alex Chriss bekanntgegeben hatte. Seitdem hat die Aktie rund 33 % ihres Wertes verloren. Ende März wurde sie zudem aus dem S&P 100 entfernt — ein Zeichen dafür, wie stark die Marktkapitalisierung geschrumpft ist, die aktuell bei rund 40,7 Milliarden US-Dollar liegt.
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Neue Stimme im Aufsichtsrat
Einen Tag vor der FTC-Warnung, am 25. März, reagierte PayPal mit einer personellen Verstärkung: Alyssa Henry, frühere CEO von Blocks Square-Sparte und erfahrene Managerin bei Amazon Web Services und Microsoft, wurde mit sofortiger Wirkung in den Verwaltungsrat berufen. Sie übernimmt Sitze in den Ausschüssen für Vergütung sowie Risiko und Compliance — letzteres angesichts der regulatorischen Lage eine naheliegende Wahl.
Im Mai 2026 scheidet das langjährige Boardmitglied Gail J. McGovern aus. Danach soll der Aufsichtsrat auf elf Mitglieder verkleinert werden, Ann Sarnoff übernimmt den Vorsitz des Corporate Governance and Nominating Committee.
Analysten bleiben zurückhaltend
Die Stimmung unter Finanzanalysten spiegelt die Unsicherheit wider. Von 34 Analysten empfehlen derzeit 25 ein „Hold", fünf ein „Buy" und vier ein „Sell". Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 50,71 US-Dollar — rund 12 % über dem aktuellen Niveau. Bank of America hält an einem „Neutral"-Rating mit Ziel von 48 US-Dollar fest, Bernstein sieht den fairen Wert bei 45 US-Dollar, während Truist mit einem „Sell"-Rating und einem Kursziel von 39 US-Dollar das pessimistischste Bild zeichnet.
Zusätzlich läuft eine Sammelklage von Wertpapierinhabern im Zusammenhang mit früheren Wachstumsprognosen — die Frist zur Benennung eines Hauptklägers endet am 20. April 2026. Bis dahin bleibt die rechtliche Unsicherheit ein weiterer Belastungsfaktor für die Aktie.
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