21.03.2026, 3974 Zeichen
Die deutsche Wirtschaft steuert auf einen Rekord bei Unternehmenspleiten zu – mit direkten Folgen für den Arbeitsmarkt. Betriebsräte kämpfen um sozialverträgliche Lösungen.
Alarmierende Zahlen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) belegen den Trend: Im Februar 2026 stieg die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften um 5 Prozent zum Vormonat. Verglichen mit der Zeit vor der Pandemie liegt das Niveau um 58 Prozent höher. Das Statistische Bundesamt hatte bereits für 2025 einen Anstieg der Insolvenzanträge um 10,3 Prozent gemeldet.
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Die wahre Dramatik offenbart sich in den betroffenen Arbeitsplätzen. Allein in den zehn Prozent der größten insolventen Unternehmen waren im Februar über 23.000 Jobs gefährdet. „Das ist mehr als eine Konjunkturdelle“, warnt ein Ökonom. „Viele Unternehmen stehen vor einer existenziellen Bedrohung.“
Hinter den Zahlen verbirgt sich eine toxische Mischung aus anhaltenden Problemen. Die strukturellen Umbrüche in der Automobil- und Maschinenbaubranche, hohe Energiekosten und verunsicherte Verbraucher setzen vor allem den Mittelstand unter Druck. Auffällig viele Insolvenzen gab es zuletzt im Gesundheitswesen, bei Krankenhäusern und Kliniken.
Experten prognostizieren, dass die Pleitewelle im Frühjahr weiter anziehen wird. Das belastet den Arbeitsmarkt, auf dem im vergangenen Jahr bereits Zehntausende Industriearbeitsplätze verloren gingen. Die Sozialsysteme geraten unter Druck.
In dieser Krise gewinnt ein bewährtes Instrument neue Bedeutung: die Transfergesellschaft. Sie soll den direkten Übergang „von Arbeit in Arbeit“ ermöglichen. Statt einer sofortigen Kündigung wechseln betroffene Mitarbeiter für bis zu zwölf Monate in eine befristete Anstellung bei dieser Gesellschaft.
Dort erhalten sie Transferkurzarbeitergeld und intensive Unterstützung bei der Jobsuche – von Qualifizierung bis Coaching. Für das insolvente Unternehmen hat das Vorteile: Es vermeidet kostspielige Kündigungsschutzklagen und wahrt die Motivation der verbleibenden Belegschaft. Für die Beschäftigten ist es die deutlich bessere Alternative zu einer Abfindung, deren Höhe im Insolvenzfall gesetzlich stark begrenzt ist.
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Wenn die Insolvenz droht, rückt der Betriebsrat in eine Schlüsselposition. Seine Rechte bleiben auch nach Verfahrenseröffnung bestehen. Sein neuer Verhandlungspartner ist dann der Insolvenzverwalter.
Die zentrale Aufgabe: die Verhandlung eines Interessenausgleichs und eines Sozialplans. In der prekären Finanzlage einer Pleitefirma ist eine vereinbarte Transfergesellschaft oft der einzige Weg, die Situation für die Belegschaft zu verbessern. Auch in der Krise müssen 2026 turnusmäßige Betriebsratswahlen stattfinden – ein wichtiges Signal für die Kontinuität der Mitbestimmung.
Branchenverbände wie der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) sehen die aktuellen Zahlen als Weckruf. Die Reformdebatte um ein moderneres Insolvenzrecht, das Sanierungen erleichtert, wird durch die akute Krise überlagert, bleibt aber dringend.
Die strukturellen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft werden bleiben. Umso wichtiger wird die präventive Restrukturierung und die kluge Nutzung sozialverträglicher Instrumente. Die Sozialpartnerschaft steht auf dem Prüfstand – und erweist sich in der Krise oft als entscheidender Faktor für faire Lösungen.
Börsepeople im Podcast S24/12: Norbert Hofer
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