17.03.2026, 4765 Zeichen
Die Bauwirtschaft setzt auf industrielle Vorfertigung, um die Krise zu überwinden. Neue Daten zeigen zwar eine leichte Erholung der Stimmung, doch die Auftragslage bleibt angespannt. Hohe Kosten und teure Kredite blockieren weiterhin viele Projekte.
Auf der internationalen Immobilienmesse MIPIM in Cannes und bei Fachkonferenzen in Berlin wurde die Lösung intensiv diskutiert: das serielle und modulare Bauen. Branchenvertreter und Politik sehen darin den Schlüssel, um schneller und kostengünstiger neuen Wohnraum zu schaffen.
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Das ifo Institut meldet ein leicht verbessertes Geschäftsklima im Wohnungsbau. Der Index stieg im Februar auf minus 17,6 Punkte. Im Januar lag er noch bei minus 20,8.
Doch von Entwarnung kann keine Rede sein. Fast die Hälfte aller Betriebe klagt weiterhin über zu wenige Aufträge. Die Zahl der stornierten Projekte ist sogar leicht gestiegen. Diese Unsicherheit zwingt die Branche zum Umdenken.
Hergebrachte Bauweisen stoßen an wirtschaftliche Grenzen. Die Kalkulation wird immer schwieriger. Daher rückt ein anderer Ansatz massiv in den Fokus: die industrielle Fertigung von Gebäudeteilen in der Fabrik.
Die Suche nach Lösungen ist ein weltweites Phänomen. Das zeigte sich kürzlich auf der Immobilienmesse MIPIM in Cannes. Unter dem Motto „Housing Matters!“ diskutierten Experten aus aller Welt.
Modulares Bauen kristallisierte sich als einer der wichtigsten Trends heraus. Erfolgreiche Projekte in schwierigen Zeiten haben eines gemeinsam: einen hohen Grad an Digitalisierung und Automatisierung.
Die Vorfertigung bietet Investoren die dringend benötigte Planungssicherheit. Sie kommt längst nicht mehr nur im sozialen Wohnungsbau zum Einsatz. Auch bei frei finanzierten Mietwohnungen und Eigentumswohnungen setzen Entwickler auf Module. Der Vorteil: architektonische Flexibilität bei garantierter Termintreue.
Auch hierzulande gewinnt das Thema an Fahrt. Auf einer VDI-Fachkonferenz in Berlin diskutierten Ingenieure und Architekten kürzlich technische Lösungen. Im Fokus standen vereinfachte Genehmigungsverfahren und der neue „Gebäudetyp-E“.
Ein wichtiger Treiber ist die Rahmenvereinbarung „Serielles und modulares Bauen 2.0“. Initiiert vom GdW, der Bauindustrie und dem Bauministerium, soll sie den Prozess beschleunigen.
Kommunale Wohnungsunternehmen können daraus vorgeprüfte Baukonzepte auswählen – zu einem garantierten Festpreis. Aufwändige Einzelausschreibungen entfallen. Das spart wertvolle Zeit bei der dringend benötigten Schaffung neuer Mietwohnungen.
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Der Kernvorteil ist simpel: Die Wertschöpfung verlagert sich von der Baustelle in die Halle. Ganze Badezimmer oder Wohnmodule entstehen witterungsunabhängig unter industriellen Bedingungen. Auf der Baustelle werden sie nur noch montiert.
Das verkürzt die Bauzeit vor Ort drastisch. Lärm und Schmutz für Anwohner reduzieren sich deutlich. Doch es gibt auch kritische Stimmen.
Die Bundesarchitektenkammer warnt: Mehr Vorfertigung allein schafft noch keinen Mehrwert. Serielles Bauen dürfe kein Selbstzweck sein. Es müsse mit baukultureller Qualität und nachhaltiger Stadtentwicklung einhergehen.
Befürworter widersprechen. Moderne Systeme böten heute enorme Gestaltungsspielräume bei Fassaden und Grundrissen. Seriell gefertigte Häuser seien von konventioneller Architektur oft kaum zu unterscheiden.
Die weitere politische Flankierung wird in den kommenden Wochen im Fokus stehen. Ein wichtiger Termin ist der Wohnungsbau-Tag am 26. März in Berlin. Dort wird auch Bundesbauministerin Verena Hubertz erwartet.
Experten rechnen mit Ankündigungen zur gezielten Förderung serieller Bauweisen. Entscheidend wird sein, regulatorische Hürden in den Landesbauordnungen weiter abzubauen.
Nur mit länderübergreifenden Typengenehmigungen können die industriellen Skaleneffekte voll wirken. Für die Branche ist klar: Das modulare Bauen hat die Nische verlassen. Es wird zum Standard für schnellen und wirtschaftlichen Wohnungsbau.
Börsepeople im Podcast S24/03: Ruth Jedliczka
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