15.03.2026, 4141 Zeichen
Psychotherapeuten starten bundesweit eine neue Weiterbildung in Sozialmedizin. Parallel bereitet die Bundespsychotherapeutenkammer den nächsten Durchgang ihres Curriculums zur Klimakrise vor. Beide Angebote reagieren auf wachsende gesellschaftliche Anforderungen an die psychologische Versorgung.
Die Weiterbildung "Sozialmedizin" startete am 12. März 2026. Sie richtet sich an Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Organisiert wird das Online-Programm von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e.V. (LVG & AFS) in Kooperation mit der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen. Teilnehmende aus allen Bundesländern sind zugelassen.
Im Fokus steht die sozialmedizinische Begutachtung. Die Fachkräfte lernen, gesundheitliche Störungen und deren Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit und soziale Teilhabe systematisch zu bewerten. Diese Expertise ist durch den demografischen Wandel stark gefragt. Absolventen können anschließend Sozialleistungsträger fundiert beraten.
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Erst das sogenannte MDK-Reformgesetz ermöglichte diesen Schritt. Es öffnete die sozialmedizinische Begutachtung explizit für weitere Heilberufe neben Ärzten. Psychotherapeuten können nun die offizielle Zusatzbezeichnung "Sozialmedizin" erwerben.
Die Weiterbildung beginnt mit einer Online-Phase für die Theorie. Ein praktischer Teil folgt in Eigenorganisation. Nach bestandener Prüfung dürfen Absolventen gutachterliche Verantwortung in den Sozialsystemen übernehmen. Wer möchte, kann auch nur einzelne Module als Fortbildung belegen. Branchenbeobachter sehen darinen einen wichtigen Meilenstein für die Aufwertung des Berufsstands.
Gleichzeitig rüstet sich die Branche für eine andere Mega-Herausforderung: die psychischen Folgen der Klimakrise. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) führt ihr Curriculum "Klimakrise und psychische Gesundheit" fort. Nach dem ersten Durchgang im Januar startet der zweite Mitte April 2026. Auch dieses Programm organisiert die LVG & AFS.
Extreme Wetterereignisse, Zukunftsängste und Biodiversitätsverlust belasten zunehmend die Psyche. Besonders betroffen sind Kinder, Jugendliche, Ältere und sozial Benachteiligte. Die dreitägige Fortbildung vermittelt diagnostisches Wissen sowie präventive und notfallpsychotherapeutische Maßnahmen. Selbst der Praxisalltag wird hinterfragt: Es geht auch um Konzepte für eine klimafreundliche Therapiepraxis.
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Die parallelen Angebote zeigen einen tiefgreifenden Wandel. Das klassische Behandlungssetting wird durch gutachterliche, präventive und gesellschaftspolitische Aufgaben ergänzt. Therapeuten agieren immer häufiger an der Schnittstelle zwischen Medizin, Sozialrecht und Krisenintervention.
Die Nachfrage nach solchen Spezialisierungen steigt weiter. Ein dritter Durchgang des Klima-Curriculums ist bereits für Mitte September 2026 geplant. Unabhängige Institute verzeichnen zudem hohe Anmeldezahlen für Psychotraumatherapie. Experten erwarten, dass diese neuen Kompetenzen langfristig zu einer resilienteren Gesundheitsversorgung führen. Patienten profitieren dann von ganzheitlicherer Betreuung – auch bei der Bewältigung moderner Umweltkrisen.
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