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Die Wahrheit hinter Cordoba (Christian Drastil)


Autor:
Christian Drastil

Der Namensgeber des Blogs. Ich funktioniere nach dem Motto "Trial, Error & Learning". Mehrjährige Business Pläne passen einfach nicht zu mir. Zu schnell (ver)ändert sich die Welt, in der wir leben. Damit bin ich wohl nicht konzernkompatibel sondern lieber ein alter Jungunternehmer. Ein lupenreiner Digital Immigrant ohne auch nur einen Funken Programmier-Know-How, aber - wie manche sagen - vielleicht mit einem ausgeprägten Gespür für Geschäftsmodelle, die funktionieren. Der Versuch, Finanzmedien mit Sport, Musik und schrägen Ideen positiv aufzuladen, um Financial Literacy für ein grosses Publikum spannend zu machen, steht im Mittelpunkt. Diese Dinge sind mein Berufsleben und ich arbeite gerne. Der Blog soll u.a. zeigen, wie alles zusammenhängt und welches Bigger Picture angestrebt wird.
Christian Drastil

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21.06.2008, 4511 Zeichen
Hat Spass gemacht, einmal für ein Satiremagazin schreiben zu dürfen, mein u.a. Beitrag erschien in der Rappelkopf-Sondernummer EURO 08. Die Rappelkopf-Sondernummer kann online bestellt oder im Zeitschriftenhandel erworben werden.
http://www.rappelkopf.at/index.php?...

"Die Wahrheit hinter Cordoba

Edi Finger und Rolf Kramer hatten sich vor Anpfiff im windigen Cordoba nur kurz die Hände geschüttelt. Beide wussten, dass ihnen Seltsames abverlangt würde an diesem 21. Juni 1978. Schliesslich ging es für die Live-Reporter von ORF und ARD darum, einen kurzfristig vereinbarten Sieg der Österreicher gegen Deutschland möglichst überrascht zu kommentieren. Finger hatte den nuancenreicheren Job, denn er musste narrisch werden, was ihm ausserordentlich authentisch gelungen ist. Sogar sein Bub hats geglaubt. Kramer wiederum hatte die Aufgabe, die bevorstehende Heimreise während des Spiels in den Mittelpunkt zu stellen. Die Einnahme von wortschatzerweiternden Drogen war ihm untersagt, die ARD-Übertragung skizzierte das emotionslose Freundschaftsspiel, das es war. Letztendlich waren beide Teil des „Schutzschild Deutsch-Österreichische-Freundschaft“ (vulgo DÖF), der vielleicht frechsten potemkinschen Aktion der Sportgeschichte.

Das „Schutzschild DÖF“ (später von Tauchen/Prokopetz vertont) wurde eigentlich als Abwehrprojekt zum Propagandaprojekt „Sparwasser 78“ der ostdeutschen Antifaschisten installiert. Diese hatten nämlich für den Tag nach Cordoba, also dem 22. Juni 1978, eine Warschauer Pakt-weite Jubelprovokation angekündigt. Vier Jahre zuvor, am 22. Juni 1974, war dem neoliberalen Westbruder die letzte Niederlage bei einer WM zugefügt worden. Noch dazu zu Hause in Hamburg, so etwas gehört vier Jahre später gefeiert. Man hat ja sonst nichts. Die DDR-Enghosenkicker hatten 1974 systemgerecht permanent über die linke Flanke angegriffen, Genosse Sparwasser machte dann in der 78. Minute mit einem Sturmlauf (man dachte kurzfristig, er will gleich überlaufen, rein des Tempos wegen) das 1:0. Zunächst hatten die Wessis geschmunzelt, da es damals eine geplante Niederlage war, um dem drohenden vorzeitigen Duell mit den verhassten Niederlanden zu entgehen. Doch die Ossis freuten sich seitdessen dermassen penetrant und konsequent den Haxen aus, dass es einfach zu viel wurde. Und dann noch dieses Projekt „Sparwasser 78“, man wollte die 78. Minute auch noch im Jahr 78 zelebrieren. Abertausende Transparente mit „Die letzten, die Euch bei einer WM schlugen“ waren in den Parteizentralen bereits fertiggestellt.

Das „Schutzschild DÖF“ hatte dies mit Hilfe der Proponenten Hans Krankl ("De homma den Goleador auf Lebzeitn vasprochn") und Hans Hubert Vogts ("hoffentlich macht nie einer einen Böörti-Song über mich"), der als Kapitän sogar ein Eigentor beisteuern musste, verhindert. Lieber von Ösis verhöhnt werden als von den Ostbrüdern. Später Eingeweihten wie Rainer B., Mittelfeldstar der Deutschen, war es egal: „Ich wollte eh schon heim an den Baggersee“. Denn auch im Siegesfalle gegen Österreich wäre ja nur der Gruppenplatz 2 hinter den verhassten Holländern geblieben. Die Deutschen hatten nicht vergessen, dass im WM-Finale 1974 der Oranje Johan Cruyff vom Ankick weg ein Solo startete, das – bevor noch ein deutscher Spieler den Ball berühren konnte – zu einem Elfer führte. Nie getilgte Schmach. Trotz Weltmeistertitel. Hinter dieser Mannschaft durfte man nicht Gruppenzweiter werden. Verhasst. "Besser die Schluchtenscheisser als die Keeskopp", entschied die Deutsche Führung.

Frank Rijkaard, damals U16-Star der Niederlande mit Wurzeln in Surinam und Algerien, sagte in Reaktion auf das Schutzschild DÖF (das die Österreicher an ihren die Holländer trainiernden Landsmann Happel verraten hatten): "Als me met een Pokalkick een Duitser aanpassing vindt, I het aan gelijkaardig Lama spuug" (übersetzt: "Wenn mir einmal bei einer WM ein völlernder Piefke unterkommt, schlatz ich ihn voll wie ein Lama".

Verärgert über diese freche Aussage des Jungspunds beschlossen Österreicher und Deutsche noch in Cordoba, schon bei der nächsten WM in Spanien die algerische Mannschaft mit DÖF2 auszuschalten. DÖF2 ist als „Nichtangriffspakt von Gijón“ ebenfalls in die Geschichte eingegangen. "Da kennens dann no so vü mit de Geldschein wacheln, de Dünencowboys, mir worns ned".

Frank R. machte Jahre später seine Drohung an Rudi Völler wahr. Hans Krankl ist immer noch der Goleador ("Nachn Linz is nua a Laundeshauptstodt benaunt"). Nur in der DDR ist nach Jahren des Mauerns die Mauer irgendwann gefallen."
(21.06.2008)

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