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Die Weltbank und das Öl (Daniel Koinegg)

Bild: © www.shutterstock.com, Erdöl, Crude Oil, Quelle, Schwarzes Gold http://www.shutterstock.com/de/pic-214549735/stock-photo-c...

11.08.2015, 4435 Zeichen

Die Weltbank lässt derzeit mit einem sehr „bearishen“ Szenario für den Ölpreis in absehbarer Zeit aufhorchen: durch die Rückkehr des Iran auf den Ölweltmarkt soll der Ölpreis im kommenden Jahr deutlich fallen. Man wird sogar relativ konkret und prognostiziert einen weiteren Rückgang von rund 10 US-Dollar pro Fass, wenn rund 1 Million Barrel zusätzlich in den Verkauf gelangen. Ein Anstieg des Angebotes um etwas mehr als 1 Prozent soll also zu einem Preisverfall von über 20 Prozent führen. Ich weiß nicht, wie man solche genauen Prognosen anstellen kann. Dazu fehlt mir der makroökonomische Background. Das Einzige, was ich als armer außenstehender Privatinvestor tun kann, ist, mir die Frage zu stellen, wie verlässlich Weltbankprognosen zum Ölpreis in der Vergangenheit waren. Damit könnte man sich überlegen, wie viel Gewicht man einem solch drastischen Statement beimisst, wenn man selbst relativ stark im Ölsegment investiert ist.

Zu diesem Zweck habe ich heute Nachmittag das virtuelle Archiv der Weltbank heimgesucht und habe folgendes gemacht: Für den Zeitraum 2006 bis 2013 habe ich in einem ersten Schritt die zum Jahresbeginn veröffentlichten Prognosen herausgesucht und mir den kurzfristigsten Forecast für das jeweilige Jahr herausgegriffen. Im Jänner 2006 habe ich also geschaut, welchen durchschnittlichen Ölpreis man für das aktuelle Gesamtjahr 2006 prognostiziert, im Jänner 2007 dasselbe Spiel für das Gesamtjahr 2007 und so weiter. Die Schätzungen, die im Jänner veröffentlicht wurden, basierten außerdem meist auf einer Einschätzung von Ende Oktober des Vorjahres. Der prognostizierte Wert ist übrigens ein Durchschnitt aus den unterschiedlichen Ölsorten. Das sind Forecasts auf Einjahressicht und aus meiner Sicht wahrscheinlich der noch am verlässlichsten durchführbare Teil. Wie ungenau längerfristigere Einschätzungen sein können, zeigt schon die folgende Einsicht: noch zu Beginn des Jahres 2005 hatte die Weltbank den Ölpreis im Jahr 2010 bei im Schnitt 26 USD pro Fass gesehen. Geworden sind es dann doch ein paar Kröten mehr, nämlich eine Bandbreite von 70 bis 90 USD pro Fass im WTI Öl.

In einem nächsten habe ich mir die tatsächlichen Tagesschlusskurse für WTI-Öl im jeweiligen Jahr aus finanzen.net herausgeholt und dort einen Durchschnitt berechnet. Dasselbe habe ich für Brent-Öl gemacht. Aus diesen beiden Ölsorten habe ich ebenfalls einen Durchschnitt berechnet und mit der Ölprognose der Weltbank gegenüber gestellt. Das Ergebnis sieht wie folgt aus:

Jahr 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
Forecast (avg price crude) 56,00 56,00 84,00 74,00 76,00 85,00 98,00 102,00
Tatsächlicher Wert (WTI) 66,42 72,26 100,29 62,04 79,62 95,10 94,18 98,04
Tatsächlicher Wert (Brent) 66,25 72,66 98,53 62,67 80,34 110,81 111,68 108,62
Tatsächlich (Mittelwert) 66,33 72,46 99,41 62,36 79,98 102,96 102,93 103,33
Differenz absolut 10,33 16,46 15,41 -11,64 3,98 17,96 4,93 1,33
Differenz (%) 18% 29% 18% -16% 5% 21% 5% 1%

Die Bilanz ist gemischt. Manchmal lag die Prognose nur wenige Prozent von dem weg, was man vorhergesagt hat, manchmal lag man aber auch völlig daneben. Tendenziell lag man aber meistens zu tief. Das Jahr 2008 ist aus meiner Sicht angesichts der extrem schwankenden Rohstoffpreise im Zuge der Finanzkrise von beschränkter Aussagekraft.

Und was den jüngsten Preisverfall seit Herbst 2014 anbelangt, so sei angemerkt, dass die Weltbank in ihrem Statement von Mitte Oktober 2014 den durchschnittlichen Ölpreis für 2015 noch bei 95,7 USD je Barrel hatte. Die Verlässlichkeit einer solchen Institution bei der Abgabe selbst so kurzfristiger Schätzungen ist enden wollend, wenn auf einem Markt außergewöhnliche Verhältnisse vorherrschen. Und die haben wir derzeit am Ölmarkt definitiv.

Bitte verzeiht mir übrigens etwaige statistische bzw. recherchemäßige Ungenauigkeiten. Das bigger picture dieses Statements sollte sich deshalb aber nicht grob ändern.

Verwendete Quellen:

http://www.finanzen.net/nachricht/rohstoffe/Wegen-Atomabkommen-mit-Iran-Weltbank-Oelpreis-wird-deutlich-sinken-4470836 (Nachricht Weltbank forecast)

http://econ.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/EXTDEC/EXTDECPROSPECTS/0,,contentMDK:23494711~pagePK:64165401~piPK:64165026~theSitePK:476883,00.html (Archiv der Weltbank)

http://econ.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/EXTDEC/EXTDECPROSPECTS/0,,contentMDK:21574907~menuPK:476908~pagePK:64165401~piPK:64165026~theSitePK:476883,00.html (Downloadcenter für aktuellere Prognosen, zB. Vom Oktober 2014)

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1. Erdöl, Crude Oil, Quelle, Schwarzes Gold http://www.shutterstock.com/de/pic-214549735/stock-photo-crude-oil-from-oil-well.html , (© www.shutterstock.com)   >> Öffnen auf photaq.com

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    In einem nächsten habe ich mir die tatsächlichen Tagesschlusskurse für WTI-Öl im jeweiligen Jahr aus finanzen.net herausgeholt und dort einen Durchschnitt berechnet. Dasselbe habe ich für Brent-Öl gemacht. Aus diesen beiden Ölsorten habe ich ebenfalls einen Durchschnitt berechnet und mit der Ölprognose der Weltbank gegenüber gestellt. Das Ergebnis sieht wie folgt aus:

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    Die Bilanz ist gemischt. Manchmal lag die Prognose nur wenige Prozent von dem weg, was man vorhergesagt hat, manchmal lag man aber auch völlig daneben. Tendenziell lag man aber meistens zu tief. Das Jahr 2008 ist aus meiner Sicht angesichts der extrem schwankenden Rohstoffpreise im Zuge der Finanzkrise von beschränkter Aussagekraft.

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    http://econ.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/EXTDEC/EXTDECPROSPECTS/0,,contentMDK:23494711~pagePK:64165401~piPK:64165026~theSitePK:476883,00.html (Archiv der Weltbank)

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