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Aktuelles rund um die THI (Daniel Koinegg)

Bild: © Aussender, Teak-Plantage 10 Jahre (Bild: Teak Holz International)

10.09.2015, 5805 Zeichen

Am österreichischen Kapitalmarkt gibt es etwas Licht, etwas Schatten und viele Grauzonen. Wo genau die Teak Holz International AG (AT0TEAKHOLZ8) hingehört, diese Beurteilung steht mir nicht zu. Vorweggeschickt sei aber, dass ich die Gesellschaft für mich persönlich nicht zum Kreis potenzieller Investments zähle. Im Bargain Magazine habe ich die THI vor etwas mehr als einem halben Jahr schon mal in einem Artikel behandelt, nämlich kurz nachdem man draufgekommen war, dass auf den unternehmenseigenen Plantagen der eine oder andere Baum fehlt. Da zum Österreich-Fokus, den ich momentan habe, auch solche Geschichten gehören, möchte ich kurz ein paar Dinge ansprechen, die seit meinem letzten Artikel passiert sind.

Zunächst wurde einige Tage nach meinem Artikel bekannt, dass die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wegen der Delikte Betrug und Erstellung fehlerhafter Bilanzen sowohl gegen frühere Vorstände als auch gegen die Gesellschaft selbst nicht weiter verfolgen wird, da den Bewertungen eben Gutachten, die umfangreich und nachvollziehbar und somit nicht offensichtlich mangelhaft waren, zu Grunde lagen. Man könne also keinen Vorsatz nachweisen. Gut, das klingt auch für mich plausibel. Im Strafrecht gelten andere Maßstäbe, als im Zivilrecht und letztere Verantwortlichkeit ist noch nicht geklärt.

Einen Tag nach der Meldung der Staatsanwaltschaft hat dann die Gesellschaft wenig überraschend bekannt gegeben, dass Sanierungsschritte folgen müssen, weil das Eigenkapital das halbe Grundkapital unterschritten hat. Dieses lag per 31.03.2014 (ja das ist wirklich die aktuellste Bilanz) bei ca. 31,2 MEUR. Sprich das gesamte Eigenkapital, welches zum selben Stichtag bei über 77 MEUR gelegen ist, muss am Tag der Veröffentlichung der Sanierungseinleitung auf unter 16 MEUR abgesunken sein. Nach Adam Riese muss ein Verlust von über 60 MEUR aufgetreten sein. Da der Baumbestand sich „nur“ fast halbiert hat und der Bestand der „biologischen Vermögenswerte“ in der letzten Bilanz 100 MEUR ausgemacht hat, kann die Abwertung der Bäume nur ca. 50 MEUR Verlust bringen. Hier frage ich mich natürlich, was die Differenz auffüllen soll. Eine gänzliche Abschreibung der aktiven latenten Steuern in Höhe von 8 MEUR würde einerseits auch nicht ausreichen, um die Lücke zu füllen und dürfte andererseits bei korrekter Verbuchung derselben auch nicht vorkommen. Dasselbe gilt für die Sachanlagen. Die Erhöhung der Umtriebszeit, also jener Zeit, die bis zur Schlägerung der Bäume vergehen muss, wurde ja schon verbucht. Daher muss also noch etwas anderes miteinfließen: entweder es sind noch weniger Bäume vorhanden, als die gezählten 660.000, oder der Teak-Preis ist in der Zwischenzeit gefallen, oder der Diskontierungszinssatz, der bei der Bewertung des Bestandes verwendet wird, ist nach oben angepasst worden. Letzteres könnte auch damit zusammenhängen, dass in die Ermittlung dieses Abzinsungssatzes normalerweise ein Beta-Faktor mit einfließt, der die relative Schwankung eines einzelnen Wertpapieres im Vergleich zu seiner Benchmark zum Ausdruck bringt. Wenn hier das Beta der Teak-Aktie verwendet wird, so könnte dieses in den letzten Monaten durchaus höher geworden sein. Auf gut Deutsch heißt das also, dass die Bäume der THI (zumindest in der Bilanz) umso weniger wert sind, je mehr die Aktie der Gesellschaft ausschlägt.

Mit 5.2.2015 hat die Gesellschaft übrigens ein Dokument auf der Homepage veröffentlicht (ich weiß nicht, ob es so etwas vorher auch schon gab), auf dem man die Standorte der Plantagen in Costa Rica auf einem Google Maps Bild ansehen kann. Der Informationswert dieser Veröffentlichung tendiert meines Erachtens aber gegen Null. Ja, man sieht Bäume, und man kann sich diese Bäume auch vergrößert ansehen, aber ob das Teak-Bäume sind, ob diese Teak-Bäume dem Unternehmen gehören und vor allem, wie viele Teak-Bäume das sind oder wie groß ihr Stammdurchmesser schon ist, kann man logischerweise nicht erkennen. Genau das wären aber die alles entscheidenden Informationen.

Dafür hält man sich mit der Veröffentlichung von brauchbarem Finanzmaterial in letzter Zeit nobel zurück. Das letzte Dokument behandelt den Bericht zum 3. Quartal des Geschäftsjahres 2013/14, ist also schon über ein Jahr alt. Auch was den Aufwand der Berichte betrifft, hat man sich gegen Ende hin durchaus in spartanischer Enthaltsamkeit geübt. Während in den „problemfreien“ Jahren die Publikationen eine Größe von 2 bis 7 MB hatten, kam man zuletzt mit einigen wenigen hundert KB aus. Böse Zungen könnten behaupten, dass man sich hier dem Baumbestand angepasst hat.

In der Zwischenzeit hat der ehemalige Abschlussprüfer PWC seinen Bestätigungsvermerk ebenfalls widerrufen und dies mit den fehlerhaften Gutachten, die eigentlich schon seit 2006 vorgelegt worden waren, begründet. Wie krass die Fehlbewertung sein dürfte, macht eine vorläufige Schätzung der Gesellschaft deutlich, die davon ausgeht, dass der Wert, der zum Zeitpunkt der Einbringung der Plantagen in die Gesellschaft statt bei 89 MEUR lediglich bei 13 MEUR hätte liegen sollen.

Ich habe in meinem letzten Artikel außerdem die Wandelanleihe angesprochen und gemeint, dass es diesbezüglich und angesichts des Vermögensstandes per Ende 2014 im Unternehmen relativ spannend werden wird. Inzwischen hat die Gesellschaft mitgeteilt, dass sie nicht in der Lage ist, die mittlerweile fällige Anleihe zu bedienen. Nun wurde schließlich bekannt, dass die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beabsichtigt sei und dass der vorläufige Verlust bei ungefähr 64 MEUR anstehen dürfte. Gestern wurde dieses Insolvenzverfahren tatsächlich beantragt.

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