13.06.2018, 5442 Zeichen
Vortrag über Porr-Auslandsmärkte. Bevor ich über die stellenweise amüsante Porr-HV berichte, möchte ich quasi als Vorwort noch über den interessanten Vortrag von Thomas Stiegler, Geschäftsführer der Porr Bau GmbH, am 8.5.18 im Wirtschaftsmuseum berichten, er gab einen lebhaften Einblick in das Geschäft vor allem in Katar. Auf mich wirkte er in Auftreten, Sprache, Kleidung und Ausdruck wie Sky du Mont. Es war angenehm, mit ihm zu reden, er hatte auf alle Fragen gute Antworten. Er habe für Porr in 10 Ländern gelebt und gearbeitet, er sei 2016/17 aus Katar zuückgekehrt. Insgesamt 25 Jahre sei er in der Bauindustrie. Wir erfuhren, dass wir nicht zu den Größten gehören wollen, sondern zu den Erfolgreichsten. Mit dem großen österreichischen Mitbewerber, offenbar der Strabag, würden wir uns gar nicht messen, wir wollen die besten sein. Bei der Fragerunde war aber zu erfahren, dass man sich in Österreich schwer aus dem Weg gehen könne, "man hilft sich, das ist ein Akt der Höflichkeit", im Ausland treffe man eigentlich nicht aufeinander, da die Märkte nicht deckungsgleich seien. Porr wolle auch nicht so weit weg von Europa gehen.
Wir hörten von Digitalisierung, iPads, Cloud, best place to work. Wir erfuhren vom Renommierprojekt Wörthersee Stadion in Klagenfurt. In Norwegen habe man viele Auszeichnungen bekommen, dort würden sie viel Geld investieren, bei Tunnel- und Brückenbauprojekten sei Porr involviert. Bei PPP (Public Private Partnership, also Planen, Bauen, Betreiben) komme Porr zum Zug, in Spanien sei das z.B. eine Mautstrecke, ein 850-Mio-Euro-Projekt, das Land stelle die Grundstücke zur Verfügung. Deutschland, Österreich, Tschechien, Slowakei, Polen und England sehe man als Heimatmarkt. Dazu kämen Schweden, Dänemark, und wir bauen in Dubai um 251 Mio. Euro, aber nicht z.B. in den USA oder Australien. Heute junge Bauingeniere zu finden, sei nicht ganz einfach. Es müssten nicht alle ein Studium haben, man finde kaum mehr Poliere. Zum Glück finde man polnische Fachkräfte, die Ukrainer gingen dafür nach Polen. In Katar haben wir in 8 Jahren 150 km U-Bahn gebaut. Anmerkung: Das ist viel, man vergleiche mit dem gesamten Wiener U-Bahn-Netz, das viel Geld verschlungen hat, für weitere Verlängerungen muss erst einmal das Geld da sein. Wir wollen Totalunternehmer sein, von Planung bis Ausführung, statt nur Generalunternehmer. Das BIM-Modell (siehe hier) wurde erklärt. In Polen haben wir ganze 3.000 Mitarbeiter, daher ist die polnische Sprache wichtig, da braucht man vertragssichere Manager. Auch Home-Office gibt es bereits, für Mitarbeiter ohne Kundenkontakt. Aktuell bauen wir in Katar 2 Tunnelröhren mit gesamt 33,5 km, das Projekt wird am 30.6. abgeschlossen sein, der gesamte Auftrag hatte einen Wert von 2 Mrd. Euro.
In der Hochzeit hatten wir in Katar 8.000 Mitarbeiter, jetzt sind es nur noch 4.000, für Haustechnik und Elektrotechnik. Die Tunnels müssen 10 bis 12 m tief sein, weil die Versorgungsleitungen in 7 bis 10 Meter Tiefe liegen, man braucht einen gewissen Abstand zu diesen. Das Erdreich ist unproblematisch, das ist Kalkstein. Kein Gestein wie in Österreich, wir mussten nicht sprengen. Wir organisieren für unsere Mitarbeiter auch Wohnungen und Heimflüge. Das Material kriegt man großteils in der Region, aus dem Oman z.B. Steine. Der Wüstensand eignet sich nicht als Baumaterial, schade, grad Sand muss man in der Wüste trotzdem kaufen. Die Tunnelbaumaschinen kommen aus Europa, von Martin Herrenknecht (https://www.herrenknecht.com) .
Wegen des Embargos mussten wir die Materialflüsse umstellen, von Dubai über Oman und per Schiff nach Doha, aber da unser Mittelpunkt Wien ist und Doha und Dubai nicht vernetzt sind, war das bewältigbar. Auch wegen des Währungsrisikos ist der lokale Einkauf von Vorteil. Wenn ich das richtig verstanden habe, sind 70% der Porr-Arbeiter dort Inder. Die Arbeit mit ihnen ist anders als hierzulande, sie brauchen klare Anleitungen. Die Situation sei nicht so arg wie kolportiert, Pässe werden nicht einbehalten. Auf meine Frage nach Todesfällen unter den Arbeitern (den Medien war zu entnehmen, dass in Katar schon Hunderte vor allem Nepalesen verdurstet sind, weil man Fremdarbeitern dort nur Wasserrationen gönnt, die nicht wirklich zum Leben reichen. Hier ein meines Erachtens glaubwürdiger Artikel aus einer linken Zeitung, als Beispiel, falls es gedruckt wird, Porr kommt darin glücklicherweise nicht vor, das mit den Pässen steht jedenfalls auch drin: http://www.taz.de/!5311692/) erfuhren wir von "null Unfällen bei 75 Mio. Mitarbeiterstunden". 3-4 Jahre sei mit 0% Unfallquote gearbeitet worden. Das beruhigt mich.
Zu Persien sagen wir recht konsequent nein, keine Bank könne Geld aus dem Iran herausholen. Ein Zuhörer fragte nach Porr Solutions: Die seien in die UBM übergegangen. Eine Frage betraf den Auszug aus dem Porr-Gebäude im 10. Bezirk: Es sei nicht mehr ganz so wichtig, wo wir sitzen, wenn es modernere Gebäude gibt. Eine weitere Frage betraf das Wiener Kanalnetz, dessen Sanierung oder Erweiterung von der Stadt Wien abgebrochen worden sei, statt 19 km seien nur 2,6 km gebaut worden. Wir erfuhren, dass Porr das nur fortsetzen kann, wenn die Stadt Wien das bestellt. Auf die Frage, ob Porr auf sein legendäres Sommerfest auch einmal Kleinaktionäre einladen möchte, verzichtete ich dann doch, um nicht den Anschein zu erwecken, ich würde nur ans Essen denken. Was ganz und gar nicht der Fall ist, bei diesen Temperaturen denke ich nur ans Trinken.
Börsepeople im Podcast S25/02: Elke Vlach
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