13.08.2018, 4156 Zeichen
Do&Co hat mich ausgetrickst. Ich wollte ja nur die Stückzahlen der größten Institutionellen erfahren. Auf der HV wurde meine Frage nicht beantwortet, ob trotz Datenschutzverordnung die Daten der Aktionäre weiterhin wegen der Zweitnotiz der Do&Co-Aktie in Istanbul in der Türkei veröffentlicht werden. Ich ging davon aus, dass alles bleibt wie bisher. Aber offenbar haben sie sich Gedanken gemacht: Von der heurigen HV wurden nur die Namen der Aktionäre und die Namen und Wohnorte der Aktionärsvertreter veröffentlicht. Keine Wohnorte der Aktionäre mehr, und vor allem: Keine Stückzahl! Die HV-Teilnehmer bzw. die vertretenen Aktionäre können sich also googeln und finden ihre Namen auf der türkischen Anwesenheitsliste. Aber wer von ihnen nur 1 Stück oder 1.000 Stück hat, das sieht man jetzt nicht mehr. Egal, die privaten 1.000-Stück-Aktionäre sind eh überschaubar, die meisten Privataktionäre haben recht kleine Stückzahlen. Die Do&Co-Aktie ist halt schwer zu bewerten, viele kleine Anleger haben sich vom Großteil ihrer Aktien schon getrennt. Die Stückzahlen der HVs vergangener Jahre sind allerdings weiterhin online. Aber die sind meist längst nicht mehr aktuell.
Die Richtungsfrage dürfte aktuell entschieden sein: Die Verkäufer bei 60+ haben offenbar alles richtig gemacht, die Käufer bei 60+ sind aktuell im Minus und müssen weiterhin zittern, mit der türkischen Währung sieht es nicht gut aus. Mit einem Verfall um 30%, so meine persönliche Meinung, können wir leben, wenn die Türkei ein Drittel des Gewinnes liefert, das wäre dann ein Gewinneinbruch (durch das Türkeigeschäft, wenn sonst alles gleich bleibt) von gesamt etwa 10%. Nicht schön, aber auszuhalten. Das unter der Prämisse, dass stimmt, was Dogudan auf der letzten HV gesagt hat: Der Verfall der türkischen Lira wirkt sich natürlich negativ auf den Gewinn aus, aber da auch die Aufwendungen in türkischen Lira anfallen, ist es weniger schlimm. Bei einem Währungsverfall von 60% (somit Einbruch des Gesamtgewinns um 20%) würde mir etwas mulmig, also da wäre ich alles andere als erfreut. Aber ich bin kein Trader, kann es aussitzen, ich hoffe, dass es nicht unter 50 geht. Das ist aber nur meine persönliche Strategie, im Nachhinein ärgert man sich oft über ein Aussitzen.
Ich bin natürlich nicht optimistisch. Aber ich denke bzw. hoffe, dass die aktuelle Krise bald vorbei ist. Der türkische Präsident reizt halt seine Rhetorik bis zum Letzten aus, so wie auch damals, als die Türkei den russischen Flieger abgeschossen hat. Damals zeterte Erdogan weiter gegen Russland, ohne irgend einen Anschein zu erwecken, dass er sich entschuldigen würde. Als aber der russische Boykott (unter anderem Tourismus) sich wirtschaftlich auszuwirken begann, kam es zur totalen Kehrtwendung. Seither musste Putin den Eindruck gewinnen, Erdogan sei sein bester und loyalster Freund. Dem Kursverfall der Lira kann Erdogan nicht lange zusehen, aller Wirtschaftskrieg-Rhetorik zum Trotz, er wird bald reagieren müssen, um zu retten, was noch geht. Ich setze also auf eine Erholung der Lira. Aber dorthin, wo sie einmal war, wird sie wohl nicht mehr gehen. Mit Erholung meine ich: dass die Panik nachlässt, und dass die türkische Lira wieder höher notiert als im Moment.
Alles nicht rosig. Einzusteigen würd ich mich derzeit nicht trauen. Und Aussitzen, die Strategie vielleicht des typischen Privatanlegers, kann ich ja nicht wirklich weiterempfehlen. Nur vielleicht ein bisschen Hoffnung geben: dass der Präsident (oder zumindest seine Berater) sich ihrer Verantwortung doch noch bewusst werden. Ohne Garantie, freilich, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich die Türkei nur wegen einer offenbar mutwilligen Festsetzung eines Pastors als Faustpfand für einen Austausch gegen Gülen auf einen langen Wirtschaftskrieg gegen die USA einlässt. Auch die Unstimmigkeiten mit den USA bezüglich Syrien gehören sowieso dringend bereinigt. Ich sehe den Kursverfall als reinigendes Gewitter. Ich bin zuversichtlich, dass es eine Sache von Tagen ist, dass es zu einer Kehrtwendung in der Haltung des türkischen Präsidenten kommt. Und das wird dann auch gut für unsere Do&Co-Aktie sein.
DO&CO (50,04/50,67 , -9,76% )
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