10.10.2018, 3372 Zeichen
thyssenkrupp tut es tatsächlich. Der Industrie- und Stahlkonzern wagt die Aufspaltung. Trotzdem heißt dies nicht, dass nun der erhoffte Befreiungsschlag geglückt ist.
Es kommt nicht besonders häufig vor, dass ein Vorstandschef und der Chefaufseher eines DAX-Konzerns innerhalb kurzer Zeit den Hut nehmen. Doch so kam es, als CEO Heinrich Hiesinger und Aufsichtsratschef Ulrich Lehner thyssenkrupp im Sommer dieses Jahres verließen. An der Börse sorgte das Stühlerücken an der Konzernspitze für einen Vertrauensverlust. Zumal diese Abgänge auch das Ringen um die zukünftige Ausrichtung des Industriekonglomerats deutlich machten. In diesem Ringen spielten auch große Finanzinvestoren wie Cevian, die sich als Großaktionäre betätigten, eine wichtige Rolle. Keine leichte Aufgabe für den ehemaligen thyssenkrupp-Finanzchef Guido Kerkhoff. Dieser hatte den Chefposten übergangsweise übernommen. Doch ihm scheint es gelungen zu sein, die verschiedenen Interessen zusammenzuführen.
Entsprechend großer Jubel herrschte an der Börse, als thyssenkrupp am 27. September 2018 die Aufspaltung verkündete. Etwas wogegen sich der Konzern lange Zeit gewehrt hatte. Bereiche wie die Aufzugsparte oder das Werkstoffgeschäft werden voneinander getrennt. Es entstehen zwei unabhängige börsennotierte Unternehmen: thyssenkrupp Industrials (Aufzüge, Anlagenbau, Automobilzulieferung) und thyssenkrupp Materials (Werkstoffe, Marineschiffbau, Stahl). Demnach wird der 50-Prozent-Anteil an dem fusionierten Stahlgeschäft mit dem indischen Partner Tata Steel im Bereich Materials beheimatet sein.
Darüber hinaus wurden die wichtigsten Positionen in der Geschäftsführung neu besetzt. Der bisherige Interimschef Guido Kerkhoff soll in den nächsten fünf Jahren CEO sein, während sich Prof. Dr. Bernhard Pellens zukünftig um den Aufsichtsratsvorsitz des Konzerns kümmern wird. Dem Vorstand kommt die Aufgabe zu, in den kommenden Monaten die Details der Neuausrichtung auszuarbeiten und für Zustimmung zu werben.
Auch wenn an der Börse anfänglich großer Jubel angesichts der Aufspaltungspläne geherrscht hatte, hat die thyssenkrupp-Aktie in der Zwischenzeit große Teile ihrer zwischenzeitlichen Gewinne wieder abgegeben. Offenbar sehen Investoren neben den Chancen große Risiken. thyssenkrupp droht das Verschwinden in der Bedeutungslosigkeit. Dem einstmals stolzen Industriekonglomerat und DAX-Gründungsmitglied droht nach der Aufspaltung der Abstieg aus der ersten deutschen Liga. Zudem ist die Neuausrichtung nicht zum Nulltarif zu haben, auch wenn sie mit hohen Bilanzgewinnen, vor allem in der Aufzugsparte, verbunden sein sollte. Gleichzeitig bewegen sich die verschiedenen Sparten auch nach der Aufspaltung weiterhin in schwierigen Märkten. Zuletzt hatte vor allem das Marinegeschäft mit Herausforderungen zu kämpfen, während die Stahlsparte von den weltweiten Handelsstreitigkeiten betroffen sein könnte.
Spekulative Anleger, die steigende Kurse der thyssenkrupp-Aktie erwarten, könnten mit einem WAVE XXL-Call der Deutschen Bank (WKN DS3Y9R) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Open-End-Papiers liegt derzeit bei 3,11, die Barriere bei 14,90 Euro. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem WAVE XXL-Put der Deutschen Bank (WKN DS537B, aktueller Hebel 5,09; Barriere bei 23,60 Euro) auf fallende Kurse der thyssenkrupp-Aktie setzen.
Stand: 09.10.2018
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