05.12.2018, 3780 Zeichen
Nach 57 Jahren verlässt das Emirat Katar die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC). So ungewöhnlich dieser Schritt auch erscheinen mag, sind es derzeit möglicherweise andere Entwicklungen, die die Rohölpreise entscheidend beeinflussen.
Nachdem die Ölnotierungen Anfang Oktober auf ein neues Vierjahreshoch geklettert waren, stürzte der Preis regelrecht ab. Am Rohstoffmarkt machten sich genauso wie an den Aktienbörsen Sorgen breit, dass sich die weltweite Konjunktur abkühlen könnte. Noch immer gilt Öl als Schmiermittel der Weltwirtschaft. Eine schwächere Konjunktur würde dementsprechend eine geringere Nachfrage nach sich ziehen. Und dies ausgerechnet in einer Zeit, in der das Angebot steigt. Es wird sogar von einer Ölschwemme gesprochen.
Am 26. November berichtete Bloomberg, dass Saudi-Arabien die tägliche Ölproduktion im November auf einen Rekordwert von 11,2 Millionen Barrel hochgeschraubt hätte. Auch andere wichtige Ölförderer wie Russland haben zuletzt ihre Ausbringungsmenge erhöht. Zudem stiegen die US-Öllagerbestände an, was eine geringe Nachfrage oder ein überhöhtes Angebot impliziert. Allerdings könnte der am 30. November und 1. Dezember in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires abgehaltene G20-Gipfel für eine Preiswende gesorgt haben, nachdem sich die Rohölnotierungen in den Tagen vor dem Zusammentreffen der Staatschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer stabilisiert hatten.
Ein Ergebnis des G20-Gipfels ist die Einigung zwischen China und den USA, sich in den kommenden Monaten nicht mit weiteren Strafzöllen zu überziehen, während gleichzeitig an einer Lösung des Handelsstreits gearbeitet wird. Ein Ende des Handelsstreits könnte die weltweiten Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung lindern. Außerdem scheinen Saudi-Arabien, als wichtigster Vertreter der OPEC, und Russland gewillt zu sein, weiter gemeinsam gegen in ihren Augen zu niedrige Rohölpreise vorzugehen. Auch dies wurde im Rahmen des G20-Gipfels deutlich. Zudem könnte es der Austritt Katars aus der OPEC Saudi-Arabien noch leichter machen, die restlichen Mitglieder auf Linie zu bringen und weitere Förderkürzungen durchzusetzen.
Am 3. Dezember hatte Katars Energieminister Saad al-Kaabi auf einer Pressekonferenz den Rückzug zum 1. Januar 2019 angekündigt und die Konzentration seines Landes auf die Gasproduktion als einen der Gründe angeführt. Der Austritt Katars war jedoch nicht die einzige wichtige Nachricht im Rohstoffbereich in dieser Woche. Während Marktteilnehmer nach dem G20-Gipfel auch noch das OPEC-Treffen im Blick haben mussten, teilte die Premierministerin der kanadischen Provinz Alberta, Rachel Notley, am 2. Dezember mit, dass die Provinz ihre Produktion von Rohöl und Bitumen ab Januar um etwa 325.000 Barrel pro Tag senken möchte bis die Lagerüberschüsse abgebaut seien.
Die Ölpreise haben in den vergangenen Wochen einen regelrechten Absturz erlebt. Sowohl die US-Sorte WTI als auch die Nordseesorte Brent sind dabei in einen Bärenmarkt eingetreten. Mittelfristig könnte diese Schwäche anhalten, da sich der weltweite Konjunkturboom einem Ende nähern könnte. Kurzfristig könnte sich jedoch unter anderem aufgrund der Ergebnisse des G20-Gipfels und einiger anderer wichtiger Entwicklungen eine Wende abzeichnen.
Spekulative Anleger, die steigende Notierungen bei der Ölsorte Brent erwarten, könnten mit einem WAVE XXL Call der Deutschen Bank (WKN DT94JD) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Open-End-Papiers liegt derzeit bei 2,11, die Knock-Out-Schwelle bei 33,5800 US-Dollar. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem WAVE XXL Put der Deutschen Bank (WKN DS85YC, aktueller Hebel 4,21; Knock-Out-Schwelle bei 74,2900 US-Dollar) auf fallende Ölpreise bei der Sorte Brent setzen.
Stand: 04.12.2018
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