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Batterie oder Brennstoffzelle – womit fahren künftig unsere Autos? (Andreas Kern)

12.02.2020, 6469 Zeichen

Kaum haben sich die Automobilhersteller – wenn auch nicht ganz freiwillig – damit abgefunden, dass der Verbrennungsmotor perspektivisch vom batteriebetriebenen Elektroauto abgelöst wird, hagelt es schon wieder Kritik von allen Seiten.

Das hohe Gewicht und die geringe Reichweite der Akkus auf der einen und eine je nach Strom-Mix fragwürdige CO2-Bilanz auf der anderen Seite werden abhängig von der Interessenslage bemängelt. Folgerichtig wird über weitere Alternativen nachgedacht. Und dabei kommt plötzlich eine Technologie ins Spiel, die schon rund um die Jahrtausendwende heiß diskutiert wurde: Die Wasserstoff-Brennstoffzelle. Während beim E-Auto der Strom extern zugeführt und dann im Akku gespeichert wird, können Wasserstoff-Autos Strom direkt in der Brennstoffzelle erzeugen. Viele Politiker zeigen sich davon angetan. Wirtschaftsminister Altmaier hat prompt ein nationales Strategiepapier entworfen, um Wasserstoff als Energieträger endlich zum Durchbruch zu verhelfen. Deutschland soll dabei weltweit die Vorreiterrolle übernehmen.

Erst der Anfang oder kurz vorm Ende?

 „Sobald die Brennstoffzellen sowie die Wasserstofferzeugung kosteneffizienter und für jedermann erschwinglich werden, wird dies aus meiner Sicht der Energieträger der Zukunft sein.“

Stefan Krick
Stevox

Noch ist das zwar alles Zukunftsmusik, an der Börse hat sich dennoch längst ein regelrechter Boom bei Wasserstoff-Aktien entwickelt. Die Kurse zahlreicher Titel haben sich in kürzester Zeit vervielfacht. Klingt auf den ersten Blick nach einer typischen Übertreibung, ist nach Ansicht von wikifolio-Trader Stefan Krick ( Stevox ) aber ganz normal: „Die Zukunftsaussichten spielen bei der Kursstellung der Unternehmen eine viel größere Rolle als noch vor zehn Jahren. Ich bin überzeugt, wir stehen bei Wasserstoff & Brennstoffzellen erst am Anfang.“ Mit seinem gleichnamigen wikifolio Wasserstoff & Brennstoffzellen hat er eine Vielzahl an Anlegern bereits überzeugt. Auf Jahressicht konnte der Trader hier eine Performance von 75 Prozent erwirtschaften. 

Dennoch: Völlig problemlos ist der Einsatz von Wasserstoff nicht. Kritiker bemängeln vor allem den hohen Energiebedarf und die zum Teil nicht wirklich umweltfreundlichen Verfahren. „Die Produktion von Wasserstoff ist sehr ineffizient und teuer ist sie noch dazu. Mehr als zwei Drittel der Energie gehen verloren, wenn Wasserstoff aus Strom gewonnen und anschließend in einem Brennstoffzellenfahrzeug in Strom zurückverwandelt wird. Diese Rechnung ist noch ausgesprochen positiv. Manche Experten setzen den Wirkungsgrad der Technologie nur bei 15 Prozent an“, bemängelt wikifolio-Trader Christian Thiel, der als sparstrumpf das wikifolio Global Champions verwaltet - und dabei auf Wasserstoff-Unternehmen gänzlich verzichtet. Eine Speicherung von Strom in Akkus ist seiner Ansicht nach vier Mal so effizient. Der Trader sieht den vermeintlichen Megatrend daher sehr skeptisch: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Spekulation auf eine Wende zur Profitabilität der Branche zusammenbricht.“

wikifolio-Trader Christian Thiel mahnt zur Vorsicht: „Stay Clear of the Hype“. Erfahren Sie mehr!

Entscheidend ist die Energie

Trader-Kollege Krick kennt die Problematik: „Als Faustformel nimmt man an, dass für ein Brennstoffzellensystem dreimal mehr Energie benötigt wird als für eine Batterie bei gleicher Leistung.“ Trotzdem kommt er zu einer anderen Schlussfolgerung. Entscheidend wird seiner Meinung nach sein, dass zukünftig ausreichend Strom aus regenerativen Energien bereitsteht. Dann wäre die Brennstoffzelle deutlich umweltfreundlicher als eine Batterie. Sein Fazit lautet deshalb: „Sobald die Brennstoffzellen sowie die Wasserstofferzeugung kosteneffizienter und für jedermann erschwinglich werden, wird dies aus meiner Sicht der Energieträger der Zukunft sein.“ Als große Vorteile nennt er unter anderem die kürzere „Auftank“-Zeit und die deutlich größere Reichweite bei wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen. 

„Die Brennstoffzelle wird sich durchsetzen und peu a peu die Batterie ablösen.“

Vincent Soltau
Juliette

Auch wikifolio-Trader Vincent Soltau ( Juliette ) hält die aktuell diskutierten Probleme beim Wasserstoff für „lösbar“ und ist davon überzeugt, „dass sich die Brennstoffzelle durchsetzen und peu a peu die Batterie ablösen wird“. Bei Akkus sei auch der Bedarf an Kobalt, Nickel und Lithium für Batterien aus ökologischer Sicht kritisch zu sehen, was die Herstellung und Entsorgung der Batterien angeht. Entsprechend findet sich auch in seinem wikifolio Tech & GreenTech Aktienwerte eine Aushaftung im Bereich Wasserstoff-Antriebstechnologie. Vertreten sind in dem Musterdepot etwa die Aktien von Plug Power und Powercell Sweden mit einem Anteil von gut fünf bzw. vier Prozent. Das wikifolio selbst erfreut sich bei Anlegern zunehmender Beliebtheit. Seit Erstellung im Oktober 2016 kommt es auf eine Performance von 170 Prozent, allein auf Jahressicht liegt das Plus bei 76 Prozent.

Amazon der Wasserstoff-Branche

Die nach Ansicht vieler Experten aktuell übertrieben hohe Bewertung der Aktien ist neben der angerissenen Grundsatzdiskussion natürlich auch ein Thema, das Anleger brennend interessiert. wikifolio-Trader Arnd-Rüdiger Schwarz ( ARMEGAS ), der mit dem wikifolio Investment in Wasserstoff Aktienebenfalls voll auf den Durchbruch der Branche setzt, zieht einen interessanten Vergleich: „Die Vergangenheit lehrt uns, dass der Übergang zwischen zwei Technologien selten linear verläuft. Setzt sich die Brennstoffzellen-Wasserstofftechnologie durch, dann wird sich das in einer exponentiellen Entwicklung vollziehen. Als Beispiel will ich nur Amazon nennen. Im Grunde war diese Aktie nie günstig bewertet, zumindest nicht nach herkömmlichen Bewertungsmethoden, dennoch hat man mit fast keiner anderen Aktie die letzten 15 Jahre mehr Geld verdienen können. In der Phase, in der sich Amazon zum Quasi-Monopolisten durchgesetzt hat, verlief die Umsatzentwicklung exponentiell (Anfang des Jahrtausends).“

Ob die nächste Amazon -Aktie tatsächlich aus dem Bereich der Wasserstoff-Technologie kommt, wird die Zukunft zeigen. Für reichlich Spannung ist auf jeden Fall gesorgt.

Im Original hier erschienen: Pro und Contra Brennstoffzelle


(12.02.2020)

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