20.03.2026, 3240 Zeichen
PayPal erlebt eine turbulente Woche. Am Montag, dem 23. März, wird das Unternehmen aus dem S&P 100 entfernt — und gleichzeitig häufen sich neue Sammelklagen wegen mutmaßlich irreführender Unternehmensaussagen.
Der Rauswurf aus dem S&P 100
Im Rahmen des regulären März-Rebalancings von S&P Dow Jones Indices verliert PayPal seinen Platz im S&P 100. Neu aufgenommen werden Applied Materials, GE Vernova, Lam Research und Micron. Neben PayPal müssen auch AIG, MetLife und Target weichen.
Die Konsequenz ist nicht nur symbolischer Natur. Da Billionen von Dollar an Indexfonds diese Benchmarks nachbilden, müssen betroffene Fonds PayPal-Anteile verkaufen. Das kann die Handelsvolumina rund um den 23. März spürbar beeinflussen und die Liquidität für institutionelle Investoren verändern.
Klagen wegen enttäuschender Quartalszahlen
Zeitgleich mit dem Index-Exit haben zwei Anwaltskanzleien Sammelklagen gegen PayPal eingereicht. Robbins Geller Rudman & Dowd sowie Hagens Berman vertreten Aktionäre, die zwischen dem 25. Februar 2025 und dem 2. Februar 2026 PayPal-Aktien hielten. Die Frist zur Anmeldung als Hauptkläger läuft bis zum 20. April 2026.
Kern der Vorwürfe: PayPals Vertriebsorganisation sei nicht in der Lage gewesen, die eigenen Wachstumsziele umzusetzen — insbesondere beim Branded Checkout, der im vierten Quartal 2025 nur noch ein Zahlungsvolumenwachstum von 1 Prozent erzielte, nach 5 Prozent im Vorquartal. Die im Frühjahr 2025 kommunizierten Finanzziele für 2027 seien unter den damaligen operativen Bedingungen schlicht nicht erreichbar gewesen, so die Kläger.
Am 3. Februar 2026 reagierte der Markt mit einem Kurseinbruch von 20 Prozent an einem einzigen Tag, nachdem PayPal den sofortigen Abgang von CEO Alex Chriss bekanntgegeben und gleichzeitig die 2027-Ziele zurückgezogen hatte. Mehr als 9 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung wurden dabei vernichtet.
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Neuer CEO, offene Fragen
Seit dem 1. März 2026 führt Enrique Lores das Unternehmen als President und CEO. Der frühere HP-Chef, der dort sechs aufeinanderfolgende Quartale mit Umsatzwachstum vorweisen konnte, soll PayPal strategisch neu ausrichten. Lores hat klare Prioritäten, disziplinierte Umsetzung und eine verbesserte Kundenerfahrung als Leitlinien benannt.
Parallel dazu treibt PayPal neue Partnerschaften voran: Mit OpenAI soll ein direkter Checkout-Kanal in ChatGPT entstehen, gemeinsam mit Sabre und Mindtrip wird eine KI-gestützte Reiseplattform für das zweite Quartal 2026 angekündigt.
Die Aktie notiert seit Jahresbeginn rund 23 Prozent im Minus und liegt damit weit unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 53,57 Euro. Wie glaubwürdig Lores die neue Strategie beim nächsten Earnings Call präsentiert, dürfte entscheidend dafür sein, ob das Vertrauen der Investoren zurückgewonnen werden kann.
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