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Ein Wald ohne Bäume - Teak Holz International (Daniel Koinegg)

Bild: © Aussender, Teak-Plantage 10 Jahre (Bild: Teak Holz International)

15.12.2014, 5526 Zeichen

Die Meldung des Tages kommt meiner Meinung nach heute von der österreichischen Teak Holz International AG (ISIN AT0TEAKHOLZ8). Da diese Veröffentlichung für mich durchaus den bereits hier behandelten Entwicklungen bei der Ultrasonic AG das Wasser reichen kann, möchte ich den Lesern des bargain-magazines die Vorgänge nicht vorenthalten. Vorerst sei einfach ein erster Überblick über die Fakten bereitgestellt, ich bin mir aber nahezu sicher, dass dieser Artikel nicht der letzte über die THI sein wird. Eher rechne ich persönlich damit, dass sich dort die Ereignisse in den nächsten Monaten noch überschlagen könnten.

Das Unternehmen beschreibt sich selbst zunächst wie folgt:

Die TEAK HOLZ INTERNATIONAL AG (THI AG), mit Sitz in Wien, ist ein auf nachhaltiges Teakholz-Plantagen-Management in Costa Rica spezialisiertes Unternehmen, bietet das Forstwirtschafts-Know-how auch als Serviceleistung an externe Partner an und betreibt weltweiten Teakrundholzhandel.1

Nun, wenn eine Gesellschaft mit der Anpflanzung, der Kultivierung und der Schlägerung von Bäumen ihr Geld verdienen möchte, könnte eine ad hoc-Meldung wie die Folgende durchaus für die zukünftige Geschäftsentwicklung von Bedeutung sein:

Pflanzflächen und Bestockungsdichten offenbar bislang überschätzt

Die THI AG hat mit dem Ende der Regenzeit in Costa Rica mit den Arbeiten an der jährlichen Inventur begonnen. Auf Grund der gleichzeitig stattfindenden Vorbereitung auf eine Investoren-Due Diligence kommt dieser hohe Bedeutung zu.

In der Vergangenheit hat die Gesellschaft zu Erhebung von Anzahl und Qualität der Bäume nach üblicher Vorgangsweise in der Plantagenwirtschaft umfangreiche Stichproben (sog. ‚Permanent Sample Plots‘) herangezogen. Verteilung und Anzahl dieser gemeinsam mit Forstingenieuren festgelegten Stichprobenflächen sowie die Hochrechnung auf den Gesamtbestand waren alljährlich Gegenstand der Wirtschaftsprüfung. Alle drei Jahre und zuletzt im Dezember 2013 wurde zudem ein externer Forstexperte beigezogen, um den Bestand und das der Bewertung zu Grunde gelegte weitere Wachstums- und Ertragspotential gutachterlich zu untermauern.

Da in den kommenden Monaten die erste größere kommerzielle Durchforstung unter anderem einer Plantage mit nunmehr 14-jährigem Baumbestand geplant war (Finca Uno), wurde auf dieser eine Komplettzählung aller Bäume auf 405ha Gesamtfläche durchgeführt. Auf anderen Plantagen wurde der Bestand auf großen Teilflächen gleichfalls komplett erfasst.

Der Gesellschaft liegen seit Ende der vergangenen Woche weitgehend vollständige Ergebnisse vor: Auf allen Plantagen wurde ein deutlich niedrigerer Baumbestand festgestellt als sich aus den Inventuren der Vorjahre und den bisherigen Durchforstungen ergeben sollte. Nach bisherigen Erkenntnissen erweisen sich sowohl die bisherigen Annahmen zur bepflanzten Fläche als auch die Bestockungsdichte (Anzahl Bäume/ha Pflanzfläche) als fehlerhaft Insgesamt verfügt die Gesellschaft nach den bisherigen Ergebnissen über ca. 660.000 Bäume, den Bewertungen der Vorjahre lagen ca. 1,3 Millionen Bäume zugrunde. Offenbar waren auch die Gutachten der externen Experten, in den vergangenen Jahren zumindest teilweise falsch.

Die THI AG arbeitet mit Nachdruck an der Ursachenermittlung.

Mit Poyry Management Consulting (UK) wurde eines der international renommiertesten Forstberatungsunternehmen verpflichtet, die diesjährige Verifizierung von Wachstums- und Ertragsprognosen vorzunehmen. Diese wurden erst Ende des vergangenen Jahres aufgrund des damaligen Expertengutachtens dahingehend angepasst, dass die Umtriebszeit von 15 auf 18-20 Jahre verlängert wurde.

Poyrys Ergebnisse – und damit eine umfassende Darstellung der Auswirkung auf die Bilanz der THI AG – sollen in den nächsten Wochen vorliegen.2

Vereinfacht formuliert sind der Gesellschaft also gut die Hälfte ihrer Bäume „abhanden“ gekommen, es weiß allerdings scheinbar niemand, wie das passieren konnte.

Mir stellen sich vordergründig nun folgende Fragen und es wird äußerst spannend, in der Zukunft die Entwicklungen in diesem Zusammenhang zu beobachten:

1.)    Inwiefern kann man, wenn man Jahr für Jahr „größere Stichproben“ nimmt und diese halbwegs zuverlässig plant (und auch nicht jedes Jahr von den selben Flächen die Stichproben nimmt), übersehen, dass sowohl die Gesamtfläche der Bäume als auch die Bepflanzungsdichte hemmungslos übertrieben dargestellt wird?

2.)    Welche Regressansprüche könnte man gegenüber den externen „Experten“ geltend machen, wenn all die früheren Gutachten zum Teil falsch waren?

3.)    Was wird die Dienstleistung von Poyry Management kosten?

4.)    Welche Auswirkungen sind auf die Aktie und auch auf die Wandelanleihe (ISIN AT0000A0K1F9) zu erwarten?

Weil ich gerade die Wandelanleihe erwähnt habe… hier wird das kommende Jahr besonders interessant, wenn man bedenkt, dass die Anleihe mit einem Volumen von über 15 Mio. Euro Ende August 2015 fällig wird, offenbar erst unlängst die Wachstumsdauer der Bäume signifikant von 15 auf 18-20 Jahre verlängert worden ist und laut Halbjahresbericht 2013/14 im Unternehmen an schnell liquidierbarem Vermögen knapp 1,2 Mio. Euro Umlaufvermögen sowie 1,16 Mio. Euro Termingelder vorhanden waren (der Rest entfiel auf Sachanlagen und –jetzt eben nicht mehr soviele – Bäume).

 

1 http://www.wienerborse.at/marketsearch/?SEARCHVALUE=teak (Tabreiter „Profil“)

2 http://www.teak-ag.com/Presse-Detail.69.0.html?&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=237&tx_ttnews[backPid]=3&cHash=dd953f0b4d43fd505f5089331bf178ef

Der Beitrag Ein Wald ohne Bäume erschien zuerst auf Bargain.


(15.12.2014)

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    Die Meldung des Tages kommt meiner Meinung nach heute von der österreichischen Teak Holz International AG (ISIN AT0TEAKHOLZ8). Da diese Veröffentlichung für mich durchaus den bereits hier behandelten Entwicklungen bei der Ultrasonic AG das Wasser reichen kann, möchte ich den Lesern des bargain-magazines die Vorgänge nicht vorenthalten. Vorerst sei einfach ein erster Überblick über die Fakten bereitgestellt, ich bin mir aber nahezu sicher, dass dieser Artikel nicht der letzte über die THI sein wird. Eher rechne ich persönlich damit, dass sich dort die Ereignisse in den nächsten Monaten noch überschlagen könnten.

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    Vereinfacht formuliert sind der Gesellschaft also gut die Hälfte ihrer Bäume „abhanden“ gekommen, es weiß allerdings scheinbar niemand, wie das passieren konnte.

    Mir stellen sich vordergründig nun folgende Fragen und es wird äußerst spannend, in der Zukunft die Entwicklungen in diesem Zusammenhang zu beobachten:

    1.)    Inwiefern kann man, wenn man Jahr für Jahr „größere Stichproben“ nimmt und diese halbwegs zuverlässig plant (und auch nicht jedes Jahr von den selben Flächen die Stichproben nimmt), übersehen, dass sowohl die Gesamtfläche der Bäume als auch die Bepflanzungsdichte hemmungslos übertrieben dargestellt wird?

    2.)    Welche Regressansprüche könnte man gegenüber den externen „Experten“ geltend machen, wenn all die früheren Gutachten zum Teil falsch waren?

    3.)    Was wird die Dienstleistung von Poyry Management kosten?

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