20.01.2015, 4163 Zeichen
Ein Schweizer Banker hat mir einmal in Schweizer Mundart gesagt: „Die Schweiz ist ein reiches Land. Hier brauchen Sie Geld“. Nach der zuletzt erfolgten Freigabe des Wechselkurses zum Euro sind diese Worte sehr passend.
Die überraschende Freigabe des Wechselkurses zeigt jedenfalls sehr klar einige Punkte auf:
- Künstliche Beschränkungen von Wechselkursen, welche versuchen die Marktkräfte zu verschieben, sind nicht von Dauer.
- Auch große Währungen sind vor massiven Kursschwankungen nicht immun
- Langfristig spiegeln Wechselkurse die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen von Währungs- bzw. Wirtschaftsräumen wieder
- Geld drucken (z.B. Kauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank) führt zu einem relativen Wertverlust der jeweiligen Währung
- Fremdwährungskredite sind riskant und sollten nicht von Privatleuten oder staatlichen Institutionen verwendet werden, die das Risiko weder einschätzen noch managen können.
- Selbst unvorstellbare Dinge (wie Negativzinsen) können Realität werden
- Massive Veränderungen passieren plötzlich und unerwartet
- Sollte der Euro jemals auseinanderbrechen, ist das ein Vorgeschmack auf die Verwerfungen und die Veränderungen die in einem solchen Szenario passieren werden
In der Presse wurde bereits der Wirtschaftsstandort Schweiz in Frage gestellt und massive negative Auswirkungen für die Schweiz in den Raum gestellt. Ich halte diese Dinge für übertrieben:
1.
Die Schweiz ist ein attraktiver Ort für reiche Leute und Konzernholdinggesellschaften. Der Grund dafür sind (a) Attraktive Steuergesetze (b) keine gesellschaftliche und politische Jagd auf Unternehmer, vermögende Personen und Gutverdiener (c) Sehr gute Infrastruktur und (d) Sehr gutes Ausbildungssystem. An diesen Punkten ändert sich durch die Freigabe des Wechselkurses nichts, und vermögende Personen werden weiterhin dieses Umfeld schätzen, Wechselkurs hin oder her.
2.
Die meisten großen Schweizer Konzerne haben die Mehrheit ihrer Produktionsstätten im Ausland. Die Kosten in der Schweiz waren bereits bisher so hoch, dass nur sehr selektive Produktions- und Verwaltungsaufgaben in der Schweiz selbst durchgeführt werden und der Rest im (weitaus günstigeren Ausland).
3.
Schon vor der Wechselkursfreigabe war die Schweiz einer der teuersten Länder der Welt um Urlaub zu machen; jetzt ist sie noch ein wenig teurer. Einige Gäste werden vielleicht fernbleiben (z.B. obere Mittelschicht aus Russland, für die sich der Preis eines Urlaubs verdoppelt hat), aber die Mehrheit der (betuchten) Schweizer Gäste wird auch der Wechselkurs nicht davon abhalten, dort ihren Urlaub zu verbringen.
Vielmehr ist davon auszugehen, dass die (jetzt im Vergleich zu anderen Ländern noch höheren) Gehälter den Zuwanderungsdruck in die Schweiz, insbesondere aus der EU, noch verschärfen. Es ist davon auszugehen, dass insbesondere qualifizierte Arbeitnehmer quasi als „Gastarbeiter“ in die Schweiz drängen, angezogen von den hohen Gehältern und niedrigen Steuern, die in ihren Heimatländern dann eine enorme Kaufkraft haben. Brain Drain aus der EU, bzw. Gastarbeiterkarawane auf Hochschulniveau.
Für die EU sollte jedoch die fast panische Reaktion auf die Freigabe des Wechselkurses ein absolutes Warnsignal sein:
- Alleine durch Geld Drucken löst man keine strukturellen wirtschaftlichen Probleme
- Die Glaubwürdigkeit der europäischen Wirtschafts- und Währungspolitik auf den Finanzmärkten ist offensichtlich geringer als gedacht.
- Von einer „harten Währung“ kann bald keine Rede sein, allen Versprechungen der Politik zum Trotz. Die EU löst derzeit ihre Probleme wie Italien, Spanien, Frankreich oder Griechenland im vorigen Jahrhundert: Durch Abwertung der Währung. Europa wird auch bald die Reputation dieser Länder haben.
Zudem sind einige Länder, eine hohe Anzahl von Fremdwährungskrediten in CHF haben, insbesondere Österreich und Ungarn, massiv betroffen.
Die Schweiz ist ein reiches Land für reiche Menschen und wird das auch bleiben. Die EU muss aufpassen, dass sie nicht im internationalen Vergleich immer mehr an Boden verliert und Glaubwürdigkeit verliert. Der Brain Drain Richtung Schweiz, UK und USA ist bereits in vollem Gange, und wird sich bei einer schwachen Währung noch beschleunigen.
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