10.03.2015, 3965 Zeichen
Heuer werden, zumindest in den USA, etwas kleinere Brötchen gebacken
Vor ziemlich genau sechs Jahren haben die Börsen ihren Tiefpunkt nach der Lehman-Pleite erlebt. Seither ist viel passiert, auch an den Märkten. US-Aktien beispielsweise hab-als verdreifacht. In den letzten Jahren hat sich der Anstieg nochmals beschleunigt, 2013 legte der S&P 30% zu, im Vorjahr immerhin noch 11%. Heuer werden, zumindest in den USA, etwas kleinere Brötchen gebacken, während die Kurse in Europa aber immer noch Rückenwind haben. Das mag auch an der unterschiedlichen Geldpolitik liegen. Während die EZB mit ihrem Anleihekaufprogramm gerade erst begonnen hat, und damit die Konjunktur in der Eurozone zusätzlich anschieben will, denkt die US-Notenbank Fed mehr oder weniger laut über eine erste Zinsanhebung nach. Die jüngsten Arbeitsmarktdaten aus den USA waren äußerst robust, also von daher gibt es kaum mehr Grund, die US-Zinsen weiter auf einem historischen Tief zu belassen.
Auch die Gewinnprognosen sind zu beiden Seiten des Atlantiks unterschiedlich. In den USA erwartet der Konsensus der Analysten heuer nur mehr 2,5% Gewinnwachstum. Der starke Dollar und der Rückgang im Ölpreis drücken auf die Prognosen. In Europa hingegen werden die Erwartungen eher hochgeschraubt, denn hier wirkt die schwache Währung unterstützend, und natürlich sollte auch die lockere Geldpolitik positiv auf die Konjunktur und damit die Erträge durchschlagen. Ob Europa heuer wirklich einen Gewinnanstieg von 25% schafft, bleibt zwar abzuwarten, aber eine steigende Tendenz zeigen die Schätzungen allemal.
Bleibt die Frage, ob dieser erfreuliche Lauf eventuell einmal ins Stocken geraten könnte? An der Wall Street ist die aktuelle Rallye schon die viertlängste aller Zeiten, die US-Bewertungen liegen auch schon über dem historischen Schnitt, also die Nervosität steigt durchaus. Das ist aber schon einmal kein schlechtes Zeichen, denn zu viel Euphorie tut den Kursen nicht gut. Ein gesundes Maß an Skepsis, das dieser Rallye immer noch entgegen gebracht wird, ist da sicher besser als Sorglosigkeit. Dennoch muss man anerkennen, dass nach einer so langen Phase des Anstiegs eine Konsolidierung nicht ausgeschlossen werden kann. Die tiefen Zinsen und auch Anleiherenditen sorgen vorerst aber weiter dafür, dass das Geld in die Aktienmärkte fließt, da sie immer noch die attraktivere Wahl darstellen
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