24.05.2015, 3288 Zeichen
Wer beim Kult-Computerhersteller 2007, als Apple das iPhone einführte, mit all seinem Kapital eingestiegen wäre, wäre heute ein gemachter Mann. Wer wäre, könnte, hätte... Heute sieht die Sache anders aus.
Jetzt hat Apple das Projekt, einen eigenen Fernseher auf den Markt zu bringen, endgültig gekippt. Genauer gesagt eigentlich schon vor einem Jahr, wie aber erst diese Woche durch das Wall Street Journal bekannt wurde. Zehn Jahre hatte man angeblich an dem Projekt gearbeitet. Interessant wird es bei der Begründung, die da heißt: Man könne nicht genug innovative Funktionen bieten, um sich in dem scharf umkämpften Markt von der Konkurrenz abzuheben. Wenn das keine Grundaussage für alle künftigen Produkte von Apple ist. Wohlgemerkt in einer Ära nach Steve Jobs, der 2011 – viel zu früh – starb.
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Denn auch um die Apple Watch, die Armbanduhr, die seit kurzem auf dem Markt ist, ist es nicht gut bestellt. Sie könnte das letzte Apple-Produkt sein, das noch auf Jobs zurückgeht. Doch was so schön beim MP3-Spieler mit dem iPod und beim Smartphone mit dem iPhone funktionierte, nämlich ein bereits vorhandenes Produkt in besserem Design und bedienungsfreundlich anzubieten, reicht heute nicht mehr. Längst sehen alle Smartphones irgendwie wie das iPhone aus, bessere Funktionen hat die Konkurrenz schon lange (Akku, Kamera, USB-Anschluss, Flash-kompatibel et cetera) und auch Apps sind kein Apple-Alleinstellungsmerkmal mehr. Das gilt auch fürs iPad und die Tablets der Konkurrenz. Wirklich abgrenzen kann sich der Yuppie auch nicht mehr damit, ein iPhone auf den Tisch zu legen. Was bleibt da? Die Apple Watch? Mitnichten! Wie ein kürzlich selbst beobachtetes Gespräch in einem Discounter vor Augen führt. In der Schlange an der Kasse stand ein älterer Mann, der seine Uhr stellen wollte und daher seine Vorderleute nach der genauen Uhrzeit fragte. Die Schlange kam ins Gespräch. Mit dem Resultat, die Jugend habe gar keine Armbanduhr mehr, sie schaue auf ihr Smartphone, um zu wissen, wie spät es ist. Die Watch braucht nun also niemand mehr, und wenn die von Apple im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten auch noch nur als Display dient und nur in Kombination mit dem Smartphone von Apple funktioniert, ist dies zwar typisch Apple, könnte auf dem Markt diesmal aber nicht funktionieren. Was bleibt ist im Moment iTunes – ein tolles Geschäft. Doch auch hier kommt mit Amazon und Google kein kleiner deutscher Verleger um die Ecke, sondern Konkurrenz, die es in sich hat. Was Apple noch retten könnte und die Aktie wieder interessant machen würde, wäre ein iCar. Doch das Auto ist ebenso ein Gerücht wie der Fernseher und könnte auch genauso enden.
Vergessen sollten Anleger nie, dass Apple fast Pleite ging, dann ab 1998 wieder Gewinn schrieb, 2001 den iPod auf den Markt brachte, die Aktie aber eigentlich erst ab 2005 begann abzuheben. Letztlich ist es wie immer bei der Geldanlage: Das Risiko ist bei Apple zu hoch, dass die Rendite für den Aktionär ausbleibt. Also lieber Finger weg, liebe Leserinnen und liebe Leser.
Ihr Ulrich W. Hanke,
boersianer.info – Das digitale Anlegermagazin
Ihr Ulrich W. Hanke, Chefredakteur boersianer.info http://www.boersianer.info
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Bildnachweis
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