13.08.2015, 6710 Zeichen
Der Betreiber des ausgezeichneten englischen Blogs WertArt Capital stand uns für ein Interview Rede und Antwort. Formulieren wir es einfach und direkt: wenn Ihr die Antworten lest, werdet Ihr recht schnell merken, dass er sehr viel Ahnung von dem hat, was er tut. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön für die Zeit, die er sich zur Beantwortung der Fragen genommen hat.
Einleitend möchte ich Dich fragen, wie Dein Interesse an Aktieninvestments entstanden ist?
Mit 14 las ich zufällig in der Zeitung meiner Eltern einen Artikel über Bill Gates und Microsoft. Der Autor beschrieb die Erfolgsgeschichte des Unternehemens und kam auch auf die Entwicklung des Aktienkurses zu sprechen. Das weckte mein Interesse und ich begann regelmäßig den Wirtschaftsteil zu lesen. Einige Zeit später löste ich mein Sparbuch auf und kaufte eine handvoll Aktien eines mittelständischen Maschinenbauers.
Wie ist die Idee für einen eigenen Blog entstanden?
Der Start des eigenen Blogs war die Antwort auf die Frage wie ich meine Investmentideen einem breitem Investorenkreis präsentieren und mit diesem in Kontakt treten kann. Vielleicht noch wichtiger für mich als Investor ist aber die Dokumentation meiner Anlageentscheidungen. Zum einen zwingt mich der Blog die Gründe für jedes Investment gedanklich klar zu strukturieren und verständlich darzustellen. Zum anderen kann ich gemachte Fehlentscheidungen im Nachhinein besser nachvollziehen und daraus lernen. Auch wenn dies emotional nicht immer einfach ist.
Warst Du schon immer Value Investor oder hattest Du Dich auch einmal mit anderen Ansätzen beschäftigt?
Mit dem Begriff Value Investing kam ich eigentlich erst im Laufe meines Studiums in Kontakt. Allerdings war mein Investmentansatz auch schon vorher konträr der Marktmeinung gegenüber und auf Unternehmen fokussiert die mit einem deutlichen Abschlag auf ihren inneren Wert notieren. Im Laufe der Zeit habe ich auch verschiedene andere Ansätze ausprobiert. Ich habe aber gemerkt, dass ich persönlich an den Finanzmärkten nur mit dem Value Investing auf Dauer erfolgreich sein kann.
Stichwort Aktienscreening: Welche Tools verwendest Du, um interessante Aktien zu finden bzw. bei welchen Medien informierst Du Dich über interessante Investments?
Ein paar Investments habe ich über Screening nach Kennzahlen gefunden. Sehr nützlich sind auch automatische Stichwortsuchen im Internet (z.B. google alert). So habe ich einige Spezialsituationen ausfindig gemacht. Auch Leser meines Blogs informieren mich immer mal wieder über interessante Investmentthemen. So bin ich z.B. auf italienische Immoblienfonds gestoßen. Zum Teil bin ich auch einfach mal die Liste aller börsennotierten Gesellschaften eines Landes durchgegangen. So habe ich z.B. A&O Johansen aus Dänemark gefunden, die ich auf meinem Blog analysiere.
Meistens ist es aber so, dass ich mit einem interessanten Unternehmen beginne, den Geschäftsbericht lese und dann ein Verständnis für die Industrie entwickle. Oft ist es dann ein Wettbewerber, Zulieferer oder Kunde, der eine attraktive Investitionsmöglichkeit bietet.
Spannend sind auch die öffentlich zugänglichen Berichte der institutionellen Value Investoren. Hier geht es nicht so sehr darum einzelne Investmentideen zu finden (obwohl das auch durschaus lukrativ sein kann),sondern vielmehr von anderen Investoren zu lernen.
Stichwort Bewertungsmethoden: Welche Bewertungsmethoden benutzt Du um den inneren Wert Deiner Investments zu bestimmen und anhand welcher Kriterien entscheidest Du Dich für welche Bewertungsmethode?
Bei der Bewertung an sich ziele ich grundsätzlich auf die normalisierten Erträge/Free Cash Flows ab und verwende dann je nach Qualität des Unternehmens(abhängig von Wetbewerbsvorteilen, Kapitalrenditen, Konjunkturabhängigkeit, Anteil wiederkehrender Umsätze, etc.) unterschiedliche Multiplikatoren um den inneren Wert zu bestimmen.
In der Praxis ist diese Methode allerdings nicht immer leicht anwendbar. Historische Daten bieten einen Anhaltspunkt für die zukünftige Ertragskraft. Oft stehen aber keine ausreichenden Zeitreihen zur Verfügung. Zudem stellt sich auch immer die Frage, ob die Erträge der Vergangenheit für die Zukunft überhaupt eine Rolle spielen. Denn bei vielen Unternehmen, die aus Value Gesichtspunkten interessant sind, treten eben Probleme auf. Die Kunst besteht darin, zu erkennen, ob diese Schwierigkeiten nur kurzfristiger Natur sind. Ist dies der Fall, erhält man als langfristig orientierter Anleger solche Unternehmen häufig zu einem günstigen Preis, da der Markt meist nur sehr kurzfristig denkt und Unternehmen mit vorübergehenden Ertragsproblemen häufig mit übertriebenen Abschlägen bewertet.
Investierst Du auch in die klassischen Graham Net- Nets?
Der Blick in die Bilanz eines Unternehmens stellt bei mir meist den ersten Schritt bei der Analyse dar. Allerdings suche ich nicht aktiv nach net-nets. Vielmehr besitzen die meisten meiner Investments eine solide Bilanz. Grundsätzlich meide ich Unternehmen mit einer hohen Verschuldung/Goodwill.
Ich präferiere eher die wenigen Unternehmen, die ihre Überschüsse zu hohen Renditen reinvestieren können und so den Unternehmenswert über einen langen Zeitraum steigern können. Derzeit sind diese Unternehmen aber sehr gefragt und daher meist zu hoch bewertet. Deshalb finden sich im Moment auch mehrere Tournaround- und Spezialsituationen in meinem Portfolio.
Welche Rolle spielt die Margin of Safety bei Dir und wie groß muss diese sein damit du dich mit Deinem Investment sicher fühlst? Hast Du da einen bestimmten Wert von dem Du nicht abweichst oder bist Du je nach Branche des Unternehmens flexibel?
Die margin of safety ist für mich der zentrale Faktor. Als Investor geht es mir in erster Linie darum keinen permanenten Kapitalverlust zu erleiden. Das Konzept der margin of safety zwingt mich geduldig und konsequent zu handeln. Die Höhe der erforderlichen margin of safety ist von Investment zu Investment unterschiedlich. Bei einer merger arbitrage kann sie nur wenige Prozent betragen. Bei einem hoch verschuldeten Unternehmen können auch 50% auf den equity value nicht genug sein.
Was wünschst Du Dir von der Zukunft, welche Ziele verfolgst Du?
Ich wünsche mir, dass ich die Freude am Investieren behalte. Neben der Möglichkeit Geld zu verdienen, hat ein Investor die Chance ein Leben lang zu lernen. Es gibt immer etwas neues zu entdecken. Das fasziniert mich.
Mein Ziel ist mittel- bis langfristig Kapital von Anlegern einzusammeln und diesen eine Alternative zu den klassischen aktiv gemanagten Fondsprodukten zu bieten.
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Leseprobe aus dem Fanboy-Buch zur Wiener Börse: Die 80`s (gekürzt)
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