09.09.2015, 3867 Zeichen
Die Kurseinbrüche der vergangenen Wochen und Monate haben bei vielen Aktien für eine günstige Einstiegsgelegenheit gesorgt. Im Fall der Deutschen Lufthansa erscheint diese sogar besonders günstig. Allerdings gilt eine baldige Erholung noch längst nicht als ausgemacht.
Im Zuge der jüngsten Marktunsicherheiten rund um das Wachstum der chinesischen Wirtschaft und den Zeitpunkt einer Fed-Leitzinsanhebung sind die internationalen Aktienmärkte gehörig ins Schlingern geraten. Im DAX führte das zu deutlichen Kurseinbrüchen. Kaum einer der 30 Standardwerte konnte sich der negativen Gesamtstimmung entziehen. Das legt aber auch den Schluss nahe, dass einige Titel zu Unrecht abgestraft wurden. Damit würden sich jetzt günstige Einstiegsgelegenheiten ergeben. Bei Papieren wie der BASF-Aktie könnten Anleger an die schon 150-jährige Geschichte des weltgrößten Chemiekonzerns denken, in der die Ludwigshafener allerhand Wirtschafts- und Finanzkrisen gemeistert haben. Im Fall der Energieversorger E.ON und RWE sowie der Lufthansa ist das eventuell etwas schwieriger den Einstiegszeitpunkt als große Chance zu erkennen. Schließlich haben diese Unternehmen mit ganz speziellen Herausforderungen zu kämpfen.
Bei der Lufthansa waren es zuletzt ganz besonders die Pilotenstreiks, die die Ergebnisse der Kranich-Airline belastet hatten. Dabei sieht es derzeit nicht so aus, als würde bald eine Einigung zwischen dem Management und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) bevorstehen. Vielmehr hat die Gewerkschaft am 7. September neue Streiks ausgerufen, nachdem im Rahmen einer Gesamtschlichtung keine Lösung in wichtigen Fragen wie der im Vergleich zur Konkurrenz üppigen Altersversorgung gefunden werden konnte.
Wären nicht die erneuten Pilotenstreiks, hätten Anleger zuletzt Grund zum Jubeln gehabt. Schließlich hatte Konzernchef Carsten Spohr am 4. September gegenüber „Reuters TV“ verkündet, dass das Unternehmen gerade den „besten Sommer überhaupt“ hatte. Das Geschäft im Juli und August sei deutlich besser gelaufen als erwartet, so dass man das Ziel eines um Streikkosten bereinigten Betriebsgewinns von mindestens 1,5 Mrd. Euro in diesem Jahr „komfortabel erreichen“ dürfte. Besonders erfreulich lief es zuletzt bei Germanwings. Aus diesem Grund sollte sich Spohr in seiner Strategie, das Billigangebot auszuweiten, bestätigt sehen und diesen Kurs auch gegen den Widerstand der Piloten vorantreiben.
Neben den Verbesserungen bei Germanwings profitierte die Lufthansa zuletzt auch vom gefallenen Ölpreis. Laut Unternehmensanagaben vom 30. Juli sanken die Treibstoffkosten im ersten Halbjahr 2015 im Vorjahresvergleich um 309 Mio. Euro. Aktuell sieht es auch nicht danach aus, dass sich die Ölnotierungen bald merklich erholen sollten, so dass die Lufthansa noch eine Weile von den geringeren Rohstoffkosten profitieren könnte. So wurde das bereinigte Ergebnis (Adjusted EBIT) zwischen Januar und Juni deutlich um 290 Mio. Euro auf 468 Mio. Euro gesteigert. Die Umsatzerlöse kletterten derweil um 8,5 Prozent auf 15,4 Mrd. Euro. Während die Lufthansa im bisherigen Jahresverlauf trotz der vielen Herausforderungen also solide Ergebnisse präsentieren und zudem ein starkes Sommergeschäft verbuchen konnte, bleibt es angesichts der erneuten Pilotenstreiks und des turbulenten Marktumfelds fraglich, ob sich die Lufthansa-Aktie bald aus ihrem Tief befreien kann.
Spekulative Anleger, die steigende Kurse der Lufthansa-Aktie erwarten, könnten mit einem Wave XXL-Call der Deutschen Bank (WKN XM2GQN) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Open-End-Papiers liegt derzeit bei 3,11, die Knock-Out-Schwelle bei 8,55 Euro. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem Wave XXL-Put der Deutschen Bank (WKN XM3UJ3), aktueller Hebel 3,54; Knock-Out-Schwelle bei 14,25 Euro) auf fallende Kurse der Lufthansa-Aktie setzen.
Stand: 09.09.2015
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