14.10.2015, 2153 Zeichen
Banken, Versicherungen und die Finanzbranche stöhnen über neue Vorschriften und immer intensivere Berichtspflichten an nationale und internationale Aufsichtsbehörden. Die IT-Abteilungen arbeiten mit Hochdruck, um diese Anforderungen zu erfüllen, die Abteilungen für Compliance, Revision, Recht werden personell aufgestockt, die Kosten dafür sind enorm. Auslöser war die Finanzkrise 2007 sowie Fehlentwicklungen und Skandale der letzten Jahre. Als Rechtfertigung wird u.a. auch der Anlegerschutz ins Treffen geführt.
Diese Tendenzen führen zu einer stark zunehmenden Bürokratisierung in den Unternehmen, das Produktangebot für das breite Publikum wird geringer und verteuert sich. Die Mitarbeiter werden verunsichert und fürchten sich, Fehler zu machen und das unternehmerische Denken und Handeln nimmt stark ab. Es wird auf allen Ebenen viel zu wenig hinterfragt, ob alle neuen Maßnahmen wirklich sinnvoll sind und mit welchen negativen Effekten zu rechnen ist. Betroffen sind auch Bereiche, die sich vor und nach der Krise sich bewährt haben. Die problematischen Aktivitäten, die viel zu der Finanzkrise beigetragen haben, sind indes kaum betroffen bzw. haben bereits Ausweichmöglichkeiten gefunden.
Die EU glaubt, eine Kapitalmarktunion sei die Lösung. Österreich ist auf diese Situation extrem schlecht vorbereitet, da einerseits das Niveau der Finanzbildung erschreckend niedrig ist und von wichtigen Politikern nicht als relevant gesehen wird, und anderseits der Kapitalmarkt im Vergleich zu fast allen anderen europäischen Ländern dringend verbessert werden muss. Schweden, ein hoch entwickelter Sozialstaat, sollte eine Vorbild und Beleg dafür sein, dass ein gut funktionierender Kapitalmarkt kein Widerspruch zum Wohlfahrtsstaat ist. Den Banken wird das Bereitstellen von Risikokapital gerade für KMU zunehmend erschwert, die vorsichtigen Ansätze von Crowdfinancing sollen nicht überbewertet werden und sind nur in einer speziellen Nische eine Alternative. Über kurz oder lang werden auch die Österreicher aufwachen und merken, dass die homöopathischen Zinsen für die Spareinlagen trotz niedriger Inflation zu einem permanenten Realverlust führen.
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