26.11.2015, 3346 Zeichen
Nach einer Reihe bereits geglückter Fusionen, bekam der Darmstädter Chemiekonzern Merck nun grünes Licht für die Übernahme der Nummer eins der Lieferanten für Spezialchemikalien Sigma-Aldrich. Die Übernahme stellt die bislang größte Übernahme für das 300 Jahre alte Unternehmen dar.
Mit dem Zukauf erweitert Merck seine Geschäftsfelder. Unternehmensangaben zur Folge hätte der Markt für Spezialchemikalien ein Volumen von 130 Mrd. USD. Für die Übernahme müsse das deutsche Traditionsunternehmen um die 17 Mrd. USD aufwenden. Sigma-Aldrich ist ein US-Amerikanischer Laborzulieferer für Pharma und Forschung. Sie produzieren rund 50 Prozent der vertriebenen Produkte selbst und zeichnen sich durch hohe Margen aus. In 2014 verzeichnete der Konzern einen Gewinn von 500 Mio USD, was 18 Prozent des Umsatzes ausmachte.
Merck ist in seiner Branche mit einem Umsatz von 4,6 Mrd. EUR die Nummer zwei hinter dem amerikanischen Technologieunternehmen Thermo Fischer. Zuletzt erfreute das Unternehmen mit seinen Quartalszahlen, die besser ausfielen als von Experten erwartet. Außerdem wurde der Ausblick für den Umsatz für 2015 um 0,5 Mrd. EUR auf 12,6 bis 12,8 Mrd. EUR angehoben. Auch die Erwartungen für den operativen Gewinn in diesem Jahr sind infolge der Quartalszahlen gestiegen. Ein großer Faktor, der sich positiv auf die Umsätze auswirkte, war China. Durch die Aufhebung der Ein-Kind-Politik stieg die Nachfrage nach Fruchtbarkeitsmitteln. Finanzvorstand Kuhnert bestätigte, dass das Unternehmen in diesem Geschäft zweistellige Wachstumszahlen verzeichnen konnte.
Sigma-Aldrich soll nach der Übernahme im Bereich Life-Science angesiedelt werden. Die Eingliederung würde nach Unternehmensangaben 400 Millionen EUR kosten. Dafür verspricht sich das Unternehmen ein breiteres Produktportfolio und eine stärkere Präsenz am globalen Markt und im Online-Handel. Bernd Reckmann, Leiter des Bereichs Life-Science schätzt für diesen Markt ein Wachstumspotential von vier bis fünf Prozent. Dadurch würde sich die Gewichtung der Geschäftsbereiche verschieben. Zukünftig wird die Life-Science Sparte 37 Prozent des Unternehmens ausmachen und steht damit knapp hinter den Pharma- und Gesundheitsprodukten, die mit 46 Prozent fast die Hälfte des Umsatzes ausmachen. Performance-Produkte, zu denen Flüssigkristalle und sonstige Chemikalien zählen, sind mit 17 Prozent der kleinste Geschäftsbereich. Bis jetzt setzt der deutsche Konzern bereits zwei Drittel der Umsätze in US-Dollar um. Durch die Übernahme könnte der Anteil weiter steigen.
Die Übernahme war mit 14 Monaten ein sehr langwieriger Prozess. Eigentlich sollte sie bereits Mitte diesen Jahres abgeschlossen sein. Nach der Erfüllung von Kartellauflagen gab es nun schließlich grünes Licht von der EU-Kommission. Trotz der Langatmigkeit des Prozesses, hält der Chemiekonzern an seinen Synergiezielen fest.
Seit Ende Oktober stieg der Kurs der Aktie um gut 20 Prozent und ist damit wieder annähernd auf dem Niveau von Anfang August. Da der weitere Kursverlauf der Aktien von einer Vielzahl konzernpolitischen, branchenspezifischen & ökonomischen Faktoren abhängig ist, sollten Anleger das Risiko bei ihren Investmententscheidungen berücksichtigen. Entwicklungen können jederzeit anders verlaufen als Anleger es erwarten, wodurch Verluste entstehen können.
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