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Wiener Börse: Neuer Vorstand – alte Probleme (Wilhelm Rasinger)

Bild: © Martina Draper/photaq, Wiener Börse

Autor:
Wilhelm Rasinger

ist Präsident des IVA, Honorarprofessor für Betriebswirtschaft und Aufsichtsrat bei Wienerberger, Erste Group Bank AG und S IMMO AG.

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08.06.2016, 2666 Zeichen

Österreich erlebte in den letzten Wochen einige relevante Personalwechsel: neuer Bundespräsident, neuer Bundeskanzler, neuer Vorstand der Wiener Börse. Es ist vielen klar, dass durch den Wechsel von Personen grundsätzliche Probleme nicht gelöst werden können. Der Erfolg oder Misserfolg von Politikern und Managern  ist entscheidend von den Rahmenbedingungen abhängig. Es wird von offizieller Seite immer wieder die Leistungsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft betont, aber dies findet keine Entsprechung im Stellenwert des Finanzmarkts und der Börse. Schweden ist ein sozialdemokratisch geprägtes Vorbildland, das über einen gut funktionierenden Kapitalmarkt und eine hochentwickelte Aktionärskultur verfügt. Die Schweden identifizieren sich als Aktionäre mit ihren heimischen Unternehmen, die international beachtlich erfolgreich sind. Wir sollten daraus lernen. Birgit Kuras, die altersbedingt auf eine Verlängerung ihres Vorstandsmandats verzichtete, hat mit viel Engagement und Fleiß bei extrem widrigen Umständen die Wiener Börse  geführt. Eine Unterstützung des hypertrophen Aufsichtsrats mit 12 Kapitalvertretern – nur Vertreter von Banken und Emittenten, aber nicht von Investoren – wurde in der Öffentlichkeit   nicht sichtbar. Die Meinungen von Politikern zeigten in den letzten Jahren nur Unverständnis, Desinteresse und Ignoranz. 

Das neue Team mit den Herren Christoph Boschan, Petr Koblic und Ludwig Nießen sollte ein faire Chance bekommen, d.h. die Rahmenbedingungen sind zu ändern. Nach Ansicht des IVA genügt ein Aufsichtsrat mit sechs, höchstens acht Mitglieder.  Die Struktur der Börse-Aktionäre sollte gestraft werden. Es gibt eine Vielzahl von Miniaktionären wie Blue Rock, MIBA, Constantia Industries, Constantia Flexibles, die keinen Bezug zur Börse mehr haben, für die nur noch die Dividende interessant ist. Verstärkt sollten die Anliegen der privaten wie institutionellen Investoren Berücksichtigung finden. Besonders gefordert ist der Gesetzgeber, Minister wie Abgeordnete, damit zeitgemäße Bedingungen geschaffen werden. In diesem Zusammenhang wird auf das Forderungsprogramm des IVA – siehe dazu www.iva.or.at – hingewiesen. Es ist zu hoffen, dass der neue Bundeskanzler Christian Kern, der in einem börsenotierten Unternehmen zuletzt auch als Vorstand gearbeitet hat, die Bedeutung eines funktionierenden Kapitalmarktes besser einschätzen kann als sein durch oberflächliche, ideologische Vorurteile geprägter Vorgänger. Der IVA ist bereit, sein Know How und seine Erfahrungen bei den entsprechenden, teilweise dringend notwendigen Gesetzesinitiativen einzubringen bzw. bei den realitätsfernen Sozialpartnern Überzeugungsarbeit zu leisten.


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