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Warum das Aussitzen von Verlusten gefährlich ist (Thomas Vittner)

Autor:
Thomas Vittner

Thomas Vittner, Jahrgang 1969, lebt mit seiner Lebensgefährtin in Wien und handelt seit mehr als 15 Jahren erfolgreich an den internationalen Kapitalmärkten. Er hat einen Lehrauftrag an der Donau Universität in Krems/Österreich im Bereich Aktienhandel inne und ist gerngesehener Keynote-Speaker auf renommierten, internationalen Events wie der „Invest“ oder der „World of Trading“.

Darüber hinaus ist Thomas Vittner Autor mehrerer Börsen Fachbuch-Bestseller („Das Trader Coaching“, „Die Trading Akademie“ oder „Börsenerfolg beginnt im Kopf“). Sein jüngstes Werk „Das Trading Tagebuch“ wurde auch in die englische Sprache übersetzt.

Im Jahr 2016 gründete Vittner das Fintech Startup moomoc. moomoc ist eine Plattform, auf der Anleger quantitative Trading Systeme abonnieren und zu ihrem Vorteil nutzen können. Darüber hinaus bietet moomoc in Zusammenarbeit mit renommierten Vermögensverwaltungen das moomoc Quant Engineering. Privatanleger können dabei Ihre Investments mit erfolgreichen Handelssystemen auf einem persönlichen Depot verwalten lassen.

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21.07.2016, 7895 Zeichen

Wenn man an den Börsen sein Geld erfolgreich anlegen will, braucht man dafür einen Plan. Es leuchtet ein, dass ein Plan nur dann sinnvoll ist, wenn er auch funktioniert. Wir bei moomoc verwenden mehrere solcher Pläne, die wir als Strategien bezeichnen. Alle moomoc Strategien haben etwas gemeinsam: sie funktionieren. Zumindest rückblickend gesehen, denn in die Zukunft können auch wir leider nicht blicken. Was nun aber gefährlich wird ist, von seinem Plan abzuweichen, denn damit entfernen wir uns von einem statistisch quantifizierten Ansatz und wenden uns emotional behafteten Einzelentscheidungen zu. Und wie das meist ausgeht, ist allgemein bekannt…

Diese Woche hatte ich mich mit einem Bekannten getroffen. Er verwaltet ein kleines Family Office mit dem Vermögen seiner Angehörigen. So wie wir bei moomoc handelt er Aktien, allerdings verlässt er sich dabei im Gegensatz zu uns mehr auf sein Gespür. Unsere Diskussion über die Börse verlief sehr hitzig, wie meist, wenn zwei Menschen mit grundverschiedenen Meinungen aufeinanderprallen und seine Aussagen inspirierten mich zu diesem Beitrag.

Konkret ging es ein Börsengeschäft, welches er vor kurzem tätigte. Netflix (Ticker: NFLX) hatte es ihm angetan und vor ein paar Tagen kaufte er besagte Aktie. Doch Anfang der Woche veröffentlichte das Unternehmen aktuelle Wirtschaftszahlen und die waren weit schlechter ausgefallen, als es allgemein erwartet wurde. Daher fiel die Aktien deutlich - um gut 15% - und nun war er natürlich beunruhigt.

Dazu sagte er sinngemäß:

So ein Mist. Netflix ist voll abgeschmiert. Sie haben leider die Erwartungen enttäuscht. Nachbörslich 15% minus. Ich bin gespannt, was morgen passiert. Vielleicht kann ich den Schaden eingrenzen. Es sollten nicht mehr als 1.5% meines gesamten Depots sein. Wenn ich Glück habe. Ich habe nicht besonders viele Aktien gekauft, aber immerhin. Schauen wir mal, zur Not sitze ich es aus und bleibe einige Wochen länger positioniert. Beim letzten Mal hat das auch funktioniert…

Die Zeit wird es also schon richten, oder? Eine wichtige Regel an der Börse lautet

Verluste muss man realisieren

Es gibt einen alten Spruch in den USA. „Wenn Du ein totes Pferd reitest, dann steig ab.“ Ähnliches gilt auch für tote Aktien-Anlagechancen. Egal ist dabei, ob es eine „Auferstehung“ gibt oder nicht. Damit will ich weder Netflix noch deren Geschäftsmodell für tot erklären. Im Gegenteil. Ich finde das Unternehmen toll und Netflix hat die Fernsehbranche und unsere TV Gewohnheiten ordentlich verändert. Aber das „tot“ hat sich in diesem Fall auf das einzelne Börsengeschäft im hier und jetzt bezogen und nicht auf Netflix selbst.

Natürlich ist es korrekt, dass Aktien generell dazu tendieren, zu steigen. Man nennt das im Fachjargon „Long Bias“, also die allgemeine Tendenz für steigende Kurse bei Aktien. Überprüfen kann man diese Tatsache mit simplen Analysen („Backtests“) über die historischen Kursentwicklungen. Es ist dabei immer besser, auf steigende Kurse zu setzen als auf fallende, obwohl die Kurse schneller fallen als sie steigen. Trotzdem geht’s zum Glück eher nach oben als nach unten (sieht man von temporären Crahs Phasen ab) und wäre es umgekehrt, ist etwas mit unserem gesamten Wirtschaftssystem nicht in Ordnung.

Weiters ist es auch korrekt, dass man solche Kurseinbrüche („Dips“) kaufen kann. Statistisch gesehen macht das Sinn und bestimmte Pläne (Strategien) setzten genau auf ein solches Verhalten bei Aktien. Diese Strategien nennt man im Fachjargon „Dip Buyer“ und sie funktionieren auch gut, wenn man weiß, wie man sie konzipiert. Aber die Krux liegt eben im Detail. Nicht jeden Dip kann man kaufen und Dips sitzt man schon gar nicht aus, wenn man in einen hineingerät. Vor allem dann macht das Aussitzen keinen Sinn, wenn man die Aktie aus (Chart?) technischen Gründen gekauft hat und mitten in der Haltedauer seine Strategie ändert und sich mit „die Zeit heilt alle Wunden“ tröstet.

Ich kenne die Beweggründe nicht, warum genau mein Bekannter diese Aktie gekauft hat. Ich hoffe aber, dass er sie wenigstens kennt. Aber ich vermute stark, dass seine Gründe beim Kauf andere waren als jetzt für ihn vorherrschen, um sein Investment zu verlängern. Bedenken Sie weiters: wenn wir bei moomoc einen statistischen Effekt suchen und handeln, der im Mittel (eben aus statistischer Sicht) zu einem Vorteil (zu Gewinnen) führt, dann hat dieser Effekt seine Grenzen. Er verpufft nach wenigen Tagen und daher weisen alle unsere Handelspläne (Strategien) eine kurze Haltedauer auf.

Bei Netflix ist dieser Effekt nun mit Sicherheit verpufft, vor allem, weil die Nachricht, die zu diesem Kurssturz geführt hat, den statistischen Erwartungswert neutralisiert. Einfach ausgedrückt: es gibt keinen Grund mehr, in dieser Aktie investiert zu bleiben. Es gibt aber Gründe, dieses Investment aufzulösen, wie Opportunitätskosten. Ich muss mir einfach die Frage stellen, ob es nicht sinnvoller ist, den Verlust zu realisieren und mit dem frei werdenden Geld andere Investmentchancen zu suchen. Ich verrate wohl nicht zu viel, dass dem so ist. Zumindest – wieder – aus statistischer Sicht und mehr als eine statistische Sicht habe ich nicht an den Märkten, wenn ich erfolgreich handeln will. Außer ich habe eine Glaskugel. Aber diesen Gedanken führen wir hier nicht weiter aus.

Ein Einzelereignis kann man nicht zur Regel machen

Vielleicht funktioniert der Plan meines Bekannten, aber als Grund anzuführen, dass es schon einmal funktioniert hat, ist in etwa so, wie wenn ich einmal einen schlimmen Autounfall heil überstanden habe und nun argumentiere, dass mir auch der nächste Unfall nichts anhaben wird und ich daher ab sofort auf die Verkehrsregeln nicht mehr achten brauche. Wie sich dabei die anderen Autoinsassen fühlen und ob ich künftig überhaupt nur noch alleine fahren werde, müssen andere beurteilen.

Fakt ist, dass es sich hier erneut zeigt, wie wichtig es ist, mit einem funktionierenden Plan zu arbeiten, so wie wir es bei moomoc tun. Es ist keinesfalls ausgeschlossen, dass auch wir mal Investments tätigen, die vereinzelt herbe Verluste einfahren. Aus statistischer Sicht ist das sogar mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Aber um den Schaden gering zu halten, handeln wir auch in so einem Fall weiter unseren Plan. Ohne Emotionen, ohne Vielleicht. Und ohne darauf zu hoffen, dass alles gut wird, denn wir verlassen uns auf statistische Fakten und diese besagen, dass so ein Einzelereignis passieren kann aber dann wieder die Normalität einkehrt. Auf Hoffen oder Glauben kann jedenfalls man keine funkionierende Investment Strategie aufbauen. Weder mit dem eigenen Geld noch mit fremden Geld.

Fazit

Haben Sie einen Investment Plan? Wissen Sie, welche Aktien Sie wann kaufen oder verkaufen? Wissen Sie, wie viele Aktien Sie kaufen? Nein? Dann haben Sie keinen Plan, denn ohne diese Aspekte zu beachten, wird es nicht funktionieren. Sie werden Geld verlieren, denn ohne Strategie werden Sie keine nachhaltigen Gewinne machen. Börse ist nicht einfach. Weder mental noch fachlich. Selbst ein guter Plan ist zu wenig, wenn man sich nicht daran hält. Daher tut man gut daran, sein Geld Menschen anzuvertrauen, die Spezialisten sind und die wissen, was sie tun. Wir bei moomoc haben mehrere solche Pläne oder Strategien, die Sie sich mit einem Mausklick zu sich nach Hause holen können. Pläne oder Strategien, die statistisch geprüft wurden und die transparent sind. Wählen Sie einen oder mehrerer dieser Pläne (Aktienstrategien) nach Rendite, Anlageschwerpunkt und Abo-Preis und stellen Sie auf dem Broker Depot nach. Und meiden Sie Menschen, die Ihre Investitionsentscheidungen am "glauben" festmachen.

Ach ja. Besagter Bekannte hat diesen Artikel übrigens vor Veröffentlichung gelesen und "freigegeben". Nun schulde ich ihm zwar einen Kaffee, aber sonst ist alles gut. Er und ich wissen, dass eine unterschiedliche fachliche Meinung einer Freundschaft nicht im Wege steht.


(21.07.2016)

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    Wenn man an den Börsen sein Geld erfolgreich anlegen will, braucht man dafür einen Plan. Es leuchtet ein, dass ein Plan nur dann sinnvoll ist, wenn er auch funktioniert. Wir bei moomoc verwenden mehrere solcher Pläne, die wir als Strategien bezeichnen. Alle moomoc Strategien haben etwas gemeinsam: sie funktionieren. Zumindest rückblickend gesehen, denn in die Zukunft können auch wir leider nicht blicken. Was nun aber gefährlich wird ist, von seinem Plan abzuweichen, denn damit entfernen wir uns von einem statistisch quantifizierten Ansatz und wenden uns emotional behafteten Einzelentscheidungen zu. Und wie das meist ausgeht, ist allgemein bekannt…

    Diese Woche hatte ich mich mit einem Bekannten getroffen. Er verwaltet ein kleines Family Office mit dem Vermögen seiner Angehörigen. So wie wir bei moomoc handelt er Aktien, allerdings verlässt er sich dabei im Gegensatz zu uns mehr auf sein Gespür. Unsere Diskussion über die Börse verlief sehr hitzig, wie meist, wenn zwei Menschen mit grundverschiedenen Meinungen aufeinanderprallen und seine Aussagen inspirierten mich zu diesem Beitrag.

    Konkret ging es ein Börsengeschäft, welches er vor kurzem tätigte. Netflix (Ticker: NFLX) hatte es ihm angetan und vor ein paar Tagen kaufte er besagte Aktie. Doch Anfang der Woche veröffentlichte das Unternehmen aktuelle Wirtschaftszahlen und die waren weit schlechter ausgefallen, als es allgemein erwartet wurde. Daher fiel die Aktien deutlich - um gut 15% - und nun war er natürlich beunruhigt.

    Dazu sagte er sinngemäß:

    So ein Mist. Netflix ist voll abgeschmiert. Sie haben leider die Erwartungen enttäuscht. Nachbörslich 15% minus. Ich bin gespannt, was morgen passiert. Vielleicht kann ich den Schaden eingrenzen. Es sollten nicht mehr als 1.5% meines gesamten Depots sein. Wenn ich Glück habe. Ich habe nicht besonders viele Aktien gekauft, aber immerhin. Schauen wir mal, zur Not sitze ich es aus und bleibe einige Wochen länger positioniert. Beim letzten Mal hat das auch funktioniert…

    Die Zeit wird es also schon richten, oder? Eine wichtige Regel an der Börse lautet

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    Natürlich ist es korrekt, dass Aktien generell dazu tendieren, zu steigen. Man nennt das im Fachjargon „Long Bias“, also die allgemeine Tendenz für steigende Kurse bei Aktien. Überprüfen kann man diese Tatsache mit simplen Analysen („Backtests“) über die historischen Kursentwicklungen. Es ist dabei immer besser, auf steigende Kurse zu setzen als auf fallende, obwohl die Kurse schneller fallen als sie steigen. Trotzdem geht’s zum Glück eher nach oben als nach unten (sieht man von temporären Crahs Phasen ab) und wäre es umgekehrt, ist etwas mit unserem gesamten Wirtschaftssystem nicht in Ordnung.

    Weiters ist es auch korrekt, dass man solche Kurseinbrüche („Dips“) kaufen kann. Statistisch gesehen macht das Sinn und bestimmte Pläne (Strategien) setzten genau auf ein solches Verhalten bei Aktien. Diese Strategien nennt man im Fachjargon „Dip Buyer“ und sie funktionieren auch gut, wenn man weiß, wie man sie konzipiert. Aber die Krux liegt eben im Detail. Nicht jeden Dip kann man kaufen und Dips sitzt man schon gar nicht aus, wenn man in einen hineingerät. Vor allem dann macht das Aussitzen keinen Sinn, wenn man die Aktie aus (Chart?) technischen Gründen gekauft hat und mitten in der Haltedauer seine Strategie ändert und sich mit „die Zeit heilt alle Wunden“ tröstet.

    Ich kenne die Beweggründe nicht, warum genau mein Bekannter diese Aktie gekauft hat. Ich hoffe aber, dass er sie wenigstens kennt. Aber ich vermute stark, dass seine Gründe beim Kauf andere waren als jetzt für ihn vorherrschen, um sein Investment zu verlängern. Bedenken Sie weiters: wenn wir bei moomoc einen statistischen Effekt suchen und handeln, der im Mittel (eben aus statistischer Sicht) zu einem Vorteil (zu Gewinnen) führt, dann hat dieser Effekt seine Grenzen. Er verpufft nach wenigen Tagen und daher weisen alle unsere Handelspläne (Strategien) eine kurze Haltedauer auf.

    Bei Netflix ist dieser Effekt nun mit Sicherheit verpufft, vor allem, weil die Nachricht, die zu diesem Kurssturz geführt hat, den statistischen Erwartungswert neutralisiert. Einfach ausgedrückt: es gibt keinen Grund mehr, in dieser Aktie investiert zu bleiben. Es gibt aber Gründe, dieses Investment aufzulösen, wie Opportunitätskosten. Ich muss mir einfach die Frage stellen, ob es nicht sinnvoller ist, den Verlust zu realisieren und mit dem frei werdenden Geld andere Investmentchancen zu suchen. Ich verrate wohl nicht zu viel, dass dem so ist. Zumindest – wieder – aus statistischer Sicht und mehr als eine statistische Sicht habe ich nicht an den Märkten, wenn ich erfolgreich handeln will. Außer ich habe eine Glaskugel. Aber diesen Gedanken führen wir hier nicht weiter aus.

    Ein Einzelereignis kann man nicht zur Regel machen

    Vielleicht funktioniert der Plan meines Bekannten, aber als Grund anzuführen, dass es schon einmal funktioniert hat, ist in etwa so, wie wenn ich einmal einen schlimmen Autounfall heil überstanden habe und nun argumentiere, dass mir auch der nächste Unfall nichts anhaben wird und ich daher ab sofort auf die Verkehrsregeln nicht mehr achten brauche. Wie sich dabei die anderen Autoinsassen fühlen und ob ich künftig überhaupt nur noch alleine fahren werde, müssen andere beurteilen.

    Fakt ist, dass es sich hier erneut zeigt, wie wichtig es ist, mit einem funktionierenden Plan zu arbeiten, so wie wir es bei moomoc tun. Es ist keinesfalls ausgeschlossen, dass auch wir mal Investments tätigen, die vereinzelt herbe Verluste einfahren. Aus statistischer Sicht ist das sogar mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Aber um den Schaden gering zu halten, handeln wir auch in so einem Fall weiter unseren Plan. Ohne Emotionen, ohne Vielleicht. Und ohne darauf zu hoffen, dass alles gut wird, denn wir verlassen uns auf statistische Fakten und diese besagen, dass so ein Einzelereignis passieren kann aber dann wieder die Normalität einkehrt. Auf Hoffen oder Glauben kann jedenfalls man keine funkionierende Investment Strategie aufbauen. Weder mit dem eigenen Geld noch mit fremden Geld.

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