20.04.2018, 3010 Zeichen
Aus unserem neuen Börsenbrief: http://www.boerse-social.com/gabb . Autor: Bernhard Haas, Wiener Privatbank.
Wieder mal liegt eine geschäftige Handelswoche hinter uns. Während international vor allem die Berichtsaison in den USA und Europa für Schlagzeilen sorgte, hielten am heimischen Markt besonders die Immobilienfirmen die Investoren auf Trab. Während das (teilweise) Übernahmeangebot des US-Investors Starwood für Immofinanz und CA Immo kaum überraschte (immerhin war es bereits im Vorfeld angekündigt worden), sorgte die Übernahme von knapp über 29% an S Immo durch Immofinanz doch für das eine oder andere überraschte Gesicht.
Dazu eine kurze Hintergrundgeschichte für diejenigen, die diese Saga trotz dem teilweise hohen Unterhaltungswert bisher nicht verfolgt hatten: Im Laufe der letzten 12 Monate kauften sich die am heimischen Markt nicht unbekannten Investoren Pecik und Benko in mehreren Schritten bei S Immo ein. Gleichzeitig stockte die Firma ihren Anteil an Immofinanz- und CA Immo-Aktien auf, weswegen die Gerüchteküche am heimischen Markt ordentlich ins Brodeln kam. Diese Woche gab Immofinanz bekannt selbigen Anteil um wohlfeile € 20/Aktie übernehmen zu wollen, was wohl zu einem netten Reibach für die beiden Investoren führen dürfte.
Damit hätte Immofinanz einen Anteil von 29,1% an S Immo sowie knapp 26% an CA Immo. So weit so gut. S Immo hält jedoch auch einen Anteil von 11,8% an Immofinanz sowie über 5% an CA Immo. Wenn sie langsam beginnen den Überblick zu verlieren: Keine Sorge, denn es wird vielleicht bald wieder deutlich weniger kompliziert. Einen Tag später gab Immofinanz nämlich bekannt, den CA Immo-Anteil zum Verkauf anzubieten. Damit umgeht man nicht nur ein möglicherweise notwendiges Pflichtangebot für CA Immo (da der Anteil der S Immo für diese Zwecke auch der Immofinanz zugerechnet werden könnte und sie daher über die 30% Schwelle kommen würde; wie üblich reagiert im Übernahmegesetz der Konjunktiv, da es diverse Ausnahmeregelungen gibt und der eine oder andere kreative Rechtsanwalt hier vielleicht Umwege finden könnte). Die Firma würde sich (einen guten Verkaufspreis vorausgesetzt) auch eine schöne Kriegskasse aufbauen, immerhin deutete die Firma bereits an, dass durchaus Interesse an einer „intensiveren“ Kooperation mit S Immo besteht…
An der Börse wurden diese Nachrichten insgesamt eher gemischt aufgenommen. Während es bei CA Immo kaum Bewegungen gab, überwogen bei S Immo und Immofinanz doch deutlich die Verkäufer. Bei letzterer dürfte wohl der recht geschmalzene Preis für die S Immo Aktien (immerhin knapp 14% über dem zuletzt veröffentlichten EPRA-NAV der Firma; zum Vergleich: Immofinanz selbst notiert aktuell knapp 25% UNTER dem eigenen NAV) eine Rolle gespielt haben. Insgesamt dürften wir uns wohl nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, wenn wir sagen: Es ist zu bezweifeln, dass dies bereits das letzte Kapitel in einer Saga ist, die sich nun schon über mehrere Jahre hinzieht…
CA Immo (27,52/27,86 , 0,33% )
S Immo (16,24/16,54 , 1,55% )
Immofinanz (2,11/2,13 , -0,09% )
Wiener Börse Party #1192: ATX schwächer, die Volumina auf Jahreslow, FACC und Palfinger im Duett, EY lobt Ö-Versicherer
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