11.09.2018, 2247 Zeichen
Der Brent-Ölpreis legte zu Wochenbeginn trotz Dollarstärke wieder zu und stieg auf 78 US-Dollar je Barrel. Aus Sicht der Commerzbank arbeiten die Marktteilnehmer mit aller Kraft daran, einen kurzfristigen Anstieg über 80 US-Dollar je Barrel zu erzwingen.
Alle Aspekte würden positiv für den Ölpreis interpretiert und genutzt: seien es die guten US-Arbeitsmarktdaten am Freitag, die wieder aufflackernde „Risk-On“ Stimmung an den Finanzmärkten oder die anhaltenden Sorgen um den Wegfall iranischer Ölexporte ab November.
Diese Sorgen seien nicht unberechtigt, so die Analysten weiter, „denn die Importeure iranischen Öls werden wohl aus Angst vor möglichen US-Sanktionen freiwillig ihre Importe reduzieren“. So habe im August erst Südkorea, einer der wichtigsten Käufer von iranischem Öl, seine Importe komplett heruntergefahren. Auch die Finanzanleger erwarten weiter steigende Ölpreise und erhöhten in der Woche zum 4. September ihre entsprechenden Wetten laut CoT-Report.
Ob das mal nicht zu leichtfertig ist, denkt sich wohl der Fondsanbieter Aberdeen. Denn Robert Minter, Investmentstratege bei Aberdeen, glaubt trotz der erneuten Sanktionen der USA gegen den Iran nicht an starke Preiszuwächse bei Rohöl. „Dies ist nicht der Beginn einer weiteren Phase von Preiserhöhungen“, so Minter in einer aktuellen Markteinschätzung. Er geht nicht einmal davon aus, dass die Sanktionen im November überhaupt in Kraft treten werden. „Die beiden Akteure, die am meisten zu verlieren haben, wenn 2,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag vom Markt genommen werden, sind die Präsidenten der USA und des Iran selbst“, sagt Minter.
Darüber hinaus sei es unwahrscheinlich, dass die Nachfrage nach Öl zu jedem Preis anhalten wird. Schließlich habe der Anstieg der vergangenen zwölf Monate bereits Anzeichen von Stress hervorgerufen. Auch mit Blick auf die Angebotsseite erscheint eine Preiserhöhung aus Sicht des Aberdeen-Experten wenig wahrscheinlich. Die OPEC- und Nicht-OPEC-Produzenten hätten sich darauf geeinigt, die Produktion zu erhöhen, um etwaige Produktionsausfälle auszugleichen, so Minter. Der Ölpreis dürfte sich in absehbarer Zukunft bei einer Spanne zwischen 60 und 70 US-Dollar je Barrel einpendeln.
Im Original hier erschienen: Rohöl: Anzeichen von Stress
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